Matthias Horx: Sich zu sich selbst bekennen auf dem Weg in die Zukunft

Für viele ist die Frage, was in einem Jahr sein wird, schon schwer genug. Doch wie das Leben in unserer Region 2040 aussieht, genau das möchte die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft wissen. Und dazu befragt sie in den nächsten Wochen verschiedene Akteure aus der Gesellschaft. Den Auftakt hat der Zukunftsforscher Matthias Horx gegeben.

Veranstaltung "Wie wollen wir 2040 in Ostbelgien leben?" (Bild: Andreas Lejeune/BRF)

Veranstaltung "Wie wollen wir 2040 in Ostbelgien leben?" (Bild: Andreas Lejeune/BRF)

Geht es um die Zukunft einer Region, dann geht es in erster Linie um die Zukunft der Menschen. Und genau darauf konzentriert sich der Zukunftsforscher Matthias Horx. Welche Bedürfnisse hat der Mensch jetzt und in Zukunft? Wie und mit wem will er leben? Antworten bezieht der Zukunftsforscher beispielsweise aus der aktuellen Corona-Krise.

„Was passiert da eigentlich mit uns? Sind wir noch Gesellschaft? Kämpfen wir nur gegeneinander, sind wir noch in der Lage koordiniert zu handeln? Gleichzeitig hat sie die Krise uns auch das Ende dieses klassischen, industriellen Prozesses, den wir in den letzten 200 Jahren erlabt haben, gebracht. Also dieses immer mehr: immer mehr Konsum, immer mehr Geschwindigkeit, immer mehr Reisen.“

Materielle Werte sind nicht mehr ausschlaggebend. Stattdessen sehne der Mensch sich nach Beziehungen. Und damit nach Lebensformen, die über die Familie hinausgehen. Mit anderen arbeiten, schaffen, Zeit verbringen: Co-Working, Co-Living oder Co-Gardening seien nicht umsonst im Trend. Für Matthias Horx begreift sich der Mensch nach der Krise neu.

„Diese Selbstbewusstseinsprozesse sind ungeheuer wichtig auch für den Stolz der Bürger, das ist so meine Erfahrung. Es gibt ja sehr unterschiedliche Reaktionen, wenn man mit der eigenen Region bekannt wird. Fühlt man sich als Teil Belgiens oder ist man ein Teil Europas? Und das zu sortieren, miteinander in Koordination und in Schwingungen zu bringen, das ist glaube ich die Aufgabe.“

Doch nicht nur das Individuelle spielt beim Blick in die Zukunft eine Rolle. Selbst die kleinsten Regionen können globalen Entwicklungen nicht mehr aus dem Weg gehen.

„Das liegt ja auf der Hand, dass wir alle als Menschen auf diesem Planeten inzwischen von sehr ähnlichen Trends heimgesucht werden und uns damit auseinanderzusetzen haben. Also die globale Erwärmung ist ja quasi so eine Schnittmenge durch alles durch. Aber natürlich hat jede Region auch ihre spezifischen Eigenschaften.“

Geht es um die Zukunft von Regionen, spricht Matthias Horx von der „progressiven Region.“ Das Land wird sich urbanisieren, Städte werden sich verdörflichen. In der progressiven Regionen verbinden sich das Lokale und das Globale. Der hiesige Käser kann in einem kleinen Dorf seine Produkte herstellen, regional erzeugt. Dann mit dem richtigen Konzept vertreibt er sein Produkt weltweit.

Auf dem Weg zur „progressiven Region“ brauche es verschiedene Voraussetzungen. Matthias Horx nennt „aktive Heimkehrer“, „mutige Leuchtturm-Projekte“ und „traditionsreiche Weltoffenheit“. Dahingehend gibt Matthias Horx einen letzten Ratschlag mit.

„Da gibt es keinen anderen Weg, als sich zu sich selbst bekennen und ein Bild von sich selbst zu entwickeln.“

Auf den Vortrag folgte eine Fragerunde und Workshops. So gesehen als Startschuss hin zu einem Bild von Ostbelgien 2040. Dabei wurde deutlich: nicht nur die Frage wer wir sind und wer wir sein wollen spielt ein Rolle. „Wo ist die Jugend?“, „Wie beziehen wir Senioren mit ein?“ waren Fragen, die aus dem eher älteren Publikum gestellt wurde. Es geht also nicht nur darum, wie man sich begreift, sondern auch wer sich begreift.

Andreas Lejeune

2 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Das Geld für diese Veranstaltung hätte man sich sparen können. Denn es kommt meist anders als man denkt.

  2. Peter Schallenberg

    Es wäre einfacher und sinnvoller, die Menschen direkt zu fragen als „verschiedene Akteure der Gesellschaft“. Experten und Forscher sind ebenso wie die Regierung leider viel zu weit von der platten Realität entfernt, auch wenn sie sich noch so volksnah darstellen. Das ganze gerät so mehr zu einer Selbstgefälligkeits- Veranstaltung.