Konzertierungsausschuss: Strengere Regeln für Telearbeit und Reisen

Der Konzertierungsausschuss hat über die Corona-Lage im Land beraten und wie erwartet beschlossen, dass die Maßnahmen nicht gelockert werden. Es soll verstärkt kontrolliert werden, dass die Menschen von zuhause aus arbeiten, immer wenn das möglich ist. Von Reisen wird dringend abgeraten. Die Kontrollen der Reise-Regeln werden ebenfalls verschärft.

Gesundheitsminister Vandenbroucke bei der Pressekonferenz nach dem Konzertierungsausschuss (Bild: Benoît Doppagne/Belga)

Pressekonferenz nach dem letzten Konzertierungsausschuss (Bild: Benoît Doppagne/Belga)

Telearbeit soll strenger kontrolliert werden. Wer von zuhause aus arbeiten kann, muss das tun. Es soll strengere Kontrollen geben – Unternehmen, die sich nicht daran halten, sollen Geldstrafen bezahlen. Es müsse dringend vermieden werden, dass Menschen das Virus von der Arbeit in die Familie tragen, erklärte Premierminister Alexander De Croo bei der Pressekonferenz im Anschluss an den Konzertierungsausschuss.

Von Reisen wird dringend abgeraten. In vielen anderen Ländern, auch in den meisten Nachbarländern, sei die Situation schlimmer als in Belgien, sagte De Croo. Wer länger als 48 Stunden im Ausland war – in einer roten Zone, muss sieben Tage in Quarantäne. Wenn das Risiko aber als gering eingestuft wird, kann die Quarantäne gestrichen werden. „Aber nur, wenn derjenige beweisen kann, dass er sehr vorsichtig war“, unterstrich Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke. Entscheidend ist dabei das Reiserückkehrformular.

Wer nicht in Belgien wohnt und einreist, muss ab dem 25. Dezember einen negativen Corona-Test vorweisen können, wie das bereits in anderen Ländern der Fall ist. Der Test darf nicht älter als 48 Stunden sein. Das soll an den Grenzen und Flughäfen kontrolliert werden. Es soll auch überprüft werden, ob das Reiserückkehrformular ausgefüllt worden ist.

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„Vor uns liegen entscheidende Tage. Alle haben sich auf die Weihnachtsfeiertage gefreut, aber auch in Sachen Epidemie sind die kommenden Tage sehr wichtig“, eröffnete Premier De Croo die Pressekonferenz. Dass es deutliche Regeln gebe, habe dazu geführt, dass die Anzahl Neuinfektionen gesunken seien. Sie liege aber immer noch hoch und es sehe derzeit sogar danach aus, dass sich die Tendenz wieder umkehre.

Alle gemeinsam könnten nun dafür sorgen, dass es keine dritte Welle gebe. „Wir haben es in der Hand. Gemeinsam können wir die dritte Welle vermeiden, wenn wir uns an die Regeln halten und unsere Kontakte soweit wie möglich beschränken.“ Das habe eine breite Mehrheit auch verstanden. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die daran mitarbeiten, die Verbreitung des Virus einzudämmen.“

Licht am Ende des Tunnels

De Croo erinnerte nochmal an die Regeln: Es ist nur ein enger Kontakt pro Familie erlaubt. Auch zu Weihnachten dürfen Familien nur eine weitere Person einladen (Alleinstehende dürfen ihren engen Kontakt und eine weitere Person einladen). Draußen dürfen sich vier Personen treffen, wenn sie Abstand halten.

„Ich weiß, dass es schwierig ist und dass es vielen zu viel wird. Aber es ist Licht am Ende des Tunnels.“ Denn die Impfungen könnten möglicherweise direkt nach Weihnachten starten, bestätigte der Premier.

Für das Pflegepersonal sei die Zeit zum Jahresende immer schwierig, weil viele weiter arbeiten müssen – im Gegensatz zu anderen Sektoren. Dieses Jahr sei es noch schwieriger. „Wir sind euch allen sehr dankbar für das, was ihr für die Gesellschaft tut“, unterstrich De Croo. Auch dem Horeca-Sektor und den Kontaktberufen, die es derzeit schwer haben, sicherte De Croo nochmals Unterstützung zu.

km

5 Kommentare
  1. Andreas Conraedt

    Werden jetzt doch wieder an allen Straßen Grenzkontrollen eingeführt oder wie muss man das verstehen?

  2. Lutz-René Jusczyk

    @Andreas Conraedt: Diese Frage wurde in ähnlicher Form von einem Journalisten gegen Ende der Pressekonferenz gestellt.
    De Croo antwortete darauf, dass die meisten Menschen mit dem Flugzeug nach Belgien einreisen und genau dort gibt es eine hundertprozentige Kontrolle.
    An einigen Hauptrouten wird es sicher ebenfalls Kontrollen geben; ich rechne jedoch nicht mit einer massiven Einschränkung des grenzüberschreitenden Verkehrs wie im Frühjahr.

    Wir sollten uns vor Augen führen, worum es im Kern geht, nämlich darum, Urlaubsreisen mit einem hohen Infektionsrisiko in der jetzigen Lage zu unterbinden. Selbst dort sind Differenzierungen möglich: Wer bspw. auf einer einsamen Berghütte seinen Urlaub verbringt, für den ist das Risiko einer Infektion tendenziell geringer als bei einem Urlaub auf den Kanaren. Um nicht in Quarantäne zu müssen, kommt es drauf an, dies glaubhaft darzulegen, daher der Selbsteinschätzungsbogen.

    Nicht wenige in der DG scheinen noch immer von den Grenzschließungen im Frühjahr traumatisiert zu sein.

  3. Peter Mertens

    So wie ich gelesen habe haben sich die Abgeordneten des Europaparlaments gegen Grenzschließungen innerhalb der Europäischen Union während der Corona-Pandemie ausgesprochen.

  4. Alexandra Bey

    Weiß jemand, wie es sich mit Reisen innerhalb des Landes steht? Darf man in ein Ferienhaus an die Küste fahren?

  5. Lutz-René Jusczyk

    @Peter Mertens: Die europäischen Binnengrenzen sind ja auch nach wie vor offen, wenn man Großbritannien ausnimmt.
    So wie es Matt Hancock kommuniziert hat, war es absehbar, dass alle zusammenzucken würden.
    Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich die eilig getroffene Entscheidung, den kompletten Verkehr nach UK kurzfristig auszusetzen, nicht nachvollziehen kann: Nach all dem Leid und den Entbehrungen des vergangenen Jahres ist eine weitaus ansteckendere Virus-Variante das Allerletzte, was wir jetzt brauchen können.
    Auf der anderen Seite kann ich mir kaum vorstellen, dass diese spezielle Mutation nicht schon längst in Belgien und anderswo kursiert, wenn sie in London bei 70% aller Corona-Fälle nachgewiesen wird.
    Ich hoffe zutiefst, dass dadurch die neuen Impfstoffe nicht unwirksam werden; das wäre der Super-GAU.

    @Alexandra Bey: Meines Wissens gibt es (noch) keine Einschränkungen der inländischen Bewegungsfreiheit.