Europa-Aktivist zu Gast in Eupen: Ostbelgien verdient mehr Beachtung

Es lohnt sich, als junger Mensch manchmal Lärm zu machen und sich für eine Sache hartnäckig einzusetzen. Das hat der Europa-Aktivist Martin Speer vor einigen Jahren bewiesen. Am Freitag hat er in Eupen Argumente für mehr Jugendbeteiligung in der Politik vorgestellt.

Podiumsdiskussion mit Martin Speer, Ministerin Isabelle Weykmans und dem Europa-Experten Rolf Falter, moderiert von BRF-Redakteurin Raffaela Schaus (Bild: Denis Jansen)

Podiumsdiskussion mit Martin Speer, Ministerin Isabelle Weykmans und dem Europa-Experten Rolf Falter, moderiert von BRF-Redakteurin Raffaela Schaus (Bild: Denis Jansen)

Als Student hatte Martin Speer sich gemeinsam mit Vincent Herr für das Konzept „Free Interrail“, Gratis-Zugtickets für 18-jährige Europäer, eingesetzt. Und in der Tat wurde die Idee von der EU aufgegriffen und umgesetzt.

Freitagabend war Speer in Eupen zu Gast, um über Jugendbeteiligung zu sprechen. Anlass war die Veranstaltung „Europa, was geht morgen?“ in der Pop-Up-Event-Location vom Rat der Deutschsprachigen Jugend, von Eurodesk und Europe Direct Ostbelgien.

Herr Speer, warum ist es wichtig, dass Jugendliche sich einbringen?

Gerade die Perspektiven junger Menschen werden wirklich in der Politik gebraucht. Wenn wir auf den Klimawandel schauen, wenn wir auf die Sicherheit Europas schauen, wenn wir auf die Zukunft unserer Demokratie schauen, dann haben viele junge Leute richtig tolle Ideen, aber dringen manchmal gar nicht vor in den politischen Raum, werden im Europäischen Parlament nicht gehört oder auch hier bei Ihrer regionalen Regierung. Aber junge Menschen leben nicht nur in der Zukunft, in der sie leben müssen, sondern sie haben auch die Ideen, wie diese Zukunft gut gestaltet werden kann. Und deswegen sollte man sie ernst nehmen. Deswegen sollte man mehr auf sie hören und sie wirklich stärker einbinden.

Der Hauptteil des Abends war eine Diskussionsrunde mit Jugendministerin Isabelle Weykmans und Europa-Experte Rolf Walter. Was waren für Sie die interessanten Punkte?

Also ich fand die Diskussion mit beiden richtig super. Ich fand den Gedanken interessant, dass Europas Demokratie noch nicht vollendet ist. Da ging es ein bisschen darum, dass das Parlament nicht so mächtig ist wie der Rat und solche Fragen. Dass wir da weiterkommen müssen, das fand ich sehr interessant. Ich fand es super, dass die Ministerin noch mal das Thema Geoblocking angesprochen hat. In einer Grenzregion wie hier merkt man, wo Europa schon funktioniert und wo noch nicht, und was besser werden muss. Und von Ostbelgien kann glaube ich ganz Europa ein bisschen auch noch lernen, was besser gehen kann und muss. Beispielsweise im Bereich Geoblocking. Und da war die Ministerin ja optimistisch, dass das Thema irgendwann mal gelöst wird. Aber vielleicht mit mehr Energie.

Sie wohnen in Berlin. War Ostbelgien Ihnen da überhaupt ein Begriff? Und was hat Sie dazu bewegt, zuzusagen und hierhin zu kommen?

Ich kannte Ostbelgien von dem Wikipedia-Artikel und vom Durchfahren mit dem Zug. Es war aber schön, jetzt wirklich auszusteigen, hier Zeit zu verbringen, ins Gespräch zu kommen. Und ich finde es eine super-interessante Region, die viel zu wenig beachtet wird, auch in Deutschland. Ich finde, wir könnten hier viel mehr hinschauen. Auch das Thema Bürgerrat, was wir heute ein bisschen besprochen haben, ist vielleicht ein Modell, von dem auch andere europäische Regionen lernen können. Und mehr Leute sollten ehrlicherweise mal nach Ostbelgien fahren und nicht nur nach Brüssel zum Frittenessen.

Ein Wort, das sie heute gelernt haben?

Ja, der Unterschied zwischen Fritten und Pommes war mir gar nicht so bewusst. Aber jetzt weiß ich, hier sollte ich eher von Fritten sprechen.

rasch/km

3 Kommentare
  1. Guido Scholzen

    Nach dem Durchlesen einiger Ideen in den Werken des Martin Speers bleibt festzustellen, dass es sich bei diesem „Europa-Aktivisten“ auch nur um ein Opfer des ideologischen Schubladen-Denkens aus der Ära Merkel handelt.
    Er erzählt oft von der Flucht seiner Eltern aus dem Osten, und vergisst dabei, dass es mitunter eine neo-marxistische EU-Politik mit Berliner Federführung ist, die eine Selbst-Sabotage des Vereinigten Europas verursacht. Der Brexit sollte zu denken geben, nicht ein Theoretiker Martin Speer.
    Schade.

  2. Alexander Hezel

    …n’a Zum Glück gibt’s bei Schulze & Schultze kein „Schubladendenken“.

  3. MARCEL SCHOLZEN eimerscheid

    Herr Hezel

    Im Gegensatz zu Ihnen, überlasse ich das Denken nicht anderen.Auch laufe ich nicht gedankenlos jedem politisch korrektem Phänomen hinterher.Das Selberdenken müssen Sie noch was üben.Aber keine Sorge Sie schaffen das.Etwas unbequem und ungewohnt am Anfang, aber mit der Zeit gewöhnt man sich ans Selberdenken.Es hat fast nur Vorteile, kaum Nachteile.
    Schönen Sonntag noch.