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Mietbarometer: In Flandern starker Anstieg, in der Wallonie moderatere Entwicklung

11.09.202611:41
  • Flandern
  • Region Brüssel-Hauptstadt
  • Wallonie
"Zu vermieten"-Schild auf Niederländisch
Illustrationsbild: Benoit Doppagne/Belga

Sind Mietwohnungen noch bezahlbar? Die Mietpreise steigen vielerorts parallel zu den Lebenshaltungskosten, teils sogar schneller. In Flandern wurde nun erstmals die 1.000-Euro-Marke im Monatsdurchschnitt überschritten. In der Wallonie fällt der Anstieg moderater aus. Brüssel bleibt dennoch Mietpreis-Spitzenreiter.

Das Leben wird immer teurer. Das mag eine Binsenweisheit sein, aber inzwischen gilt das mehr denn je. Nach dem Preisschock in Folge der Coronakrise und des Ukraine-Kriegs hatte sich die Preisentwicklung zunächst ein bisschen beruhigt. Vor allem der Iran-Krieg hat die Aufwärtsspirale jetzt aber wieder in Gang gesetzt. Für dieses Jahr rechnet das föderale Planbüro mit einer Inflationsrate von bis zu fünf Prozent. Und das ist mehr als nur eine Zahl in einer ansonsten -für den Normalsterblichen- eher kryptischen Tabelle, das werden wir alle in unserem Portemonnaie spüren.

Ein erstes Indiz dafür mag die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt sein. Das gilt vor allem für Flandern. Laut den neuesten Zahlen des Verbands CIB sind die Durchschnittsmieten im nördlichen Landesteil inzwischen erstmals über die Schwelle von 1.000 Euro pro Monat gestiegen; ein Plus von knapp zwei Prozent. Das ist nur ein Durchschnittswert. Natürlich gibt es immer auch noch kleinere Wohnungen, für die man keine 1.000 Euro auf den Tisch legen muss. Doch sind ausgerechnet diese Mieten beinahe am stärksten gestiegen.

Für ein "Studio", also eine Einzimmerwohnung, zahlt man in Flandern bei neu abgeschlossenen Mietverträgen jetzt knapp 700 Euro. Das entspricht einem Anstieg um stolze sieben Prozent. Für ein Appartement werden im Durchschnitt 950 Euro fällig; ein Plus von immerhin 2,3 Prozent. Für ein Haus zahlt man, je nach Zahl der Fassaden, zwischen 1.100 und 1.250 Euro pro Monat; hier sind die Mieten "nur" um 1,5 bis zwei Prozent gestiegen.

Weiterer Anstieg zum Jahresende erwartet

"Und all das ist vielleicht nur der Anfang", sagt Kristophe Thijs vom Verband CIB. "Wir sehen inzwischen einen regelrechten Ansturm auf Mietwohnungen. Sobald eine neue Annonce erscheint, bewerben sich im Durchschnitt zwischen 50 und 100 Kandidaten. Früher beschränkte sich dieses Phänomen auf die größeren Städte, jetzt ist das überall in Flandern der Fall."

Kristophe Thijs führt weiter aus: "Wenn man sich hier nur das Gesetz von Angebot und Nachfrage vor Augen hält, dann kann man fast behaupten, dass angesichts einer solchen Mangellage ein Anstieg von "nur" 2,3 Prozent bei den Appartements noch moderat ausfällt."

Für das zweite Halbjahr rechnen die Experten jedenfalls mit einem noch spürbareren Anstieg. Das hat vor allem mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage zu tun. Und da sind wir wieder beim Iran-Krieg und der daraus folgenden Inflation. Konkret: Die Unruhe im Nahen Osten sorgt für steigende Energiepreise, was wiederum für zusätzlichen Preisdruck sorgt.

In Belgien kann man das mit dem Stichwort "Index" zusammenfassen; und einen Index gibt es bekanntlich auch bei den Mieten, die also in vielen Fällen buchstäblich automatisch steigen. "Wirtschaftliche Schocks wie der Iran-Krieg haben erfahrungsgemäß immer verzögerte Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt", sagt auch Kristophe Thijs. "Und vor diesem Hintergrund müssen wir davon ausgehen, dass die Mietpreise gegen Ende des Jahres sogar um bis zu fünf Prozent steigen werden."

Regionale Unterschiede in der Wallonie

In der Wallonie sieht man eine ähnliche Entwicklung, wenngleich nicht so ausgeprägt. Hier sind die Mietpreise im ersten Halbjahr "nur" um 1,7 Prozent angestiegen; gegenüber 2,3 Prozent in Flandern. Im südlichen Landesteil zahlt man im Durchschnitt 910 Euro pro Monat. Doch auch hier sind es vor allem kleine Wohnungen, die die Mieten nach oben gezogen haben. Für ein Appartement etwa zahlt man rund 840 Euro, ein Plus von 3,3 Prozent.

Was in der Wallonie vor allem auffällt, das sind aber die regionalen Unterschiede. Nur ein Beispiel: die teuerste Provinz ist -wie gewohnt- Wallonisch-Brabant. Hier zahlt man im Durchschnitt 1.250 Euro; in der Provinz Hennegau sind es nur 850 Euro; in der Provinz Lüttich gibt es stellenweise ähnlich günstige Mieten.

Bei einem Plus von 1,7 Prozent fällt der Anstieg vergleichsweise moderat aus. "Aber Vorsicht", sagt der Branchenverband Federia: "Erfahrungsgemäß steigen die Mieten im zweiten Halbjahr stärker an." Und auch hier rechnet man mit einem Inflationsschock infolge des Iran-Kriegs.

Etwas erstaunlich: In Brüssel hielt sich die Teuerung bislang noch in Grenzen. Die Mieten sind "nur" um 1,5 Prozent gestiegen. Allerdings sprechen wir hier auch von ganz anderen Dimensionen: In der Hauptstadt wurde gerade die Schwelle von 1.400 Euro übertroffen. Dennoch: In Brüssel bewege sich im Moment auffallend wenig. Das habe mit der allgemeinen Unsicherheit zu tun, aber auch mit der Tatsache, dass die Region erst seit Kurzem eine neue Regierung habe. Viele zögen es vor, erst einmal abzuwarten, was da auf sie zukommt.

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