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Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen

07.07.202613:56
  • Fußball-WM
  • Rote Teufel
  • USA
Lukaku und Courtois fallen sich in die Arme
Bild: Dirk Waem/Belga

Die Roten Teufel stehen im Viertelfinale der Fußball-WM. In Seattle setzte sich Belgien verdient mit 4:1 gegen Gastgeber USA durch. Bei vielen Menschen ist die Freude über den Sieg der Roten Teufel im Achtelfinale dieses Mal besonders groß. Sogar weit über die Grenzen Belgiens hinaus.

Die Roten Teufel haben die USA mit 4:1 vom Platz gefegt und stehen im Viertelfinale. Das Ergebnis und das ganze Spiel lassen nicht den geringsten Zweifel daran, wer die bessere Mannschaft war. Neben dem wohlverdienten und absolut gerechtfertigten Jubel und Stolz hört, liest und sieht man am Tag danach aber vor allem eine Reaktion: Schadenfreude, mal sehr offen, mal eher durch die Blume.

Zum Beispiel von Torwart Thibaut Courtois, der den Mangel an Respekt vor der belgischen Mannschaft anprangerte. In den letzten Tagen sei doch behauptet worden, dass die Vereinigten Staaten Belgien leicht besiegen würden, dass die Roten Teufel nicht mehr das Team von früher seien. Das habe man eindeutig widerlegt. Die Mannschaft habe die Amerikaner für den Mangel an Respekt zahlen lassen, den sie in den letzten Tagen gezeigt hätten.

Wobei sich die Spitzen der Belgier wohlgemerkt nicht gegen ihre Gegner auf dem Rasen richteten, sondern vor allem gegen US-Präsident Trump. Aus den bekannten Gründen, Stichwort: Telefonanruf bei der Fifa, um US-Stürmer Balogun für das Spiel gegen Belgien entsperren zu lassen.

"Belgien hat nicht nur den sportlichen Wettstreit gewonnen, sondern auch ein politisches Spielchen", bringt es ein Belgier in Seattle auf den Punkt. "Overturn this" ("Versuch mal, das zu kippen"), so auch der belgische Fußballbund in den sozialen Medien nach dem klaren Sieg in einer unmissverständlichen Botschaft ans Weiße Haus.

Und dann war da noch die, sagen wir mal, etwas spezielle Tanzeinlage von Lukaku und Co. auf dem Spielfeld. Nämlich ausgerechnet zu Y.M.C.A. von den Village People. Also dem Song, zu dem Donald Trump am liebsten auf der Bühne seine Dance-Moves ausführt. Im Weißen Haus mache wohl jemand das Licht aus, wen werde er jetzt wohl anrufen, so der spöttische Begleitkommentar des belgischen Sportreporters. Ein Running Gag, der Trump wohl noch eine Weile verfolgen dürfte: "Wen wirst du jetzt anrufen, Donald?", war nämlich zum Beispiel auch die große Überschrift von Gazet van Antwerpen zum Sieg der Roten Teufel.

"Das haben die Vereinigten Staaten verdient nach den großmäuligen Aussagen der letzten Tage", sagte ein Supporter in Genk. Das Sprichwort "wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen", das gibt es eben nicht umsonst. Das sei wirklich Karma gewesen, ist ein anderer Fan überzeugt. Die USA hätten eine Lektion in Demut nötig gehabt.

Eine Sache ist sicher: Freunde in der Welt gemacht haben sich mit ihrer Aktion definitiv weder Donald Trump noch Gianni Infantino, wie auch in den belgischen Fanzonen unüberhörbar und unübersehbar war. Zum Beispiel mit Slogans auf Shirts, dass die USA Belgien doch den Buckel runter rutschen könnten - allerdings in Kurzform mit dem F-Wort.

Das ganze Debakel ist natürlich auch sonst eine Steilvorlage, wie man überall in den sozialen Medien sehen kann. Am Montag hatte schon ein Meme von Balogun die Runde gemacht mit einer "Retour"-Uno-Spielkarte. Da wurde jetzt nämlich einfach fix ein lachender Lukaku drunter geklebt mit einer "Plus 4"-Karte. Oder die Karikatur von Manneken Pis, das in Trumps berühmt-berüchtigten "Reflection Pool" pinkelt.

Auf dem Social Media-Account des Katers des Kabinetts von Premierminister De Wever wurde übrigens ein Bild von besagtem Vierbeiner mit einer Trump-Puppe im Arm veröffentlicht. Mit der Sprechblase "Ich habe herrlich geschlafen, und ihr?" Und so weiter und so fort. Wobei viele Poster auch schon warnen, dass sich Trump für diese Schmach bestimmt rächen wird, zum Beispiel, indem er sich neue Einfuhrzölle für belgisches Bier oder andere Produkte ausdenken wird.

Die internationale Presse ist kaum weniger bissig: So wie etwa die französische Sporttageszeitung L'Equipe: "Tout ça pour ça", titelt sie etwa über einem Bild von Folarin Balogun. Aber egal wie - für die Roten Teufel und ihre Fans wird es Zeit, sich auf Freitag vorzubereiten.

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Boris Schmidt

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