Biostatistiker: Verbot nicht-essenzieller Reisen wirkt

Am Freitag ist ja wieder Konzertierungsausschuss. Ob dabei Lockerungen der Corona-Einschränkungen herauskommen werden, muss man sehen. Zumindest die Aussicht auf breite und schnelle Erleichterungen ist nicht besonders groß. Das bedeutet aber nicht, dass verschiedene Politiker nicht trotzdem alles Mögliche fordern. Ein Punkt, der deswegen wohl auf dem Tisch liegen wird, ist das Verbot nicht-essenzieller Reisen. Das sollte ursprünglich bis zum 1. März gelten. Ist aber, zumindest vorläufig, schon bis zum 1. April verlängert, wenn es eben nicht am Freitag gekippt wird. Aber was hat dieses Verbot bisher überhaupt gebracht?

Das Ziel des Verbots von Reisen ins Ausland aus nicht notwendigen Gründen war klar: Die Einschleppung von neuen Coronavirus-Varianten nach Belgien zu verhindern, zum Beispiel der sogenannten britischen Variante. Die zirkulierte in anderen Ländern schon stark, als das Verbot beschlossen wurde. Und deswegen wurde befürchtet, dass zurückkehrende Reisende, aber natürlich auch Touristen, die nach Belgien kommen, diese Variante mitbringen würden.

Spätestens die Weihnachtsferien hatten deutlich gezeigt, dass die damals geltenden Hürden und das starke Abraten allein nicht ausreichten, um die Reisewütigen abzuschrecken. Deswegen wurde dann eben für die Karnevalsferien beschlossen, durchzugreifen – mit einem offiziellen Verbot touristischer Reisen. Diese Maßnahme gilt seit dem 27. Januar.

Glücklich über das Verbot sind wohl die wenigsten, auch wenn die Menschen sich im Großen und Ganzen daran zu halten scheinen. Das legen zumindest die Statistiken nahe. Demnach wurden in den Karnevalsferien 67.000 Menschen kontrolliert, die die Grenzen überschreiten wollten. Und nur gegen 435 von ihnen musste ein Protokoll ausgestellt werden wegen eines Verstoßes gegen das Reiseverbot.

Und auch bei den Menschen, die bei ihrer Rückkehr kontrolliert wurden, sei festgestellt worden, dass sich die meisten an die Vorschriften gehalten hätten. Das erklärte Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V) in der VRT. Sie zeigte sich zufrieden mit der Maßnahme. Dass diese ein Erfolg sei, sehe man auch an den Zahlen für Neuansteckungen und Krankenhausaufnahmen.

Diese Einschätzung teilt auch der Biostatistiker Geert Molenberghs. Wobei er hervorhebt, dass es sich eigentlich um eine Kombination von zwei Maßnahmen handelt: Zum einen das Testen und die Nachverfolgung zurückkehrender Reisender. Die sind seit Ende letzten Jahres strenger geworden. Und dann eben das eigentliche Verbot nicht-essenzieller Reisen.

Wenn man sich die Anzahl der Menschen anschaue, die nach Belgien eingereist seien, sei die dramatische Reduzierung offensichtlich, erklärte Molenberghs bei Radio Eén. In den Weihnachtsferien seien in einer Woche 90.000 Personen nach Belgien eingereist. Wobei das natürlich ein Ausnahmezeitraum ist. Nach den Ferien habe sich dieser Wert auf etwa 40.000 pro Woche eingependelt.

Mit Inkrafttreten des Reiseverbots sei diese Zahl aber auf 25.000 gedrückt worden. Und nicht nur das: Der Anteil der Menschen, die bei der Einreise auf das Coronavirus getestet würden, sei von 20 Prozent zu Weihnachten auf jetzt 70 Prozent gestiegen.

Wenn man das umrechne auf die Anzahl positiver Fälle, die aus Corona-Hochrisikogebieten im Ausland nach Belgien kämen, dann seien diese Fälle auf ein Fünftel reduziert worden. Und wenn man es schaffe, 80 Prozent der Virus-Importe draußen zu halten, dann betrachte er das schon als Erfolg, so Molenberghs.

Außerdem könne man vielleicht auch von einer Art abschreckendem Effekt sprechen, aus bestimmten Ländern nach Belgien einzureisen. Die Positivitätsrate bestimmter Herkunftsländer sei dramatisch gesunken. Wurden beispielsweise Menschen, die aus Rumänien einreisten, im Januar noch in zehn Prozent der Fälle positiv getestet, so seien es jetzt nur noch ein Prozent.

In Molenberghs Augen mach die Maßnahme auch durchaus weiter Sinn. Natürlich habe sich die britische Corona-Variante mittlerweile überall in Europa schon stark ausgebreitet. Aber es gebe ja auch noch andere Varianten, etwa die brasilianische. Wenn diese Varianten zumindest in Belgien noch nicht stark vertreten seien, bestehe durchaus noch die Möglichkeit, sie so unter Kontrolle zu behalten, glaubt Molenberghs. Von seiner Warte aus könne er jedenfalls nur feststellen, dass die Maßnahmen bisher gewirkt hätten.

Aber er wisse natürlich auch, dass es in diesem Kontext auch politische Erwägungen gebe, so Molenberghs. Und vor allem auch Bedenken vonseiten der Europäischen Union, was eine Verlängerung des Verbots angehe.

Verlinden: Reiseverbot gut befolgt worden

 

Boris Schmidt

2 Kommentare
  1. Peters Alexa

    Wenn man die Sciensano-Zahlen der ersten Januarwoche, als von 11,5 Millionen Belgiern 90.000 „Reisewütige“ (vor Corona nannte man diese Menschen noch „reisefreudig“) zurückgekehrt waren, mit den jetzigen vergleicht, sehe ich zwar dass weniger Leute gereist sind aber nicht inwiefern das Reiseverbot die Zahlen der Infizierten gesenkt hat. Im Gegenteil. Damals (Tests Belgien gesamt 6,7% pos., davon Tests bei Reisenden 3% pos.) wie heute (Tests Belgien gesamt 5,2% pos., davon Tests bei Reisenden 2% pos.) ist die Prozentzahl der getesteten Reisenden viel niedriger als die Prozentzahl der gesamt getesteten Belgier. Nach Adam Riese haben die „Reisewütigen“ also die Gesamt-Prozentzahl der positiven Tests sogar noch nach unten gedrückt. Oder sehe ich das falsch?
    Dann sehe ich sicher auch falsch dass der Belgier ja eigentlich weniger Risiko eingeht sich im Ausland zu infizieren als im Inland selbst.

  2. Eva Wicht

    Denkt man beim momentan geltenden Einreiseverbot auch an diejenigen Deutschen, die bereits ihre Jahrespacht für ihr Ferienhaus in Belgien von 2000 EU bezahlt haben, und dann doch nicht nach Belgien einreisen dürfen. Ich hoffe das jetzige Einreiseverbot wird mit negativem Coronatest und Quarantäne aufgehoben.