Belgische Krankenhäuser fordern Lockdown

Vor dem Hintergrund der eskalierenden Corona-Zahlen fordern alle Krankenhäuser des Landes einen zweiten Lockdown in Belgien. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, das sei die einzige Möglichkeit, den kompletten Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu vermeiden.

Citadelle-Krankenhaus in Lüttich (Bild: Benoit Doppagne/Belga)

Im Citadelle-Krankenhaus in Lüttich (Bild: Benoit Doppagne/Belga)

Die Vertreter der Krankenhäuser erklärten, sie seien sich bewusst, dass ein weiterer Lockdown ernste Folgen für die Wirtschaft habe. Aber wenn die Corona-Zahlen weiter im derzeitigen Tempo steigen, dann würden alle 2.000 Intensivbetten, die für Corona-Patienten vorgesehen sind, in sieben bis zehn Tagen besetzt sein. Zurzeit sind schon fast 1.000 Betten belegt.

Die Krankenhäuser müssten dann entscheiden, wen sie auf der Intensivstation aufnehmen und wen nicht. Das würde für schwer erkrankte Patienten eine Entscheidung über Leben und Tod bedeuten.

Zuvor hatte bereits Margot Cloet, die Vorsitzende des flämischen Pflegedachverbandes Zorgnet-Icuro, in der VRT gesagt, ein Lockdown wie im März sei dringend nötig. Also: die Schulen schließen, nicht essentielle Geschäfte schließen und nicht dringend wichtige Reisen verbieten. Ansonsten drohe das Gesundheitssystem zusammenzubrechen.

Auch der Virologe Marc Van Ranst sagte in der VRT, die bisher beschlossenen Kontaktbeschränkungen würden noch nicht greifen. Mit den derzeitigen Corona-Zahlen und der Richtung, in die sie gingen, müsse man die Notbremse ziehen, und das sei eine Lockdown-Periode. Viele hätten vor einer solchen Situation gewarnt. Niemand in der Regierung würde so eine Entscheidung gerne treffen.

Die Föderalregierung ist am Donnerstagvormittag mit Vertretern der Krankenhäuser zusammengekommen. Sie haben gemeinsam an einem Plan gearbeitet, um die Intensivstationen zu entlasten. Angedacht ist, Patienten so rasch wie möglich von der Intensiv- wieder auf eine Normalstation zu verlegen.

Für Corona-Patienten, die zwar zusätzliche Behandlungen brauchen, aber nicht lebensbedrohlich erkrankt sind, soll eine Art Zwischenstation zwischen Intensiv- und Normalstation eingerichtet werden. Dazu sollen mehrere hundert Extra-Betten auf den normalen Stationen bereitgestellt werden. Aber auch da sind Grenzen gesetzt, denn es muss auch genügend qualifiziertes Personal verfügbar sein.

vrt/belga/sh/est

17 Kommentare
  1. Gerd Havenith

    In Belgien war die gestrige Statistik erneut erschreckend: 13.571 Infektionen sowie 139 Tote. Deshalb: Bleibt daheim. Ersetzt nicht unbedingt notwendige Besuche und Kontakte durch E-Mais, SMS, Telefonate usw. Und haltet strengsten die ADHAL-Regeln (Abstand, Desinfektion, Hygiene, Atemschutzmaske und Lüften) ein. Nur so können wir die Corona-Krise überleben/ überstehen. Und in der Hoffnung auf einen guten, seriösen Impfstoff im Frühjahr 2021.

  2. Christian Vandenbulcke

    Wenn Lockdown, dann einen extrem strengen und keine laschen. Für einen Monat das Ganze Land platt legen, dann sollte alles runter gehen. Dazu zähle ich auch Betriebe still legen, die nicht wichtig sind. Am Besten auch alle Grenzen schließen und rausgehen nur zum Einkaufen ansonsten zu Hause bleiben. Wenn spazieren max 30 min und nur max 1km von zu Hause, dazu einen Passierschein downlaoden 1x pro Tag möglich

  3. Andreas Conraedt

    Wenn sowieso alles geschlossen wird, dann braucht man die Grenzen nicht zu schließen. In Deutschland ist ja ab kommenden Montag auch fast alles zu, da fährt dann keiner einfach nur zum Spaß rüber oder kommt zu uns.

