Brüssel läutet Ende der Ära von Diesel- und Benzinautos ein

Die Brüsseler Region hat das Ende der Epoche von Diesel- und Benzinmotoren angekündigt. Ab 2030 sollen Diesel-Autos aus Brüssel verbannt werden, fünf Jahre später gilt das auch für Autos mit Benzin-Antrieb. Das hat die Regionalregierung von Ministerpräsident Rudi Vervoort (PS) am Freitag mitgeteilt.

Rekordjahr bei Kilomterleistung

Bild: John Thys/Belga

Es ist ein ehrgeiziger Plan. Bis 2030 will die Hauptstadtregion keine Dieselfahrzeuge mehr, 2035 sollen die Fahrzeuge mit Benzin- und LPG-Motoren folgen. Diese Ansage hat am Freitagmorgen im übertragenen Sinne für einen ziemlichen Knall gesorgt. Vielen Brüsselern und natürlich auch Berufspendlern von außerhalb dürfte wohl buchstäblich das Frühstück im Hals stecken geblieben sein, von Organisationen wie dem belgischen Erdölverband oder dem Automobil-Club Touring ganz zu schweigen. Jubel und Zustimmung kommen dagegen logischerweise von diversen Umweltorganisationen.

Aus heiterem Himmel fällt das Ganze freilich nicht: Denn die Umstellung stand als Ziel im Prinzip schon in der regionalen Regierungsvereinbarung von 2019. Wirklich geeinigt haben sich die Mehrheitsparteien aber erst am Donnerstag. Am Freitag wurde der Beschluss angekündigt und es gab auch die ersten Details, wie Brüssel den Übergang zu einem saubereren Fuhrpark erreichen will.

Los geht es schon deutlich vor 2030, nämlich schon nächstes Jahr: Ab 2022 dürfen zum Beispiel die letzten Dieselfahrzeuge ohne Rußfilter, Euronorm 4, schon nicht mehr in die Brüsseler Umweltzone. Je nach Fahrzeug- und Kraftstofftyp gelten dabei jeweils eigene Zeitpläne und Vorgaben. Deswegen hat die Region einen detaillierten und umfangreichen Kalender ausgearbeitet. Darin sind sogar nicht nur die üblichen Verdächtigen enthalten, sondern sogar Motorroller, Motorräder und selbst Quads berücksichtigt.

Das sei eine Langzeitstrategie, sagte Rudi Vervoort, PS-Ministerpräsident der Region Brüssel-Hauptstadt, in der RTBF. 2030 beziehungsweise 2035, das sei ja noch nicht morgen. Aber man müsse eben schon jetzt damit beginnen, auf diese Ziele hinzuarbeiten, und die Bürger zu informieren.

Das Ziel ist dabei vor allem eine bessere Luftqualität, aber auch, den europäischen Klimazielen zu genügen, die bis 2050 die „Kohlenstoffneutralität“ fordern. Und Brüssel steht da beileibe nicht allein da: Zahlreiche weitere europäische Großstädte wollen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ebenfalls schrittweise aus dem Verkehr ziehen, etwa Amsterdam, Paris, London oder auch Oslo.

Laut Ministerpräsident Vervoort soll dieser Klimawandel auch sozial gerecht erfolgen. Dafür und damit der Schock dieser Umstellung nicht zu groß wird, hat Brüssel begleitende Maßnahmen vorgesehen, wie unter anderem die regionale Groen-Mobilitätsministerin Elke Van den Brandt in der VRT betonte. Und auch ihr frankophoner Ecolo-Parteikollege Alain Maron hob das hervor, Regionalminister für die Umwelt und den Klimawandel. Denn natürlich müsse man den Haushalten dabei helfen, auf andere Mobilitätslösungen oder auf sauberere Fahrzeuge umzusteigen, so Maron in der RTBF.

Die begleitenden Maßnahmen sollen unter anderem besonders Menschen mit eingeschränkter Mobilität bei der Umstellung helfen, aber auch kleinen und mittleren Unternehmen oder Carsharing-Initiativen. Jeder solle nach seinen Bedürfnissen eine angemessene Möglichkeit finden, um sich fortzubewegen, verspricht Vervoort. Und zwar eine, die sozial verträglich ist, aber auch besser für die Luftqualität und das Klima als die jetzigen Möglichkeiten.

