Auch in Ostbelgien: Ab Samstag gilt eine nächtliche Ausgangssperre von 22 bis 6 Uhr

In der Wallonischen Region und in der Deutschsprachigen Gemeinschaft werden die Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie noch einmal verschärft: Ab Samstag gilt eine Ausgangssperre von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. Auch in weiteren Punkten schließt sich die Deutschsprachige Gemeinschaft den neuen Beschlüssen in Namur an. Die Maßnahmen gelten bis zum 19. November.

Der wallonische Ministerpräsident Elio Di Rupo und DG-Ministerpräsident Oliver Paasch nach der Pressekonferenz des Nationalen Sicherheitsrats am 20. August (Bild: Olivier Matthys/Pool/Belga)

Der wallonische Ministerpräsident Elio Di Rupo und DG-Ministerpräsident Oliver Paasch (Bild: Olivier Matthys/Pool/Belga)

Der wallonische Ministerpräsident Elio Di Rupo hatte sich am Freitagnachmittag mit den Gouverneuren der wallonischen Provinzen konzertiert. Angesichts der alarmierenden Situation im Süden des Landes waren einige zusätzliche Maßnahmen getroffen worden – deutlich schärfer als diejenigen, die der Konzertierungsausschuss am Morgen verkündet hatte.

DG-Regierung und Bürgermeister machen mit

Die Deutschsprachige Gemeinschaft war bei der Konferenz nicht vertreten. Sie wird sich aber den strengeren Beschlüssen aus Namur zum Teil anschließen. Darauf hatte sich die Regierung der DG am Freitagnachmittag mit den Bürgermeistern der neun Gemeinden geeinigt.

Die Deutschsprachige Gemeinschaft wird bei der Einschätzung der Corona-Risiken als eigenständige Einheit gesehen, unabhängig vom Rest der Provinz Lüttich. Aufgrund der schlechten Werte könne man aber schwer ausscheren, erklärte Ministerpräsident Oliver Paasch dem BRF auf Anfrage.

Die spürbarste Einschränkung ist die Ausdehnung der Ausgangssperre auf die Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens. Dann darf man nur mit triftigem Grund das Haus verlassen, etwa wegen der Arbeit und für einen Arztbesuch. Bisher galt (wie im übrigen Belgien) eine Ausgangssperre von Mitternacht bis 5 Uhr morgens.

Sportwettkämpfe und Training nur bis 12 Jahre

Der Ministerpräsident der Föderation Wallonie-Brüssel, Pierre-Yves Jeholet, teilte mit, dass es in den Hochschulen der Französischen Gemeinschaft ab Montag keinen Präsenzunterricht mehr geben wird – auch nicht für Studierende des ersten Studienjahres. Das betrifft also auch die Studierenden aus Ostbelgien. Allerdings bleibt es beim Hochschulunterricht in der DG bei zehn Prozent Präsenzunterricht, so Oliver Paasch.

Sportwettbewerbe und Training darf es auf dem Gebiet der Französischen Gemeinschaft nur noch für Kinder bis 12 Jahre geben – auch hier geht die Deutschsprachige Gemeinschaft im Unterschied zu dem am Morgen vorgestellten Protokoll mit.

Auch die Regelung, dass nur noch zwei Personen ihre Einkäufe gemeinsam machen dürfen (Kinder unter 12 Jahren sind ausgenommen), soll in der DG Anwendung finden, sagte Paasch.

Besuche in WPZ unterschiedlich geregelt

Was die Wohn- und Pflegezentren für Senioren angeht, hatte DG-Minister Antonios Antoniadis mit den Leitern der WPZ schon eine neue Besuchsregelung abgestimmt. Besuche von Angehörigen werden demnach nur noch in den Gemeinschaftsräumen erlaubt. Ausnahmen stellen bettlägerige Senioren dar. Allerdings sind bis einschließlich Dienstag keine Besuche möglich. In der Zeit sollen die Heime die notwendigen infrastrukturellen Vorkehrungen zum Schutz der Bewohner treffen können.

In den wallonischen Alten- und Pflegeheimen wird nur noch ein Besucher pro Bewohner zugelassen. Dabei muss es sich während zwei Wochen um ein und dieselbe Person handeln.

Kontrollen zu Heimarbeit und Maskenpflicht

Di Rupo rief eindringlich dazu auf, dass überall, wo es möglich ist, von zuhause aus gearbeitet werden soll. Dort, wo Heimarbeit nicht möglich sei, werde es Kontrollen geben, um sicherzustellen, dass die Grundregeln wie das Tragen einer Maske oder das Einhalten eines Mindestabstands eingehalten würden.

Die Region Brüssel-Hauptstadt wird sich mit ihren 19 Bürgermeistern im Laufe des Samstags konzertieren, um über eine mögliche Verschärfung der Maßnahmen zu befinden.

belga/mh/sp

20 Kommentare
  1. Ronny Ramscheidt

    Hmm, darf ich denn noch auf dem Balkon rauchen gehen??