    Und die Leute in der Wohnung einzusperren und noch nichtmal lange Spaziergänge zu erlauben macht auch keinen Sinn, dabei steckt sich niemand an.

    Ich verstehe aber auch nicht, was hier los ist und warum sich immer mehr Menschen anstecken, obwohl die Massnahmen schon streng sind. Halten sich die Leute einfach nicht an die Regeln oder was ist da los?

  4. Lutz-René Jusczyk

    Alle Länder, in denen es im Frühjahr einen besonders harten Lockdown gegeben hat, haben derzeit ebenfalls mit besonders hohen Infektionszahlen zu kämpfen.
    Ein harter Lockdown würde auch deshalb nicht viel bringen, weil der Winter noch lang ist. Niemandem ist damit geholfen, wenn über Weihnachten die Infektionszahlen in die Höhe schnellen.
    Die jetzt getroffenen Regelungen sollten erst mal eine Wirkung zeitigen; das geht tatsächlich nicht innerhalb weniger Tage.
    Panik angesichts der derzeitigen Lage wäre m.E. der falsche Weg, sondern worauf es m.E. kurzfristig ankommt, wäre ein rascher Ausbau der Krankenhauskapazitäten, damit es nicht in einer bis zwei Wochen zum Kollaps kommt, sowie mehr Schnelltests.
    Es müssten sich nur alle Leute an die bestehenden AHAL-Regeln halten, dann ließen sich dadurch die Infektionszahlen senken.
    Alle Bürger einen Monat lang faktisch unter Hausarrest zu stellen, in der Hoffnung, dass das Virus verschwindet, kann nicht der richtige Weg sein, denn es ist dann immer noch da, ebenso der Winter.

  5. Torsten Hopp

    Das Problem ist aber auch, das nicht jeder sich so dran hält wie man sollte.

    Dann kann ich auch nicht verstehen das mir einer Sagt, er hätte einen Kontakt gehabt mit einer Positiv getesteten Person, aber die Ärztin meint nur, keine Symptone, dann keine Quarantäne.

    Das sind so sachen die auch die Ausbreitung steigen lassen genauso wie Demos und Partys, wo auf nichts geachtet wird.
    Nein, kein verbot dafür, aber die Leute dabei können gewisse Regeln zur Sicherheit beachten.
    Es ist für jeden einen Sch.. Zeit, aber irgendwie muss man schauen die Gesundheitssystem-Kapazität nicht zu Überlasten und das geht nur, wenn alle sich was am Riemen reissen, wenn man da einen Lockdown macht, das Bringt nicht unbedingt den erfolg, da jeder was machen muss und nicht nur die, die dann vom Lockdown betroffen sind.

  6. Anja Wotschke

    @LUTZ-RENÉ JUSCZYK, Sie schreiben mir aus der Seele, ebenso wie Ihr Vorschreiben meinte Grenzen erneut schließen, als ob das Virus sich daran halten täte übrigens theoretisch auch bei den Ausgangssperren – alle Viren und aktuell auch das Coronavirus kennt keine Grenzen und auch keine Uhrzeiten und zu CHRISTIAN VANDENBULCKE, wer kommt im Fall von komplettschliessungen aller Betriebe für die Schäden, finanzielle Verluste und Bankrotts auf und den Verlust von vielen Arbeitsplätzen? Daran schon mal gedacht?

  7. Christian Voigt

    Frau Wotschke, da haben Sie recht.
    Tote sind günstiger als komplettschliessungen aller Betriebe. Daran schonmal gedacht?
    Traurig solch eine Einstellung.

  8. Dieter Leonard

    @ LR Jusczyk

    Wenn sie glauben, dass in einer Erhöhung der Krankenhauskapazitäten die Lösung zur Bewältigung der Pandemie liegt, erklären sie uns und vor allem den Verantwortlichen doch einmal, wo sie das Personal zur Betreuung zusätzlicher Betten herholen sollen, wenn auch alle privaten und öffentliche Pflegedienste bereits jetzt über akuten Personalmangel klagen.