Einige dieser begleitenden Maßnahmen sind bereits geplant, andere sollen noch ausgearbeitet werden. Unter anderem will Brüssel nach Aussagen von Mobilitätsministerin Van den Brandt massiv in Alternativen zu Privatfahrzeugen investieren. Das bedeutet zunächst einmal also vor allem in den öffentlichen Nahverkehr. Allein 2020 werde schon eine Milliarde Euro investiert, um das Nahverkehrsnetz der Stib zugänglicher, feinmaschiger und komfortabler zu machen und um die Taktung der Verbindungen zu erhöhen, so Van den Brandt.

Investiert werden soll aber auch in eine bessere Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger. Und, auch keinesfalls zu vergessen, in den massiven Ausbau der Ladeinfrastruktur für elektrische Fahrzeuge. Die Rede ist aber auch etwa von einkommensabhängigen Prämien für Haushalte, die auf ihr Auto verzichten, und zahlreichen weiteren möglichen Maßnahmen.

Boris Schmidt

16 Kommentare
  1. Peter Mertens

    Dann sollte man vielleicht einen Kaufanreiz schaffen, in Form einer staatlichen Prämie.
    Wünschenswert wäre auch ein beschleunigter Ausbau der Ladesäulen.
    Das Problem wird sein, das wenn eine neue Akkutechnik kommt, keiner mehr die alten E-Fahrzeuge kaufen möchte.

  2. Anja Wotschke

    Herr Mertens, der Anreiz würde dazu noch zusätzlich bestehen wenn die E-Schrott-Autos an die Reichweite eines klassischen Verbrenners kämen, dh bis je nach Fahrzeugtyp bis 1300 km mit einer Tankfüllung und nicht mal gerade wenns hoch kommt beim Stromer bis nur 400 km. Dazu das betanken mit Benzin / Diesel geht immer noch schneller als wie mit Strom und Stromladesäulen die für ALLE E-Autos gleichermaßen geeignet sind die kann man Nu echt suchen um nicht irgendwo im mirgendwo liegen zu bleiben…. Ua Vorteil des Verbrenners, jenachdrm wohin die Reise geht man kann da immer noch sich befüllte Reservekanister mit nehmen – kann man das denn auch beim Stromer?

  3. Yves Tychon

    Die ausgemusterten Verbrenner werden ja nicht etwa verschrottet, sondern – vorzugsweise nach Afrika – exportiert. Die dortigen Gebrauchtwagenhändler werden sich über die breite Angebotspalette aus Belgien und anderen europäischen Ländern freuen.
    Mit ein wenig Glück kann sich der eine oder andere Afrikaner dann ein Auto kaufen, mit dem er zur Arbeit in eine Mine fährt, wo Kobalt oder seltene Erden für die in Europa verkauften Elektroautos gewonnen werden. Das Ganze nennt sich dann « Kreislaufwirtschaft » 🤓

  4. Uwe Chemnitz

    @Yves Tychon:

    Das ist genau das , was ich denke.
    Die EU wird umweltfreundlicher der Rest fährt mit alten Karren herum.
    Blöd ist nur..der Planet ..den kümmert das einen Scheiß.
    Soviel CO2 mehr soviel davon, soviel mehr Erwärmung….und dann kippt halt irgendwann mal das Klima….vielleicht schon gelesen…und da gibt es so schnell kein zurück mehr… also von wegen wir drehen da mal was zurück.

  5. Guido Scholzen

    Keine Verbrenner mehr in Brüssel?
    Und wo soll der zusätzliche Strom herkommen?
    Wurde nicht auch mal der Ausstieg aus der Kernkraft in Belgien beschlossen?

    Hier sieht man, was Energiewende letztens Endes bedeutet: eine Total-Elektrifizierung unserer Gesellschaft, organisiert von Fantasten, die von der Materie soviel Ahnung haben wie eine Milchkuh vom Eierlegen.

    Dieser grüne Neo-Marxismus wurde in der Theorie durch Philosophen in der „Frankfurter Schule“ beschrieben: da wo die Theorie bereits Praxis ist.
    Doofer geht’s nimmer.

