„Resilienz – Wie wir leichter durch Krisen kommen“: Neues Angebot in Schulen

Von Resilienz ist viel zu hören und zu lesen in letzter Zeit. Bislang war der Begriff überwiegend nur in Fachkreisen geläufig. Gemeint ist die "seelische Widerstandskraft", die wir Menschen brauchen, um Krisen zu bewältigen. Die Corona-Pandemie und ihre Folgen haben das Thema ins Blickfeld gerückt - auch in den Schulen.

Bischöfliche Schule - Technisches Institut St. Vith (BSTI) (Archivbild: Michaela Brück/BRF)

Auch an der BS in St. Vith wird das Resilienz-Training angeboten (Archivbild: Michaela Brück/BRF)

In Ostbelgien bietet das Zentrum Kaleido jetzt Workshops für Lehrer, Schüler und Eltern an, die Resilienz stärken sollen. Entwickelt wurde das Programm zusammen mit dem „Cooldown-Training“ aus Aachen. „Es ist ganz schrecklich, wenn ich als Mensch in die Welt gehe und denke, ich bin immer abhängig von anderen“, sagt Mona Oellers von „Cooldown-Training“.

„Ob ich glücklich bin, ob ich erfolgreich bin, ob ich zufrieden bin. Nein, mein Partner muss mich glücklich machen oder meine Eltern müssen mich glücklich machen. Und wir fangen eben mit den Schülern in ihrem Leben an. Es ist ganz wichtig: Ich bin verantwortlich in meinem Leben, ob es mir gut geht. Und es gibt eine Menge Dinge, die ich dafür tun kann.“

Das üben Oellers und ihr Team mit den Schülern. 14 Schulen in der DG machen bei dem Programm mit. Eine davon ist die BS in St.Vith, wo Mona Oellers selbst die Workshops leitet. Dabei stellt sie große Unterschiede in den verschiedenen Abteilungen fest, was Lebenswelten und die Erfahrung von Krisen betrifft.

„Wenn wir in manchen Klassen fragen: Habt ihr schon mal eine Krise erlebt? Da gucken die uns an: ‚Was ist eine Krise?‘. Sagen wir Herausforderungen – etwas, was ihr bewerkstelligen musstet? ‚Nö‘. Da hat man so das Gefühl, dass die in einer Blase leben. Wenn wir aber dann nachfragen: Bei wem haben sich denn Eltern getrennt? Oder wer hat mal einen Menschen verloren, der ihm wichtig war? Da kommt dann dieses Bewusstsein für Krise.“

Was brauchen Menschen, um sich trotz schwieriger Bedingungen gut zu entwickeln? Das Cooldown-Training orientiert sich an den sieben Säulen der Resilienz: Optimistisch sein, unabänderliche Dinge akzeptieren können, Sachen selbst in die Hand nehmen, lösungsorientiertes Denken, Übernahme von Verantwortung, das Pflegen von Beziehungen zu anderen Menschen und das Beschäftigen mit der eigenen Zukunft.

Mit vielfältigen Methoden vermitteln Mona Oellers und ihr Team die Säulen der Resilienz: Verschiedene Materialien und Symbole kommen in den anderthalb Stunden zum Einsatz. Ein Beispiel ist der Umgang mit Stress. Das wird hier praktisch trainiert.

Bewusstsein schaffen und Werkzeuge an die Hand geben, darum geht es – und auch darum, Tabus zu brechen. „Wir fragen zum Beispiel: Wer von euch hat jemanden, mit dem er über seine Gefühle sprechen kann? Und es ist leider in manchen Klassen sehr, sehr klischeemäßig“, berichtet Oellers.

„Man hat dann drei Mädchen, die stehen auf und 21 Jungs bleiben sitzen. Wo wir dann so denken: Okay, dann ist allerhöchste Eisenbahn, dass wir da sind, denn Jungs fühlen auch. Und es wäre auch toll, wenn Jungs nicht nur mit Testosteronschildern rumlaufen müssen, sondern eben auch sagen dürfen ‚Heute geht’s mir nicht gut‘.“

Um seelische Widerstandskraft zu entwickeln, müssen Menschen Eigenverantwortung entwickeln – und das schon in der Schule, findet Mona Oellers. „Eigenverantwortliche Menschen – dazu gibt es Studien – leiden seltener unter Depressionen oder fallen in einen Burnout. Also das ist nachgewiesen“, erklärt Oellers.

„Das heißt, die Eigenverantwortung ist etwas. Das müssen unsere Kinder ganz früh schon lernen. Die Tendenz ist aber leider anders. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Familien ich hier begleite im Einzelcoaching. Da machen die Kinder zu Hause nichts zum Thema Eigenverantwortung. Sie sind 16 Jahre und haben noch keinen Staubsauger bedient. Die sind letztendlich so erzogen, dass sie relativ lebensuntauglich sind. Und die gehen mit der Haltung in die Welt: ‚Die anderen werden es für mich schon machen‘.“

Den Blick auf Glücksmomente lenken – das gehört zu den ungewöhnlichen Schulaufgaben im Cooldown-Training. Denn mit der Erinnerung an Glücksmomente tue man etwas Gutes für sich. Hierbei spielen auch die Eltern der Trainingsteilnehmer eine Rolle.