    Im Haus wird nicht geraucht, ich habe ein Kind!!

    Ironie Ende

  2. Anja Wotschke

    „… Ausdehnung der Ausgangssperre auf die Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens. Dann darf man nur mit triftigem Grund das Haus verlassen, etwa wegen der Arbeit und für einen Arztbesuch…“…. Arbeit okay wenn man in einer Fabrik mit Schichtbetrieb arbeitet, aber Arztbesuch um diese Uhrzeiten.? Die Ärzte möchte ich gerne sehen, ausgenommen von Notärzten, die zwischen 22.00 Uhr des abends bis morgens um 6.00 Uhr tätig sind.

  3. Denert Gino

    Und was wen mann als trainer in Aachen tätig ist und nach spiel oder training nach 22uhr auf Belgische bodem nach hause fährt?

  4. Marcel Boreas

    Natürlich ist die Situation ernst, aber Politiker die diese Krise nutzen um die Bürgerrechte mit einer Ausgangssperre usw. auszusetzen, verlieren für mich alle ihre Kredite. Jammern über offene Grenzen, aber dann einfach die eigenen Bewohner für bestimmte Stunden einsperren. Dieses Land wird wie in der ersten Phase wieder ein Polizeistaat.

  5. Robert Kraft

    Heißt Ausgangssperre (also Hinausgehen nach 22.00 Uhr) auch Rückkehrsperre ab 22.00 Uhr, also wenn ich das Haus um 20.00 Uhr verlasse und um 23 Uhr erst zurückkomme, geht das? Wer kann dazu was sagen?

  6. Angelika Rieger

    Na toll !!! Bin seit vielen Monaten nur noch Daheim. Habe gar keine Lust mehr, außer Haus zu gehen. Und ich bin davon überzeugt, dass das Virus keine Ausgangssperre ausnutzt. Nach der Angst vor dem Virus wird uns Bürgern direkt die nächste Angst eingeimpft: Es wird nicht genügend Impfstoffe für alle geben…

  7. Maria van Straelen

    Soll das hier alles Satire sein oder was ? Verstehen einige das Wort AusgangsSPERRE nicht ? Sie werden nicht zu Hause ausgesperrt und müssen nachts herumirren zu Ärzten oder dergleichen, Sie müssen nachts zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens zu Hause bleiben. Das alles gilt nicht für Leute, die arbeitsbedingt unterwegs sind. Mein Gott, Nörgler wie Sie hier alle haben uns diesen Mist doch teilweise eingebrockt, weil Ihre persönliche Freiheit das höchste Gut ist, koste es was es wolle für die Gemeinschaft

  8. Frank Jörg Rimbach

    Wie das Wort “ Ausgangssperre “ schon sagt, ab 22.00 Uhr darf man sich nicht mehr außerhalb der eigenen Wohnung Aufhalten, also müssen sie bis Spätestens 21.59 Zuhause sein und bleiben, so die Gesetzeslage!!!

  9. Michael Lehmann

    Der Polizeierlass für die DG wird vom Provinzgouverneur unterzeichnet, die Ausgangssperre wird von der wallonischen Region festgelegt. So langsam frage ich mich, was die Politiker in Eupen überhaupt noch entscheiden dürfen.

  10. Rolf Bodem

    Richtig Frau van Straelen.
    Bei denen die sich an nichts aufhalten und sich dabei noch interessant vorkommen dürfen wir uns jetzt bedanken.

  11. Lutz-René Jusczyk

    Fragen wir uns nicht, wieso es eine Ausgangssperre gibt, fragen wir uns vielmehr, wie es dazu kommen konnte, dass Belgien mit 15.432 Neuinfektionen binnen eines Tages zum am schwersten von der Pandemie betroffenen Land in ganz Europa werden konnte.

  12. Ulrich Schumacher

    Herr Bodem, ich komme mir nicht interessant vor, aber ich habe als eigenverantwortlich denkender Mensch Angst vor einem neuen Obrigkeitsstaat. Das Virus wird wieder verschwinden.

  13. Uwe Chemnitz

    @Herr Schuhmacher: ….aha das Virus wird wieder verschwinden und mit diesem auch MITmenschen die das nicht überleben werden.
    @Angelika Rieker: Angst sollte man nicht haben, wohl aber Respekt.
    Und jeder sollte sich an diese AHA Regeln halten.
    Wenn mir da noch einer kommt, ihn oder sie störe diese Maske beim Einkaufen..oder sie beschränke die persönliche Freiheit….dann ist das ein Jammern auf ganz hohem Niveau.
    @ Maria van Straelen:
    Es wird nichts nutzen, solchen Mitmenschen das zu erklären…..wie mit Scheuklappen rennen die durch die Gegend….es ist schlimm….

