Es ist eine belgische Realität, im Grunde aber paradox: Künstler aus Flandern, die in der Wallonie auf Musikfestivals auftreten, gibt es äußerst selten. Zumal, wenn sie dabei noch auf Niederländisch singen. Doch mit Pommelien Thijs wird genau das am Samstag auf dem Musikfestival in Ronquières geschehen.
Die 25-Jährige ist zurzeit der absolute Pop Star in Flandern und auch in den Niederlanden. Im Frühjahr hatte sie in Antwerpen fünfmal hintereinander den Afas Dome, den früheren Sportpaleis, gefüllt. Ihre Single "Atlas" stand 22 Wochen lang auf Platz eins der flämischen Hitliste Ultratop – ein Rekord.
Pommelien Thijs kein Headliner
Jetzt tritt sie in Ronquières auf – und das noch nicht einmal als Headliner, sondern im Frühabendprogramm zwischen 18:50 und 19:50 Uhr auf einer der drei Bühnen des Festivals.
In der flämischen Presse sorgt das für einigen Wirbel. Die VRT erklärt auf ihren Internetseiten, wo Ronquières liegt, wie groß das Festival ist und was dort sonst so alles zu erwarten sei. Ganz so, also ob es völlig exotisch wäre, dass eine flämische Künstlerin auf einem wallonischen Musikfestival auftritt.
Schon früher flämische Musiker in Ronquières
Dabei ist das gar nicht so exotisch, wie es aussieht. Das Festival habe in den vergangenen Jahren schon häufiger bekannte Musiker aus Flandern im Programm gehabt, erzählt Gino Innocente, einer der Co-Organisatoren des Festivals, in der Zeitung Le Soir. Hooverphonic, Sylvie Kreusch oder auch Oscar and the Wolf seien bereits in Ronquières aufgetreten. Oscar and the Wolf seien auch dieses Jahr wieder mit dabei mit einem Auftritt am Eröffnungsabend.
Das Besondere am Auftritt von Pommelien Tijs sei allerdings tatsächlich, dass sie auf Niederländisch singen wird – eine Premiere für das Festival.
Magnet für neue Besucher?
Dass die Sängerin aus wirtschaftlichem Kalkül eingeladen worden sei, um das Festival nach einem schwierigen Jahr 2025 mit einen Besuchermagnet für potenziell neue Besucher aus Flandern wieder in die schwarzen Zahlen zu führen – diese Unterstellung weist Innocente von sich. Zurzeit sei gar nicht klar, ob überhaupt viele Fans aus Flandern kommen würden.
Für wallonische Besucher könne Pommelien Thijs überdies nicht als Magnet betrachtet werden. Ihre Musik ist in der Wallonie kaum bekannt. Im Juni hatte sogar die Zeitung New York Times über dieses Phänomen einen Artikel veröffentlicht – über das Phänomen, dass der große Pop Star der Flamen in der Wallonie fast völlig unbekannt sei.
Vielmehr sei der Auftritt von Pommelien Thijs dadurch zu begründen, dass sich das Festival eben als ein belgisches Festival verstehe und es deshalb normal sein sollte, dass neben frankophonen auch niederländischsprachige Künstler auftreten.
Kay Wagner