    Deutschland hat im Verhältnis mehr als doppelt so viele Intensivbetten, wie Belgien. Und auch dort gibt es es einen besorgniserregenden Mangel an Personal.

    Es geht nicht darum Menschen unter Hausarrest zu stellen, sondern sicherzustellen, dass die katastrophalen Zahlen sinken. (Heute sage und schreibe 21.048 Neuinfektionen!)
    Wie wollen sie das erreichen, wenn ein immer noch zu großer Teil der Bevölkerung nicht gegen das Virus sondern für seine „unbeschränkte, ihnen zustehende individuelle Freiheit“ kämpft?

    Ein Lockdown ist die schlechteste aller Maßnahmen.
    In der jetzigen Situation und bei noch zu vielen uneinsichtigen Menschen gibt es leider keine bessere.

  9. Lutz-René Jusczyk

    @Dieter Leonard: Der Personalmangel in den Kliniken scheint tatsächlich ein riesiges Problem darzustellen; eines, das sich auch nicht auf die Schnelle lösen lässt, so dass wohl nur eine besonders effiziente Ressourcenverteilung in den Kliniken hilft.
    Was sicher nicht nur ich nicht verstehe: Warum stecken sich bei uns so irrsinnig viele Menschen an?
    Übertragen auch Deutschland liegt der jetzige Wert bei 150.000 Neuinfektionen pro Tag (aktuell sind es dort knapp unter 17.000).
    Kein Gesundheitssystem der Welt hält so etwas lange aus.
    Zum jetzigen Zeitpunkt müsste doch wirklich selbst der Allerletzte den Ernst der Lage erkannt haben.
    Mich macht das ganze wütend, weil unter einem erneuten vollständigen Lockdown, mit dem ich offengestanden inzwischen rechne, vor allem diejenigen leiden werden, die sich an alle Regeln halten und überhaupt nichts für die derzeitige Situation können.

  10. Anja Wotschke

    @CHRISTIAN VOIGT, hab ich mit irgend einem Wort was von verstorbenen und Toten erwähnt ? Wenn Sie so viel Kleingeld dann übrig haben um alle Betriebe welche durch die Schließung in schieflage geraten , evtl für immer schliessen müssen und alle die ihre Arbeitsstelle verloren haben, ihnen finanziell zu unterstützen dann machen Sie es, denn auch Betriebsschliessungen bedeuten Tod nämlich den finanziellen Tod einschl dem Verlust für den Staat an Steuereinnahmen. ABER stimmt ja, dafür müssen andre mit Zahlungen von Protokolle her halten von 250 € an aufwärts und ua, jede Medaille und Münze hat zwei Seiten.

  11. Elmar Scheurer

    CHRISTIAN VANDENBULCKE 29. OKTOBER 2020 – 14:47
    Wenn Lockdown, dann einen extrem strengen und keine laschen. Für einen Monat das Ganze Land platt legen, dann sollte alles runter gehen. Dazu zähle ich auch Betriebe still legen, die nicht wichtig sind. Am Besten auch alle Grenzen schließen und rausgehen nur zum Einkaufen ansonsten zu Hause bleiben. Wenn spazieren max 30 min und nur max 1km von zu Hause, dazu einen Passierschein downlaoden 1x pro Tag möglich

    Sie scheinen es sich ja leisten zu können, einen Monat oder länger nicht arbeiten zu gehen und dann natürlich auch keinen Lohn zu beziehen.
    Also ich kann das nicht.

  12. Damien Leusch

    Ich sehe es mittlerweile so: wir drehen uns im Kreis! Jetzt gehen dann die Zahlen halt wieder runter, und dann? Im Frühjahr steigen sie wieder exponentiell an – dann erneut Lockdown?

    Den meisten Menschen stört es mittlerweile, dass es keine Exit-Strategie aus dieser Krise gibt. Alles was passiert ist eine Reaktion, keine Prävention! Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben, und das geht nur auf eine Art und Weise: Risikogruppen besonders schützen und den Virus durch den Rest der Bevölkerung zirkulieren lassen! Langfristig ist dieser Weg der Einzige, der es uns erlaubt, unser altes Leben wieder zurück zu erlangen.

