Ostende: Bürgermeister will Bahn-Freikarten bis zur Horeca-Wiedereröffnung aussetzen

"Ostende - Stadt am Meer" - so lautet der Slogan der touristischen Hochburg an der belgischen Küste. Ab Eupen ist sie ganz einfach mit dem Zug zu erreichen. Gratis-Zugtickets haben sich auch viele besorgt. Doch der Bürgermeister von Ostende, Bart Tommelein, macht gerade keine Werbung für seine Stadt. Er würde auf Touristen lieber verzichten.

Am Bahnhof von Ostende am vergangenen Samstag (Bild: Kurt Desplenter/Belga)

Am Bahnhof von Ostende am vergangenen Samstag (Bild: Kurt Desplenter/Belga)

Das schöne Wetter vom vergangenen Wochenende hat in den Augen von Tommelein zu einer Völkerwanderung aus dem Landesinneren Richtung Küste geführt. Besonders in Ostende war viel los. „Zu viel“ laut Tommelein. Das passt ihm gar nicht.

Und jetzt hat er nochmal nachgelegt. Er würde es lieber sehen, dass die Freikarten der belgischen Eisenbahn ausgesetzt werden. Laut Tommelein wird Ostende bei schönem Wetter mit einer großen Menschenmenge konfrontiert, die mit dem Zug an die Küste fährt. Und das sei für ihn in der derzeitigen Situation nicht machbar. In einer Pandemie sei es unverantwortlich, wenn die Menschen zu Zehntausenden an die Küste kommen.

Tommelein will nicht, dass niemand mehr nach Ostende kommt, aber er will, dass es überschaubar bleibt. Deshalb habe er am Montag die Föderalregierung konkret gebeten, die von der SNCB ausgegebenen kostenlosen Bahnpässe auszusetzen – und zwar mindestens so lange „bis das Gaststättengewerbe wieder seine Pforten öffnen darf“, so Tommelein. Das Ganze aus Sicherheitsgründen, aber auch wegen der sanitären Anlagen. Man könne in Ostende unmöglich Tausende von Menschen empfangen. Es gebe nicht genügend sanitäre Einrichtungen ohne die stillen Örtchen aus dem Horeca-Sektor.

Fest steht: Tommelein und die SNCB waren im letzten Jahr nicht die besten Freunde. Er hatte sich bereits mehrmals an die Eisenbahn gewandt, um den Einsatz von Extrazügen Richtung Küste zu stoppen. Laut Tommelein habe das die Bahn aber nicht interessiert. Sie verweise einfach nur an die Politik.

Mobilitätsminister Georges Gilkinet (Ecolo) wird den Wunsch Tommeleins aber auch nicht erfüllen. Er sagte, dass die Menschen frei sind, in ihrem eigenen Land zu reisen. Es gibt im Moment kein Verbot dafür. Für das seelische und körperliche Wohlbefinden sei es sogar wichtig, dass die Menschen eine Verschnaufpause einlegen können. Das sei auch eine Lehre aus dem ersten Lockdown gewesen.

Der Minister nimmt auch die Eisenbahn in Schutz. Sie habe zusammen mit der Polizei vor und während des Wochenendes alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die Situation gut zu kontrollieren und einen reibungslosen Ablauf in den Zügen, auf den Bahnsteigen und in den Bahnhofshallen zu gewährleisten.

standaard/mz

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Ein Kommentar
  1. Yves Tychon

    Da zeigt die « Vlaamse kust » ihr wahres Gesicht. In einer gastfreundlichen Gegend hätte man ein paar Dutzend Dixi-Klos angemietet, um der Not(durft) Herr zu werden. In Ostende zieht man es vor, dass die Habenichtse, die für lau mit dem Zug anreisen wollen, gleich zu Hause bleiben.

    Merke: Man ist dort willkommen, aber erst, wenn man in der einen oder anderen Form löhnt.

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