  6. Marcel Scholzen eimerscheid

    Nicht verzagen
    Greta fragen

  7. Lutz-René Jusczyk

    Herr Scholzen, selten bin ich geneigt, Ihnen zuzustimmen, diemal jedoch schon.
    Nehmen wir an, der gesamte Verkehr würde auf Wasserstoffantrieb umgestellt, dann entstünde zur Herstellung des Wasserstoffs ein gewaltiger zusätzlicher Strombedarf.
    Kein Grüner hat mir bisher plausibel darlegen können, wie dieser gedeckt werden soll, wenn ebenso sowohl ein Ausstieg aus der Kernenergie als auch aus der Kohleverstromung in die Wege geleitet wird.
    Wenn wir wirklich eine CO2-Neutralität wollen, dann führt an dem Bau neuer Kernkraftwerke kein Weg vorbei, auch wenn dabei mitunter das Problem der Endlagerung der alten Brennstäbe erneut in den Fokus rückt.
    In Frankreich wird derzeit ein Fusionsreaktor gebaut, aber bis diese Technik soweit ausgereift ist, dass mit ihr Strom für den allgemeinen Bedarf erzeugt werden kann, werden sicher noch Jahre vergehen.
    Zu meinen, man könne in unseren Breiten allein auf Windräder und Solardächer setzen, ist m.E. schlichtweg utopisch.
    Selbst die meisten Grünen scheinen dies zu wissen, geben es jedoch nur selten offen zu.

  8. Alexander Hezel

    „organisiert von Fantasten, die von der Materie soviel Ahnung haben wie eine Milchkuh vom Eierlegen“ (Wahl)

    Gewagte Aussage von jemandem, für den es keinen Treibhauseffekt „geben kann“ – den Treibhauseffekt, den Sekundarschüler in den Schulen weltweit lernen… Glashaus und Steine lassen grüßen.

    Zum Thema: Die Umstellung auf eine andere Mobilität ist eine gute Sache, nun muss die Politik allerdings liefern und schrittweise die Rahmenbedingungen schaffen.

  9. Marcel Scholzen eimerscheid

    Das einzig sinnvolle wären Elektroautos mit eingebauten Solarzellen, die sich ihren Strom selbst machen. Und solange diese nicht zur Verfügung stehen, sollte man die Verbrenner nicht von der Straße verbannen. Es ist Unsinn etwas abschaffen zu wollen ohne für Ersatz zu sorgen. Aber so ist oft belgische Politik. Da wird was gemacht ohne die möglichen Folgen zu bedenken.

    In Städten wie Brüssel oder Lüttich kann man ohne Auto leben, weil öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung stehen. Auf dem Land ist es nicht so. Da ist man auf das Auto angewiesen, weil öffentliche Verkehrsmittel nur unzureichend zur Verfügung stehen, besonders am Wochenende. Haben die Ecolos das in ihrem grünen Elfenbeinturm bedacht ? Die erinnern mich sowieso an die Bolschewiki von vor hundert Jahren. Die hatten auch keine Ahnung von praktischer Politik, was Millionen das Leben gekostet hat.

  10. Guido Scholzen

    Herr Hezel,
    Nehmen wir an, es gäbe wirklich einen CO2-bedingten globalen Temperatur-Anstieg, der in eine Katastrophe münden könnte, warum müssen wir dann eine Energiewende installieren, die nicht funktioniert?

    Herr Jusczyk,
    Politik kann immer nur im Rahmen des Möglichen und Machbaren agieren, ansonsten verweise ich auf das Zitat von Ex-Kanzler Helmut Schmidt „Politiker, die nur noch Visionen haben, sollten besser zum Arzt gehen.“
    Die Energiewende in all ihren Komponenten ist bis dato unrealistisch geblieben, weil sie eben eine ideologische Utopie von grünen Marxisten ist, die an diesen Ökologismus glauben wie kleine Kinder an den Nikolaus. Ideologien sind Utopien.

    Die Energiewende ist nicht mals realisierbar für eine ländliche Gemeinde, und die Fantasten wollten damit die ganze industrialisierte Welt „beglücken“.
    Aber bei den Grüngesinnten argumentiert man vergebens, denn wenn Glauben und Wissen aufeinander treffen, dann gewinnt bei gläubigen Menschen immer der Glauben. Sogar der Dialog und Kontakr zu Andersgläubigen soll verhindert werden, damit der Glauben nicht gefährdet wird.
    So funktionieren Sekten und Fundamentalismus.

  11. Yves Tychon

    @ G. Scholzen: Nicht so ganz mit Ihnen einverstanden, denn dank der verfügbaren Flächen im Bereich der zahlreichen Einfamilienhäuser können massenhaft Solarzellen installiert werden. Auf dem Land kann man einigermaßen autark sein. Aber wo wollen Sie Ihre umweltfreundliche Energie selbst erzeugen, wenn Sie in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in der Großstadt leben? Mit einem Minipaneel auf dem Balkon können Sie allenfalls Handy und Laptop aufladen!
    Ansonsten ist das Demokratieverständnis der Brüsseler Regionalregierung schon fragwürdig, wenn sie Bestimmungen erlässt, die weit über die nächste Legislaturperiode hinausreichen.

