In Ostbelgien stellt sich die Frage: Wie gravierend ist das Obdachlosenproblem wirklich? Im Kern der Debatte stehen dabei nicht die fast 200 Menschen ohne festen Wohnsitz, die meist privat unterkommen, sondern eine kleine Gruppe von Personen, die tatsächlich auf der Straße lebt.
Wenn Sucht auf Obdachlosigkeit trifft
Laut Ministerin Lydia Klinkenberg betrifft die extreme Obdachlosigkeit im Schnitt etwa fünf Personen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG). Bei dieser Klientel trifft Wohnungslosigkeit manchmal auch auf schweres Suchtverhalten. "Das sind die Personen, die heute keine gute Lösung erhalten", räumt Klinkenberg ein.
Herkömmliche Notunterkünfte der Gemeinden stoßen hier an ihre Grenzen, da diese Menschen einen sehr hohen Betreuungsbedarf haben, den die lokalen Strukturen allein nicht leisten können.
Kein Bedarf für großes Obdachlosenheim
Trotz der prekären Lage sieht die Ministerin keinen Grund für den Bau eines klassischen Obdachlosenheims nach dem Vorbild größerer Städte wie Verviers. Der Handlungsspielraum der DG ist zudem begrenzt, da die Aufsicht über die ÖSHZ beim Föderalstaat liegt.
Für die geringe Anzahl an Betroffenen sei ein großes Heim nicht die richtige Antwort. "Wir brauchen wirklich eine Übergangslösung für einige Wochen für diese Personen. Da reicht dann auch ein Schlafplatz."
Suche nach kurzfristigen Lösungen
Um die Lücke in der Versorgung zu schließen, arbeitet die Regierung mit der ASL zusammen. "Die ASL hat vor kurzem einen Antrag bei der König-Baudouin-Stiftung gestellt, um einen Schlafplatz für diese Personen aufzubauen, um sie dann nach kurzer Zeit in eine Entzugsklinik oder psychiatrische Begleitung überweisen zu können. Und wenn die Personen dann stabilisiert sind, können sie auch in eine Einrichtung der Deutschsprachigen Gemeinschaft - wie das Begleitete Wohnen Ostbelgien oder ins Psychiatrische Pflegeheim", sagt Klinkenberg.
Für die besonders schwierigen Einzelfälle gibt es aktuell noch keine fertige Lösung. Man arbeite aber daran, so die Sozialministerin.
Manuel Zimmermann