Vandenbroucke über die Corona-Lage, die Impfstrategie und den Konzertierungsausschuss

Am Freitag ist wieder Konzertierungsausschuss. Das heißt, dass wieder heftig über Lockerungen diskutiert wird. Daneben steht aber zurzeit vor allem ein Corona-Thema im Fokus: die Impfkampagne. Der föderale Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (SP.A) versucht, die Entscheidungen der Gesundheitsminister des Landes zu erklären.

Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Archivbild: Olivier Matthys/PooL/Belga)

Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Archivbild: Olivier Matthys/PooL/Belga)

Die Entscheidungen der Interministeriellen Konferenz Volksgesundheit sind eigentlich relativ schnell zusammengefasst. Erstens: Der Impfstoff von Astrazeneca darf jetzt in Belgien ohne Altersobergrenze an alle Erwachsenen verabreicht werden. Zweitens: Die Gesundheitsminister des Landes haben beschlossen, die Puffer-Menge an Pfizer-Impfstoffdosen, die für die zweite Spritze benötigt werden, um zwei Drittel zu reduzieren. Diese Ergebnisse scheinen doch übersichtlich. Es ist nachvollziehbar, dass manche Probleme haben, da einen echten „Reset“, also einen Neustart der Impfstrategie zu erkennen. Der war angesichts der zahlreichen Pannen und des doch sehr schleppenden Fortschritts der Kampagne versprochen worden.

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Der föderale Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke beteuert aber, dass die Tatsache, dass jetzt drei Vakzine für alle Altersgruppen eingesetzt werden können, die Impfungen vereinfachen wird. Einfach, weil die Entscheidung, ob eine Person jetzt Pfizer, Moderna oder Astrazeneca bekommt, nicht mehr vom Alter abhängig gemacht werden muss. Das werde der Kampagne, die älteren und damit besonders gefährdeten Menschen möglichst schnell zu impfen, auch einen Schub geben, so Vandenbroucke in der RTBF.

Dass die Puffer-Reserven des Pfizer-Impfstoffes von drei auf etwa eine Woche reduziert werden könnten, sei den Empfehlungen des Hohen Gesundheitsrates zu verdanken. Der sagt, dass die vorgeschriebene Zeitspanne von 21 Tagen zwischen der ersten und zweiten Dosis nicht exakt eingehalten werden muss. Wenn das notwendig sei, könne die auch auf bis zu 35 Tage erhöht werden. Das sorge eben dafür, dass man ein etwas größeres Risiko eingehen könne, so Vandenbroucke. Im Sinne von, dass ein gewisses Risiko in Kauf genommen wird, dass es zu Schwankungen bei den Lieferungen von Pfizer kommen könnte. Diese Reduzierung der Reserven werde umgehend Zehntausende Pfizer-Dosen zur Verwendung freimachen. Das sei ebenfalls ein bedeutender Beschleunigungsfaktor, betonte Vandenbroucke.

Das geht aber wohlgemerkt nicht so weit, dass die Impfplanung an sich auf diese 35 Tage umgestellt wird. Zumindest noch nicht, stellte der Gesundheitsminister klar. Der Schritt wird aber erwogen. Falls man sich dazu entscheide, würde das ebenfalls eine Beschleunigung der Impfkampagne bedeuten. Allerdings keine sofortige, sondern eine, die sich erst im Verlauf mehrerer Wochen auswirken werde. Nun würden zunächst juristische Aspekte geklärt. Denn schließlich wäre das eine klare Abweichung von der offiziellen Gebrauchsanweisung für den Impfstoff. Belgien wolle hier auch eine Diskussion auf europäischer Ebene und ein abgestimmtes Vorgehen, sprich dass die Europäische Arzneimittelagentur EMA sich damit befasst.

Verständnis

Dem Konzertierungsausschuss vorgreifen wollte Vandenbroucke nicht. Aber er zeigte Verständnis, dass die Menschen im Land die Nase voll haben von den Corona-Einschränkungen. Das verstehe er sehr gut, er habe ja auch genug davon, so Vandenbroucke. Aber wenn man das Virus besiegen wolle, müsse man der Impfkampagne Zeit geben. Dafür bat er um Geduld, diese Zeit sei überschaubar. Auch wenn man über Wochen und Monate reden müsse, unterstrich der Gesundheitsminister.

In der Zwischenzeit dürfe man das bereits Erreichte jedoch nicht zerstören. Aber je weiter die Impfkampagne fortschreite, desto reeller würden auch die Perspektiven auf Lockerungen. Aktuell sei es aber eben so, dass es bei den Corona-Zahlen eine gute und eine schlechte Nachricht gebe. Die gute Nachricht sei, dass die Krankenhausaufnahmen nicht wie befürchtet explodiert seien. Aber andererseits stiegen die Aufnahmen von Covid-Patienten in die Krankenhäuser und auch in die Intensivstationen weiter, warnte Vandenbroucke.

Boris Schmidt