  14. Elian Schulte

    @Ulrich Schumacher: Wir haben die Dinge doch selbst in der Hand!
    Die Maßnahme ist vorerst bis zum 19. November befristet.
    Wenn alle Bürger die AHAL-Regeln fortan befolgen, dürfte die Zahl an Neuinfektionen signifikant sinken. Es liegt also an uns.
    Der Staat hat eine Pflicht, Schwächere zu schützen.

  15. Maria van Straelen

    Herr Schumacher, sind Sie eigenverantwortlich oder eher egoistisch ? Wenn jeder seine eigene Verantwortung nimmt, brauchen wir überhaupt keinen Staat. Der Staat sagt Ihnen auch, dass Sie nicht schneller als 120 kmh auf der Autobahn fahren dürfen, akzeptieren Sie das, oder denken Sie eigenverantwortlich, ich bin so ein sicherer Fahrer, ich beschliesse eigenverantwortlich, dass es mit 200 kmh auch geht. Ein Staat ist dazu da Regeln aufzusetzen und jede demokratische Regierung hat die Möglichkeit auf schwierige Zeiten entsprechend zu reagieren. Je mehr das akzeptieren, je schneller ist es vorbei. Mit Eigenverantwortung (wieviele verschiedene Meinungen gibt es hier ? ) sind wir noch jahrelang mit der Pandemie beschäftigt. Siehe auch den Kommentar von Elian Schulte.

  16. Gerd Havenith

    Bleibt daheim bei Lebenspartner(in) und evtl. bei den Kindern. Und haltet strengstens die AHAL-Regeln ein. Heimarbeit und Heimstudium sind sehr gut – falls möglich.

  17. Ulrich Schumacher

    Aha: Die Volksseele kocht .. (aus BAP: Kristallnacht, das sollten die Eiferer sich mal anhören)
    Außerdem habe ich doch gar nichts gegen die Quarantäneregeln geschrieben.

  18. Maeggy Rossberg

    Wenn sich alle 11 Millionen an die AHA L Regeln gehalten hätten wären wir nicht in diesem Dilemma.
    Und da gilt es Wer nicht hören will muss fühlen.
    Mir wäre ein 14 tägiger Lockdown lieber gewesen als diese Salamitatik. Und hört hört, selbst eine, Grenzschliessung ausser essentiellen Fahrten hätte ich akzeptieren können
    Weil das ein insgesamt ein Mittel wäre die Infektionszahlen abzuflachen und die Krankenhäuser zu entlasten.
    Maria van Straelen hat in allen Punkten hier Recht.
    (Solange es nicht um die Aldi Wurst geht) Wir müssen zusammenhalten und das tun was der Staat nicht traut uns aufzuerlegen, nämlich uns einen 14 tägigen eigenen Lockdown. Sowenig Kontakte wie möglich, Maske freiwillig aufsetzen, mal etwas mehr Geld für ffp2 Masken ausgeben, Desinfektionsmittel in die Tasche Einweghandschuhe mit nehmen.
    Anstatt zu Hause Besuch empfangen gutes Buch lesen, Spiele spielen oder eine facebookgruppe gründen😊
    Wir tun es ja auch um uns selbst zu schützen. Bleibt gesund

  19. Lutz-René Jusczyk

    Herr Schumacher, ich kann Maeggy nur zustimmen.
    Warum gibt es denn die Ausgangssperre?
    Weil jetzt, wo der Horeca-Sektor dicht ist, eine große Gefahr besteht, dass sich die Menschen daheim treffen; – ohne Mund- und Nasenschutz und ohne Einhaltung von Abstandsregeln.
    Ich möchte Ihnen nicht unterstellen, dass Sie so etwas auch tun würden, aber es gibt nun einmal Leute, die so etwas täten, vor allem an Walpurgisnacht.
    Laut Coronafacts haben sich gestern 17.332 (!) Menschen in Belgien neu infiziert (ein Zuwachs von 7% im Vergleich zum Vortag); am stärksten Betroffen ist dabei die Region um Lüttich mit Spitzenwerten in Thimister-Clermont, sowie das Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit Bütgenbach. Das kleine Bütgenbach ist dabei die am stärksten betroffene Gemeinde im ganzen Land mit allein 60 Neuinfektionen am gestrigen Tag.
    Wenn wir das nicht in den Griff bekommen, droht Lüttich zum neuen Bergamo zu werden. Die jetzige Lage ist viel ernster als im Frühjahr.

  20. Peter Mertens

    Da haben wohl einige etwas zu viel gefeiert, wenn ich in D lese das unsere Küsschen gebenden Mitbürger Hochzeiten mit 300 Personen ohne Mundschutz feiern, es wird wohl in den Großstädten in Belgien nicht anders sein, ist das alles zu verstehen.