„Die Schüler müssen den Eltern am Abendbrottisch die Frage stellen ‚Liebe Mama, lieber Papa, wann hattest du eigentlich einen Glücksmoment heute?‘ Wir wissen, dass wir das erstmal nicht überprüfen können, aber wir sagen natürlich: Achtung, wir haben eine Online-Veranstaltung mit euren Eltern.“

Denn die werden in das Resilienztraining einbezogen – unter anderem mit einem 45-minütigen Impulsvortrag. Für Lehrer gibt es ebenfalls ein begleitendes Programm. Hinzu kommt eine eigens zum Thema Resilienz herausgegebene Zeitschrift von Kaleido. Für die Schüler gibt es am Ende des Workshops eine symbolische Resilienztüte.

Auch wenn sie nicht alle Schüler erreichen könnten, die Rückmeldungen seien durchweg positiv, so der erste Eindruck von Mona Oellers. Die Workshops werden in Zusammenarbeit mit Kaleido noch das ganze Schuljahr über angeboten.

Michaela Brück

5 Kommentare
  1. Edgar Michaelis

    Wenn es krieselt, dann kommen die Berater. Die Schulen und Eltern die dazu auch noch ‚eingebunden‘ werden (ein schlechtes Gewissen ist ja immer auch Gold wert), sollten sich mal die Infos auf der Webseite/Impressum der Firma ansehen, ehe man Geld für Fragwürdiges hinaus wirft : Man liesst : Berufsbezeichnung: Beratung
    Zuständige Kammer:
    Verliehen durch:
    Es gelten folgende berufsrechtliche Regelungen:
    Regelungen einsehbar unter: http://
    Auf jeden Fall werden die Schüler erfahren, wie man ’systemischgeneigte heisse Luft‘ zu Geld machen kann !

  2. Gerlinde Wächter

    @Edgar Michaelis: Ich finde die Idee, „Resilienz“ mit Schülern zum Thema zu machen sehr gut. Auf welcher Internetseite sie waren weiß ich nicht, unter Mona Oellers stehen aber bei Vita durchaus mehr Informationen über die Frau und ihre Ausbildung. Dem Ansatz einer präventiven Arbeit kann ich mehr abgewinnen, als Sprüchen wie „da musst du durch“. Was auch immer sie mit der Beschreibung „systemisch geneigte“ Luft meinen – vielleicht können sie uns ja an ihren Lösungsansätzen teilhaben lassen? Meckern kann jeder, machen scheinbar nur wenige.

  3. Edgar Michaelis

    @ Frau Wächter… auf der selben Webseite wo sie auch waren, wie schon erwähnt unter ‚Impressum’… und sie haben recht, meckern kann jeder… und eine Vita kann so oder so gelesen werden.
    „systemisch geneigt“ heisst : gehorsamst bitte nur Symptome behandeln, ja keine kritische Ursachenforschung betreiben…. Was da im Text alles unter dem Label Resilienz ver-/gepackt und verkauft werden soll hört sich für mich wie ne tolle Kaffeefahrt an wo warme Decken verkauft werden sollen !

  4. Gerd Havenith

    Die sieben Säulen der Resilienz sind gewiss von Bedeutung: Optimistisch sein, unabänderliche Dinge akzeptieren können, Sachen selbst in die Hand nehmen, lösungsorientiertes Denken, Übernahme von Verantwortung, das Pflegen von Beziehungen zu anderen Menschen und das Beschäftigen mit der eigenen Zukunft.
    Das Wesentliche ist aber, dass das Fundament, das sich in den ersten drei bis sechs Lebensjahren eines Menschen entwickelt, stimmt. Wenn dieses Fundament auf wackligen Füßen steht, dann helfen auch die sieben Säulen der Resilienz zumeist nicht mehr. Das stellt man oft bei Heimkindern, bei vernachlässigten oder überbehüteten Kindern fest. Letztlich ist jeder Mensch das Zufallsprodukt der Vererbung (Eltern), der Erziehung (Eltern oder andere Bezugsperson) und der Umwelt.

  5. Marcel Scholzen eimerscheid

    Das soviele in Krisenzeiten psychische Probleme bekommen, ist auf eine wohlstandsbedingte Verweichlichung zurück zu führen.Die Leute sind nichts mehr gewohnt.Wissen nicht wie hart das Leben ist.Jemand, der den einen oder anderen Schicksalsschlag miterlebt hat, übersteht eine Krise mental besser, ist gelassener.Ein Besuch in einem afrikanischen Elendsviertel würde so manchem wohlstandsverwöhnten gut tun.Auf andere Gedanken bringen

    Und in Belgien müssten junge Männer bis 1994 Militärdienst leisten.Das war auch eine Schule des Lebens.Da wurde aus mancher Memme ein Mann.