Hochwasser zwei Monate danach noch lange nicht bewältigt

Zwei Monate nach der Hochwasserkatastrophe von Mitte Juli bleibt die Lage in vielen betroffenen Orten dramatisch. Die Aufräum- und Aufbauarbeiten dauern noch an. Dass jetzt die kalte Jahreszeit beginnt, verschärft vielfach noch die Probleme. Am Mittwoch verschafft sich das Königspaar in einigen Gemeinden einen Überblick, wie sich die Region von der Naturkatastrophe erholt.

Königin Mathilde und König Philippe bei ihrem Besuch in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten (Bild: Bruno Fahy/Belga)

Königin Mathilde und König Philippe am Mittwoch bei ihrem Besuch in Ensival (Bild: Bruno Fahy/Belga)

Verviers, Ensival, Esneux – das waren am Mittwoch die Stationen auf dem Programm von König Philippe und Königin Mathilde, stets begleitet von Spitzenpolitikern wie dem wallonischen Ministerpräsidenten Elio Di Rupo oder Innenministerin Annelies Verlinden. Sie wollen wissen, wo die Gemeinden und Helfer bei der Bewältigung der immensen Schäden stehen. Die sind in manchen Orten immer noch sehr groß und sichtbar.

In Pepinster ist die Bahnverbindung zu Verviers erst seit Dienstag wieder in Betrieb und auch die Freie Schule im Ort kann erst am Mittwoch wieder Schüler empfangen. Teile der Schule wurden völlig zerstört, andere verwüstet. Direktor Laurent David war und ist immer noch vorwiegend als Bauherr und Handwerker in seiner Schule unterwegs, wie er in der RTBF berichtet. Das Wichtigste ist im Moment, den Kindern wieder einen bestmöglichen Klassenraum zu geben. Erst dann sind die Büros dran. Die Schule liegt an der Hoëgne, die im Juli über die Ufer getreten war. 1,50 Meter hoch stand das Wasser auf dem Schulgelände.

Halin: Staatsstruktur verkompliziert vieles

Die Region habe viel Solidarität und Hilfe erfahren, von Privatpersonen und den Hilfsdiensten. Dabei könnte eine solche Katastrophe effizienter bewältigt werden, findet Cédric Halin, der Bürgermeister von Olne. Die belgische Staatsstruktur verkompliziere vieles. Ein Teil der öffentlichen Sicherheit falle in die Zuständigkeit des Föderalstaates, bei den Straßen teilen sich Region und Gemeinden die Zuständigkeit, bei den Wasserwegen die Region und die Provinz. Das erschwere jetzt die Arbeiten.

Viele Bürgermeister fühlten sich in der Katastrophe allein gelassen. Die Bürgermeister sind es, an die sich die Bürger als erstes wenden. Dabei hätten sie in einer so großen Katastrophe auch nicht immer die Mittel und Kompetenz, das Problem zu lösen. Mehr Unterstützung habe er sich auch von der Provinz und seinem Gouverneur Hervé Jamar gewünscht.

Neue Probleme

Viele Betroffene stehen zwei Monate nach der Katastrophe vor neuen Problemen. Handwerker und Baumaterial sind nicht leicht zu finden, weil sie überall gebraucht werden und das gleichzeitig.

Unterdessen weht der Wind weiter durch zerschlagene Fenster, frisst sich die Feuchte durch Putz und Mauerwerk. Es gibt kaum eine Chance, das Haus trockenzulegen, wenn die Heizung nicht funktioniert. Und selbst wenn die Heizung da ist, fehlt an vielen Stellen das Gas, weil die Leitungen noch zerstört sind. 15.000 Haushalte haben ihren Gasanschluss durch das Hochwasser verloren. Bis Mitte Oktober sollen 10.000 von ihnen wieder angeschlossen sein. Bleiben 5.000 Wohnungen ohne Gasleitung – unter anderem in Pepinster oder Limbourg. Manche behelfen sich mit Elektro-Öfen zum Heizen oder fürs warme Wasser, um durch den Winter zu kommen.

Armee und Rotes Kreuz geben auch heute noch allein in Pepinster rund 100 Essen täglich aus. Ihre Hilfe wird mindestens noch den ganzen Winter nötig sein, sagt Marie Masset vom Roten Kreuz.

Es bleibt viel zu tun und es braucht weiter viel Unterstützung. „Was wir brauchen, sind Mittel und Personen, die mit anpacken und konkret helfen und weniger Menschen, die herkommen, um sich die Lage anzuschauen“, sagt Olnes Bürgermeister Cédric Halin.

Olivier Krickel