    Wer soll nämlich diese teilweise exorbitanten Hilfspakete am Ende alle bezahlen? Wächst Geld etwa an den Bäumen? NEIN! Wir alle haben am Ende die Suppe auszulöffeln, wenn wieder drastische Sparmaßnahmen beschlossen werden. Wir müssen JETZT umdenken, bevor es zu spät dazu ist.

  13. Christian Voigt

    Nein FRAU WOTSCHKE, haben Sie nicht, aber Ihr Kommentar zeigt mir dass Sie sich mehr Sorgen um die Gesundheit der Betriebe machen als um die Gesundheit der Menschen.

  14. Lutz-René Jusczyk

    @Damien Leusch: Was bedeutet „Risikogruppen besonders schützen“?
    Heißt das, um es überspitzt zu formulieren, die Angehörigen jener Gruppen sollen sich zu Hause einschließen und dort an Vereinsamung sterben?
    Hat nicht jeder Mensch das Recht auf eine gewisse gesellschaftliche Teilhabe, auch wenn er einer Risikogruppe angehört?
    Warum ist es offenbar so unendlich schwer, die AHAL-Regeln einzuhalten?
    Wenn die Menschen erkennen würden, dass diese Regeln einen Sinn haben, nämlich jenen, uns alle zu schützen, dann wäre doch schon unendlich viel damit gewonnen!
    Es gab bis in die jüngste Vergangenheit noch immer viel zu viele, die meinten, Covid-19 sei nichts anderes als eine schwere Grippe und Masken würden nicht wirklich vor einer Infektion schützen.
    In der völligen Verharmlosung des Virus, insbesondere in den sozialen Medien, liegt m.E. eine der Hauptursachen dafür, dass wir in so eine katastrophale Lage geraten sind.

  15. Anja Wotschke

    @CHRISTIAN VOIGT, ich mache mir Sorgen um beides, denn in beidem arbeiten m. E. nach noch überwiegend Menschen und nicht nur Roboter und Maschinen oder würden Betriebe und Unternehmen von Robotern und Maschinen aufgebaut über Jahre hinweg ? Und wenn beides nicht mehr funktioniert, warum auch immer, da hat auch der Staat massive Verluste, zum einem von den nicht mehr vorhandenen Unternehmenssteuern und zum andren fehlen die einnahmen von den Lohnsteuer oder?

  16. Peter Mertens

    @ VANDENBULCKE
    Sie sind wohl Beamter und bekommen egal ob sie arbeiten oder nicht jeden Monat pünktlich ihr Geld.
    Wollen sie DDR 2.0 aufbauen, da gab es auch Passagierscheine

  17. Dieter Leonard

    @Damien Leusch

    Sie sollten sich besser informieren, Herr Leusch.

    Die Risikogruppe umfasst rund 30% Prozent der Bevölkerung. Darunter auch berufstätige junge Menschen mit Risiko-Vorerkrankungen.
    Wie wollen Sie die im Berufsleben, im familiären Umfeld, … schützen, wenn das Virus frei durch den Rest der Bevölkerung zirkulieren soll?
    Reines Wunschdenken!
    Im Unterschied zur 1. Welle liegen z.Z. vermehrt jüngere Menschen auch auf den Intensivstationen.

    Wie wäre es mit Solidarität (der Begriff sagt Ihnen sicher etwas) statt immer nur auf seine Situation zu schauen?
    Der Egoismus ist ein Verbündeter des Virus, hat kürzlich ein Virologe erklärt. Recht hat er.

    So so sehr ich es uns wünsche, unser „altes Leben“ werden wir solange nicht zurück bekommen, solange das Virus die Gesundheitssysteme zu überlasten droht.
    Wenn wir es als Gesellschaft nicht schaffen, einen gemeinsamen Weg in und aus der Krise zu finden, droht uns mit der sanitären Katastrophe eine abgrundtiefe gesellschaftliche Krise.