Nach Schulschließung in Kelmis: Kaleido reagiert

In Kelmis ist die Gemeindeschule schon seit vergangener Woche geschlossen, nachdem bei einem Kind im Kindergarten das Coronavirus nachgewiesen wurde. Bei der Frage, inwiefern es sich dabei um einen Alleingang der Gemeinde handelt, wurde wiederholt auch Kaleido genannt. Dessen Verantwortliche sahen sich gezwungen, ein paar Dinge gerade zu rücken.

Kaleido DG in Eupen (Archivbild: BRF)

Archivbild: BRF

Normalerweise tauscht das Zentrum für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, Kaleido, mit Schulen oder Schulträgern auf direktem Wege aus – und nicht über die Öffentlichkeit.

In diesem Fall könne er aber nicht akzeptieren, wenn die Arbeit von Kaleido von den Verantwortlichen der Gemeinde Kelmis in der Presse „verunglimpft“ und falsch dargestellt werde – wider besseres Wissen, sagt Kaleido-Direktor Manfred Kohnen: „Die Schulen und Schulträger wissen ganz genau: Seit Jahrzehnten sind Kaleido und seine Vorgängerorganisationen bei ansteckenden Krankheiten zuständig.“

Dafür habe ja der Dienst das nötige Knowhow: „Bei Kaleido arbeiten eine Gesundheitswissenschaftlerin, die auch Fachkoordinatorin ist, zahlreiche Ärzte, Krankenpflegerinnen – und das sehr eng mit den Fachleuten aus verschiedenen Ministerien – zusammen. Wir haben also die nötige Expertise und vor allem sind wir flächendeckend in Ostbelgien tätig. Es ist wichtig, dass nicht an jeder Stelle komplett anders entschieden wird, das verunsichert sonst die Bevölkerung.“

Im vorliegenden Fall geht es also darum, dass bei einem Kind, das den Kindergarten der Gemeindeschule Kelmis besucht, das Coronavirus nachgewiesen wurde. Auf Nachfrage erhielt die Schulleiterin von der zuständigen Mitarbeiterin bei Kaleido die Antwort, „dass die aktuelle Prozedur – und hier geht es nicht um Vorschriften, sondern um den Sinn – nicht vorsieht, dass die Schule bei einem Fall zu schließen ist. Der Schulleitung wurde ganz klar gesagt, das sei weder sinnvoll noch notwendig“, so der Direktor.

Unlauterer Vorwurf

Als unlauter bezeichnet Kohnen den Vorwurf einiger Lehrer der Gemeindeschule, Kaleido sei nicht vor Ort gewesen: „Die Mitarbeiterin hat der Schulleiterin auch angeboten, sie könne in 20 Minuten in der Schule sein. Das hat die Schulleiterin abgelehnt. Auch in weiteren Telefongesprächen ist nie der Wunsch geäußert worden, wir sollten kommen.“

Bei dem Entschluss, die Schule zu schließen, spielte auch eine Rolle, dass bis zu den Sommerferien eh nur noch ein paar Tage blieben. Manfred Kohnen betrachtet es von einer anderen Seite: „Wir kommen gerade aus einem langen Lockdown und stehen vor neun Wochen Sommerferien. Da könnte man doch genauso gut argumentieren, dass es jetzt gerade auf jeden Tag in der Schule ankommt.“

Die Covid-Prozeduren, die auch nicht nur für Ostbelgien gelten, seien ja nicht umsonst so, wie sie sind: „Mit den Prozeduren wird versucht, sowohl unsere Kinder, Lehrer und Eltern zu schützen, aber auch den Unterricht für die Kinder, die nicht direkt betroffen sind, aufrecht zu erhalten.“

Mit Blick auf den Beginn des neuen Schuljahres im Herbst hält der Kaleido-Direktor darum fest: „Eine Schulschließung kann notwendig sein – während des Lockdowns waren sie notwendig. Sie muss aber jetzt, wo die Infektionskurve abflacht und die Zahlen zurückgehen, letzte Wahl sein und nicht die erste Wahl.“

Wie es dann im Einzelfall aussieht, das will Kaleido wieder im direkten Austausch mit den Schulen und Schulträgern klären.

Stephan Pesch

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Ein Kommentar
  1. Norbert Rother

    In Kelmis scheint die Coronaangst wohl etwas ausgeprägter als im Rest des Landes zu sein, man konnte es ja auch während der Grenzschließungen an der Reaktion des Bürgermeisters sehen.

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