Kinderbetreuung zu Hause? Balter und Antoniadis reagieren

Nach der Debatte um die Kinderbetreuung fordert Michael Balter von Vivant "mehr Wertschätzung für erziehende Eltern". Familienminister Antonios Antoniadis (SP) entgegnet "Familiengründung darf kein Armutsrisiko sein!" Der BRF gab beiden beim "Thema am Abend" Gelegenheit, in einem ausführlichen Interview Stellung zu beziehen.

Antonios Antoniadis und Michael Balter im BRF-Studio

Er ist schon ein Schmöker, der Masterplan 2025 für die Kinderbetreuung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Auf 64 Seiten geht es um den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen, um die Unterstützung von Tagesmüttern und auch darum, private Initiativen zur Kinderbetreuung zu fördern.

Viele Familienmodelle können sich hier wiederfinden. Doch – und das war in den letzten Tagen Gegenstand teils hitziger Diskussionen – jene Eltern, die ihre Kinder von Zuhause aus betreuen möchten, werden in dem Dokument mit keiner Zeile erwähnt.

Für die Vivant-Fraktion im Parlament der DG ist dies nicht haltbar. Vivant-Fraktionssprecher Michael Balter fordert eine Wertschätzung für jene Eltern, die ihre Kleinkinder zuhause betreuen möchten. Konkret stellt sich Vivant eine Prämie der DG vor, die Eltern zusätzlich zum vom Föderalstaat gewährten Zeitkredit-Geld erhalten könnten.

Erschreckend findet Balter, dass in seinen Augen die Beschäftigungspolitik auch in Bezug auf die Kinderbetreuung im Zentrum der Bemühungen der Regierung steht. Die aktuelle Politik führe dazu, dass viele Eltern aus finanziellen Gründen nicht zuhause beim Kind bleiben könnten.

Der zuständige Minister für Familie, Gesundheit und Soziales, Antonios Antoniadis, sieht die vorgeschlagene „Prämie“ kritisch. „Wenn man sagt, dass man die Kosten der Kinderbetreuung einfach ummünzen kann, um sie den Privatleuten auszuzahlen, dann muss man darauf hinweisen, dass es keinerlei soziale Absicherung gibt“, kontert Minister Antoniadis.

Ein solches Modell fördere Altersarmut. „Wir sind zwar der Meinung, dass es möglich sein soll, zuhause zu betreuen. Aber das ist Aufgabe des Föderalstaates“, so Antoniadis im BRF-Interview. Und Antoniadis stellt klar: „Rückwärtsgewandt“ sei nicht das Modell der Kinderbetreuung von Zuhause aus, sondern vielmehr die Ansicht von Vivant, dass eine externe Betreuung den Kindern schade. „Elternliebe kann niemand ersetzen“, entgegnet Balter.

Grundsätzlich sei man jedoch bereit, eine Debatte über die Familienpolitik in Ostbelgien zu führen, sagte Minister Antoniadis. Gelegenheit dazu gebe es demnächst beim „Bürgerdialog“ am 14. Oktober 2017 in Worriken. Auch eine Themendebatte im Parlament werde von der Mehrheit in Kürze angestoßen.

Simonne Doepgen - Bild: BRF

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Ein Kommentar
  1. Kerstges Angela

    Einen „Masterplan“ äußerten vor etlichen Jahren schon etliche Damen, sie schafften DEN! Ohne Entgelt, logisches Denken genügte dafür.Selbstverständlich auch der Wille unterschiedlicher Menschen, Beides war nicht vorhanden ! ? Ist das heute besser ? Liest man obigen Plan dürften Zweifel angebracht sein !

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