Tausende Menschen auf engem Raum im Freien bei glühender Hitze und brennender Sonne - dazu noch ausgelassene Feierstimmung und Alkoholpegel, die nicht bei jedem auf null bleiben: Es ist nicht einfach für Veranstalter von Musik-Festivals, da noch auf jede Notfall-Eventualität vorbereitet zu sein. Dass solche Tage mit großer Hitze jetzt ständig zunehmen und in der Zukunft eventuell die Regel sein könnten, erleichtert die Aufgabe nicht. Und schon jetzt ist klar, dass es so wie bisher auch nicht weitergehen kann.
Schon heute sind die Anforderungen der Feuerwehr an die Organisatoren von solchen Musik-Festivals gestiegen. Arnaud De Brye, Co-Direktor des Elektro-Festivals "Esperanzah!", das am Freitag in und um die Abtei von Floreffe südwestlich von Namur beginnt, zählt auf: "Ein Netz von Feuerlöschern, Wasserbehältern, ein System von Eimern und Sandsäcken und Freiwillige, die für den richtigen Einsatz dieser Dinge geschult worden sind. Wir haben auch ein spezielles Not-Leitsystem zu Ausgängen des Festivals eingerichtet. Ein Löschfahrzeug mit vier Feuerwehrleuten steht ständig zum Einsatz bereit."
Die steigende Angst vor einem Feuer und die dafür nötigen Vorkehrungen sind das eine. Das andere ist die Hitze an sich. Noch sei das kein allzu großes Problem für die Festivals in Belgien, sagt Damien Dufrane, Direktor des Festivals in Dour, das Mitte des Monats bereits stattgefunden hat. Noch sei es ja kaum vorgekommen, dass es viele Tage hintereinander tatsächlich extrem heiß gewesen sei in Belgien. Aber "wenn es während eines Festivals mal ein paar Tage hintereinander 35, 37 oder 40 Grad warm sein sollte, dann wird das problematisch", sagte Damien am Donnerstagvormittag bei der RTBF. Problematisch vor allem für Festivals, bei denen die Besucher campen und damit ständig der Hitze ausgesetzt seien.
In Dour hat man deshalb schon begonnen, sich von dem früheren Konzept eines einzigen großen Campingplatzes für alle zu verabschieden. Stattdessen bietet das Festival schon jetzt verschiedene kleinere Campingplätze an, die zum einen leichter zu organisieren sind. Und bei denen sich zum anderen leichter Annehmlichkeiten für die Besucher einrichten lassen, um die große Hitze besser zu ertragen. Zum Beispiel Schattenzonen, Zelte mit Vergnügungsmöglichkeiten oder auch Pools, um eine Art Feriencamp zu bieten, sagt Dufrane. In diese Richtung müsse das gehen. Weg von den ganz großen Campingplätzen mitten in der Sonne, auf denen nur die Zelte aufgeschlagen werden.
Festivals wie Dour oder Esperanzah womöglich vom Sommer auf das Frühjahr zu verlegen, um großen Hitzewellen zu entgehen, darin sieht zumindest der Co-Direktor von Esperanzah keine richtige Alternative. Solche Festivals in ländlichen Gegenden seien abhängig davon, dass Menschen auch direkt beim Festival campen. Und dass Campen im belgischen Frühjahr für viele funktionieren könne, daran glaube er nicht.
Der Festival-Leiter von Dour berichtet auch noch von Veränderungen bei den Versicherungen. Sein französischer Versicherer habe dieses Jahr das erste Mal angeboten, sein Festival zu versichern, falls es wegen zu großer Hitze abgesagt werden müsse. In Frankreich habe es solche Fälle schon gegeben. In Belgien scheint so eine Versicherung noch nicht nötig. Die Frage ist nur, wie lange noch.
Kay Wagner