PS-Vorsitzender Magnette will Ende des E-Commerce in Belgien

Der Vorsitzende der frankophonen Sozialisten PS, Paul Magnette, will ein Ende des Onlinehandels in Belgien. Hintergrund sind bevorstehende Diskussionen innerhalb der Föderalregierung über eine Lockerung der Regeln für die Abend- beziehungsweise Nachtarbeit im E-Commerce-Sektor. Das bettet sich in den Rahmen der geplanten Reform des Arbeitsmarktes ein.

Paul Magnette (Bild: Andy Buchanan/Belga)

Paul Magnette (Bild: Andy Buchanan/Belga)

Was ihn betreffe, so müsse Nachtarbeit auf essenzielle Bereiche beschränkt bleiben, beispielsweise Polizei und Krankenhäuser, so der PS-Präsident weiter. Aber damit nicht genug, Magnette will „nach dem Atomausstieg auch gerne den E-Commerce-Ausstieg“. Belgien solle ein Land werden mit echten Geschäften und lebendigen Städten. Der Onlinehandel stelle keinen Fortschritt dar, sondern einen gesellschaftlichen und ökologischen Rückschritt.

Die Reaktionen auf Magnettes Vorstoß fielen vorhersehbar giftig bis entgeistert aus: Die Mittelstandsvereinigung Unizo warf ihm vor, in der Steinzeit zu leben. Der Einzelhandelsverband Comeos nannte es unerhört leichtsinnig, Belgien zum ersten Onlinehandel-freien Land machen zu wollen. Die flämischen Nationalisten N-VA geißelten die Idee als „weltfremd“ und „unverantwortlich“ und warfen der PS vor, das Rad der Geschichte im Alleingang zurückdrehen zu wollen.

Von den Regierungspartnern der Vivaldi-Koalition reagierten die flämischen und die frankophonen Liberalen OpenVLD und MR sowie die flämischen Christdemokraten CD&V ebenfalls ablehnend. Der E-Commerce mit all seinen Umsätzen und Jobs sei kein Wirtschaftssektor, den man einfach so dem Ausland überlassen dürfe, hieß es sinngemäß von ihnen.

„Eine absurde Idee“: Magnettes Vorstoß für Ende des E-Commerce sorgt für Kopfschütteln

Boris Schmidt

7 Kommentare
  1. Joachim Wahl

    Magnette ist auf dem richtigen Weg. Wenn Tihange vom Netz geht, ist ohnehin kein Strom mehr da für den e-commerce. Es handelt sich also um eine sogenannte win-win-Situation. Hätte wohl gerne gewusst, welches „Gras“ Magnette raucht.

  2. Mario Mausen

    Dann kaufen wir noch mehr im preiswerten Ausland ! Oder will er das Internet abschalten…?

  3. Anja Wotschke

    @Mario Mausen,

    Wenn der das Internet abschaltet da haben abertausende Menschen ein massives Problem schon alleine was Bankgeschäfte betrifft, denn ohne Internet kein Onlinebanking und viele Bankfilialen sind abgeschafft worden, also wie dann bitte seine Rechnungen begleichen ? So auch viele Firmen sind vom Internet abhängig also das würde schon mal nicht funktionieren.
    Danke wo der drauf hinaus will, Amazon, zalando Alibaba und wie die alle heißen mögen aus dem Internet nehmen damit die Bürger „lokal“ kaufen und sich auch dorthin bequemen statt von zu Hause vom Sofa aus online zu kaufen und sich alles bis vor die Türe liefern zu lassen.

  4. Margarete Rossberg

    Das sind ja schon diktatorische Ambitionen die der Herr da hat.

    Ich hoffe Mangette hat in der Pandemie keinem Schaden erlitten oder braucht er Aufmerksamkeit?

    Völlig absurd sein Vorstoß

  5. Thomas Kohler

    Anscheinend hat Her Magnette irgend etwas falches geraucht….
    Das Problem ist doch, das Onlienhändler wie Amazon und Aliexpress auf ihre Gewinne keine oder kaum Steuern in der EU entrichten. Wäre das der Fall, wären die Produkte bei belgischen Einzelhändlern auf einmal wieder wettbewerbsfähig.
    An Herrn Magnette: Nehmen Sie sich drei beliebige Produkte und ermitteln den Durchschnittspreis in Belgien und danach bei Amazon.de (nicht UK, FR, NL). Sie werden feststellen, das die gleichen Produkte INKLUSIVE VERSAND bei Amazon günstiger sind! Wie kann das sein? Aber anstatt das Problem auf EU-Ebene anzugehen, lieber irgendetwas nicht durchdachtes herausposaunen um Aufmerksamkeit zu erregen.
    Und dann noch Aliexpress….Wer hat denn dafür gesorgt, dass die Chinesen sich einen schönen Luftfrachtstützpunkt in Lüttich geschaffen haben, der gleichsam als extraterritoriales Gelände geführt wird und wo der belgische Zoll nichts zu melden hat. MIch würde mal interessieren, wieviel Zoll und Einfuhtumsatzsteuer die Chinesen „freiwillig“ abführen….

  6. Peter Schallenberg

    Bei der Einschätzung der Nachtarbeit bin ich ja noch ganz bei Paul Magnette. Diese ist der Gesundheit nicht zuträglich und sollte auf das Nötigste beschränkt werden.

    Den lokalen Handel stärken zu wollen ist nicht falsch aber warum gleich mit dem Brecheisen drangehen? Radikallösungen sind doch eher Sache der Grünen…?!

    Frau Rossberg: gerne teile ich Ihre Hoffnung, befürchte aber, das die Pandemie bei unseren Politikern bereits den einen oder anderen Schaden verursacht hat. Und dazu gehört zum Beispiel das liebäugeln mit diktatorischen Ambitionen…

  7. Margarete Rossberg

    @Peter Schallenberg

    Der Herr M hat das ja auch nicht zu Ende gedacht
    Eine Rolle rückwärts wird er auch rechtlich nicht durchsetzen. Die Onlineriesen müssen verpflichtet werden Steuern zu zahlen..

    Das sollte der Traumtänzer Mangette mal in Angriff nehmen.