  12. Alexander Hezel

    @ Scholzen – Wir brauchen nicht „anzunehmen“, dass die Temperatur durch CO2 ansteigt, das ist seit Jahren erwiesen. Genauso wie der Treibhauseffekt im Übrigen…

    Es ist sinnlos, mit Leuten zu diskutieren, die nich nicht einmal grundlegende physikalische Vorgänge anerkennen.

  13. Maria van Straelen

    Die Herren der Schöpfung überschlagen sich hier mit ‚Sach’Kenntnis zu allen technsichen AUTO-fragen, ohne Auto ist scheinbar ein so großer Schritt zurück ins Mittelalter, dass man Ihnen gar nicht vor Augen hat. Eine Stadt wie Brüssel (und viele andere überlaufende Großstädte) setzen auf echte ALTERNATIVEN: öffentlicher Verkehr z.B. Durch Brüssel fahren täglich hunderte Züge, die ALLE die Achse Nord-Zentral-Süd durchfahren und somit schonmal sehr dicht an vielen hotspots von Büroclustern vorbeifahren. Dann gibt es die Metro etc. Auch das Fahradfahren wird sehr gefördert (die dürfen sogar auf den für Bussen reservierten Fahrspuren fahren (eine seltsame, nicht ganz ungefährliche Lage). Wer andererseits weder bei den internationalen und nationalen politischen Instanzen noch den Banken arbeitet, der ist schon mal von dieser Regel ausgeschlossen, denn fast ALLE privaten internationalen Firmensitze befinden sich im flämischen Gürtel.

  14. Benny Appelt

    Ambitionierte Ziele, wie hier durch die Brüsseler Regionalregierung, sind gut, aber sie müssen auch realistisch sein und Perspektiven aufzeigen ohne ausschließlich auf Verbote zu setzen. Es wäre wünschenswert Belgien würde Luxemburg folgen und den gesamten Personennahverkehr kostenlos machen. Oder die Preise so moderat gestalten, dass sie attraktiv sind, so z. B. maximal 365€ für einen Erwachsenen (erwerbstätig), Kinder gratis und restliche Personen reduzierte Tarife. Dafür alle Verkehrsgesellschaften SNCB, TEC, DeLijn und STIB so oft man will eingeschlossen.

  15. Yves Tychon

    Werte Frau Van Straelen,
    ich befürchte, dass Sie die Lage des ÖPNV in Brüssel durch die rosa-grüne Brille sehen. Wann wurde denn die letzte Metro-Station eingeweiht? Nach Jahrzehnten, in denen aus steuerlichen Gründen zahlreiche Innendienstmitarbeiter ein Firmenwagen aufgedrängt wurde, rudert man jetzt mit einer autofeindlichen Politik zurück (siehe Fußgängerzone, die zu einer weiteren Verödung der City beitrug), ohne gleichzeitig für saubere, sichere und effiziente Busse und Straßenbahnen zu sorgen. In meiner Brüsseler Zeit hätte ich für die 2 km bis zur Arbeit mit den Öffis 40 Minuten gebraucht, mit dem Auto zwischen 10 und 30 Minuten. Zu Fuß waren es dann in der Praxis « verlässliche » 20 Minuten.
    Außerdem denken Sie nur an die Pendler und lassen die in Brüssel wohnhaften Senioren außer Acht, deren Pkw meistens benutzt wird, wenn sie mal ein paar Tage an der Küste oder auch in Ostbelgien verbringen wollen. Sollen die zwangsweise auf einen Stromer umsteigen ?

  16. Josef Duda

    Herr Hezel,
    „dass die Temperatur durch CO2 ansteigt, das ist seit Jahren erwiesen“
    „den Treibhauseffekt, den Sekundarschüler in den Schulen weltweit lernen…“
    und
    „Es ist sinnlos, mit Leuten zu diskutieren, die nich nicht einmal grundlegende physikalische Vorgänge anerkennen“

    Wow, könnten Sie mich/uns vielleicht detaillierter aufklären und ggf. das Erwiesene bzw. den Beweis verlinken. Sie scheinen den letzten IPCC Bericht nicht zu kennen, sonst wüssten Sie um den % Satz der Wahrscheinlichkeit womit der IPCC das „Erwiesene“ angibt!
    Das Problem ist das der Sekundarschüler annehmen muss was im da aufgetischt wird, er kann dies unmöglich hinterfragen da viel zu komplex.

    Und die Umstellung auf eine andere Mobilität wäre wirklich eine gute Sache würde aktuell ein brauchbare Alternative zur Wahl stehen, ist aber noch nicht der Fall.