Vor dem Prozess im Herbst: Salah Abdeslam und vier weitere Terroristen nach Belgien überführt

Der Terrorist Salah Abdeslam ist am Mittwoch nach Belgien überführt worden. Der 32-Jährige ist erst vor einigen Tagen in Paris wegen seiner Beteiligung an den Anschlägen vom 13. November 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Im Herbst soll ihm auch in Belgien der Prozess gemacht werden, diesmal wegen seiner mutmaßlichen Verwicklung in die Vorbereitung der Brüsseler Attentate vom 22. März 2016.

Salah Abdeslam vor Gericht (Archivbild: Benoit Peyrucq/AFP)

Salah Abdeslam vor Gericht im April in Paris (Archivbild: Benoit Peyrucq/AFP)

Abdeslam ist am 29. Juni in Frankreich zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Berufungsfrist ist abgelaufen und Abdeslam hat offensichtlich beschlossen, sein Urteil nicht anzufechten.

Deswegen sind die Urteile des Pariser Terrorprozesses jetzt rechtskräftig. Die gerichtliche Prozedur in Frankreich ist damit abgeschlossen. Jetzt kann also das belgische Kapitel beginnen.

Der Prozess um die Anschläge des 22. März 2016 soll am 10. Oktober beginnen. Dass Abdeslam jetzt schon von Frankreich nach Belgien ausgeliefert wurde, das mag etwas überraschend sein. Über die genauen Hintergründe dieses Zeitplans wurde aber nichts bekannt.

Isolationshaft

Abdeslam wurde in die Haftanstalt von Ittre gebracht. Das ist in der Nähe von Nivelles, südlich von Brüssel. Das berichten übereinstimmend mehrere Medien. Ittre ist neben Brügge auch das einzige Gefängnis mit einem Deradikalisierungs-Trakt. Dort sitzt Abdeslam jetzt anscheinend in Isolationshaft.

Abdeslam ist übrigens nicht der Einzige der Pariser Verurteilten, die von Frankreich nach Belgien überführt wurde. Mit dabei ist unter anderem Mohamed Abrini – bekannt unter dem Namen der „Mann mit Hut“. Er war einer der Attentäter von Zaventem, der überlebt hat.

Brüsseler Terrorzelle

Und auch Osama Krayem ist dabei. Das war einer der Metro-Attentäter vom 22. März, der aber anscheinend in letzter Sekunde einen Rückzieher gemacht hat. Insgesamt sollen mit Abdeslam fünf der Pariser Verurteilten nach Belgien überführt werden.

Denn hinter den Anschlägen von Paris von 2015 und den Attentaten von Brüssel im Jahr 2016 steckten im Wesentlichen dieselben Leute: Die Brüsseler Terrorzelle, die anscheinend von zwei ganz zentralen Figuren koordiniert wurde. Die Rede ist von den beiden Belgo-Marokkanern Abdelhamid Abaaoud und Oussama Atar.

Abaaoud galt als der Anführer des Pariser Terrorkommandos. Er wurde kurz nach den Pariser Anschlägen in einem Pariser Vorort aufgespürt und bei einem Polizeieinsatz getötet.

Anschläge von Paris und Brüssel

Oussama Atar gilt als der eigentliche Drahtzieher, der große Organisator hinter den Anschlägen von Paris und Brüssel. Atar gehörte anscheinend als einziger Europäer zur Führungsebene des sogenannten islamischen Staates. Er soll die Brüsseler Terrorzelle gegründet haben.

In Brüssel wurden dann erst die Anschläge von Paris geplant und vorbereitet. Am 13. November 2015 wurden dabei 130 Menschen getötet. Und dann, im März 2016, wurde Salah Abdeslam nach einer viermonatigen Hetzjagd in Molenbeek festgenommen.

Die Terrorzelle befürchtete daraufhin anscheinend, ausgehoben zu werden und deswegen entschloss man sich, wenige Tage später eben in Brüssel zuzuschlagen. Dabei wurden 32 Menschen getötet.

Abdelhamid Abaaoud ist erwiesenermaßen tot. Oussama Atar gilt abenfalls als tot. Er soll 2017 in Syrien bei einem Angriff der internationalen Koalition getötet worden sein. Weil das aber nie offiziell bestätigt wurde, wurde ihm in Abwesenheit der Prozess gemacht und das wird auch in Brüssel so sein.

Prozess im alten Nato-Gebäude

Alle Brüsseler Angeklagten sollen später in die nagelneue Haftanstalt von Haren verlegt werden. Die ist aber noch nicht ganz fertig. Sobald es geht, sollen alle Angeklagten im Brüsseler Terror-Prozess aber hier inhaftiert werden.

Haren ist ein Stadtteil von Brüssel. Hier liegt auch das alte Nato-Gebäude, wo dann der Prozess stattfinden soll. Die Angeklagten können also vergleichsweise schnell ins Gerichtsgebäude gebracht werden.

Nach dem Prozess werden die fünf Pariser Verurteilten anscheinend erstmal wieder nach Frankreich zurücktransferiert, um dort weiter ihre Strafe abzusitzen. Später können sie sich anscheinend auch entscheiden, nach Belgien zu kommen, aber erstmal muss der Prozess stattfinden.

Roger Pint

Ein Kommentar
  1. Roger Bonni

    Ein, in Frankreich, verurteilter, wird noch in Belgien vor Gericht gestellt : ist “ lebenslänglich ohne Aussicht auf Entlassungen nicht genug??? Diese Kosten kann der belgische Staat sich doch sparen. Die Haftbedingungen können von Belgien schriftlich bestätigt werden und gut ist.