Ein Abend zwischen Rückblick und Ausblick: 185 Jahre Krankenhausgeschichte in Eupen und gleichzeitig noch viele offene Fragen für die Zukunft. Auch wenn die drohende Krankenhausreform Personal und Patienten in der Region nervös macht, herrschte bei der Feier die Zuversicht, dass das Krankenhaus durch den geplanten Eintritt in die CHC-Gruppe auf dem richtigen Weg ist.
"Es ist schon viel passiert in dem Haus, es gab mehrere Umbrüche und es wird auch noch mehrere Veränderungen geben", so die Verwaltungsratspräsidentin des Krankenhauses, Claudia Niessen. "Aber sehr wichtig ist: 185 Jahre gab es den Standort Eupen und wir sind sehr zuversichtlich, dass es den Standort auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten geben wird und dass wir eine Rolle spielen werden in der Gesundheitsversorgung unserer Region hier am Standort in Eupen. Dafür arbeiten wir intensiv und dafür haben wir uns auch die Unterstützung gesucht."
Ein Vertrag ist zwar noch nicht unterschrieben, doch die Zusammenarbeit mit der CHC-Gruppe läuft bereits auf vielen Ebenen. Für Niessen ist klar: Das Eupener Krankenhaus ist in der Gruppe gut aufgehoben - auch als möglicher Kompetenzstandort. Denn schon heute gibt es in Eupen Angebote, die man in anderen Krankenhäusern nicht findet - zum Beispiel die Dialyseabteilung. Auch die Geriatrie ist gut aufgestellt. "Wir könnten hier auch noch viele andere Dienste nennen, aber was für uns besonders wichtig ist, ist die patientennahe Versorgung und dass wir auch wirklich ein Standort bleiben, der die Patienten hier in dieser Region empfängt und vor allem auch die chronisch kranken Patienten weiter aufnehmen kann, um lange Wege zu vermeiden."
Auch für die CHC-Gruppe ist die künftige Zusammenarbeit mit dem St.-Nikolaus-Hospital wichtig. "Wir werden mit dieser Maßnahme die beiden Standorte gegenseitig stärken. Wir werden ein Versorgungsnetz aufbauen und kohärentere, besser koordinierte und für den Patienten effizientere Versorgungswege organisieren", erklärt der Präsident der CHC-Gruppe, Xavier Drion. "Dabei wollen wir natürlich vor allem die Nähe der Versorgung und auch die Versorgung in deutscher Sprache berücksichtigen. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt im Rahmen dieser Annäherung. Wir werden natürlich stets darauf achten, den Patienten im Blick zu behalten. Der Patient ist das, was uns in unserem täglichen Handeln beschäftigt und wir werden natürlich alles auf den Patienten ausrichten."
Im größeren Kontext der Reformen will sich die CHC-Gruppe auch mit den weiteren Nachbarkrankenhäusern vernetzen - dem CHR-Verviers und dem Krankenhaus von Malmedy. Auch die Klinik St. Josef in St. Vith soll einbezogen werden. Sollte sich der Expertenbericht der Krankenhausreform durchsetzen, dann stehen die Intensivstationen und die Notaufnahmen in den Krankenhäusern der DG auf dem Spiel. "Wir müssen klug und mutig denken, um ein tragfähiges Projekt zu entwickeln, und wir werden es selbstverständlich verteidigen müssen, wenn es nicht vollständig mit den aktuellen Reformvorschlägen übereinstimmt. Es muss dem Patienten möglich sein, bei Notfällen und einer Reihe von Erkrankungen in der Nähe seines Wohnortes behandelt zu werden, und wir müssen auch in Bezug auf andere Erkrankungen umfassender nachdenken - all das wird natürlich in den kommenden Monaten und Jahren Gegenstand intensiver Überlegungen sein. Wir brauchen da auch die Unterstützung der politischen Entscheidungsträger und der DG-Regierung."
Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft steht hinter den Krankenhäusern der Region. "Wir arbeiten wirklich auf Augenhöhe mit den Krankenhäusern zusammen und das schon seit längerer Zeit", erklärt die zuständige Ministerin Lydia Klinkenberg. "Wir versammeln uns regelmäßig und besprechen auch die verschiedensten Details der Reform, beziehungsweise des Expertenberichts. Politische Entscheidungen hat es ja noch nicht gegeben." "Wir versuchen natürlich für Ostbelgien die bestmögliche Gesundheitsversorgung herauszuholen, die Sicherung unserer beiden Krankenhausstandorte und einer Gesundheitsversorgung in deutscher Sprache. Es ist wirklich wichtig, dass das alle auf ihren Ebenen tun. Ich bringe es regelmäßig in Brüssel vor und es ist auch wichtig, dass die Krankenhäuser es über ihre verschiedenen Möglichkeiten auch machen."

Neben den Herausforderungen durch die Krankenhausreform war vor allem ein weiteres Thema bei dem Frühlingsfest präsent - der Stromausfall im Februar und wie das Personal mit der Situation umgegangen ist. In seiner Rede betonte Chefarzt Tom Van Leemput die Krise als ein Beispiel für den starken Zusammenhalt im Haus. "In einer plötzlichen Krisensituation haben Sie alle, ohne zu zögern, mit Professionalität, Ruhe und Flexibilität gehandelt. Die Abteilungen haben zusammengearbeitet, Lösungen wurden schnell und kreativ gefunden. Und vor allem: Die Versorgung unserer Patienten war jederzeit gewährleistet."
Im Rahmen des Frühlingsfestes wurden außerdem zahlreiche Mitarbeitende für ihr langjähriges Arbeitsverhältnis geehrt. Zudem präsentierte das Krankenhaus einen Jubiläumsfilm, der Einblicke in den Arbeitsalltag verschiedener Personalmitglieder gibt.
Lindsay Ahn