Wegen Corona: Flucht aus Belgien

Belgien ist in den Corona-Statistiken tiefrote Zone. Kein Land in Europa verzeichnet derzeit so hohe Ansteckungsraten wie die Wallonie. Und in Flandern sieht es nicht viel besser aus. Ob Erasmus-Studenten, Zuwanderer oder Belgier mit Zweitwohnsitz im Ausland - manch einer will oder hat das Land deshalb bereits verlassen.

Corona-Test im Covid-19-Testzentrum am Brussels Airport (Bild: Thierry Roge/Belga)

Bild: Thierry Roge/Belga

Rachel hat Panik bekommen – und sich noch für diese Woche einen Flug in die Heimat gebucht. Die junge Frau aus Italien macht gerade ein Erasmus-Jahr an der Universität Mons. Jetzt kam die Mail, dass ab sofort alle Uni-Kurse nur noch online stattfinden. Bei Rachel hat das böse Erinnerungen geweckt: „Das hat mich sofort an die Situation im März erinnert. Damals wusste ich nicht, wie ich reagieren sollte, und am Ende habe ich Monate lang hier festgesteckt.“

Im März, während der ersten Corona-Welle, waren innerhalb weniger Tage die Grenzen dicht. Reisen war kaum noch möglich. In Belgien galt außerdem Lockdown. Besonders für viele ausländische Studierende ohne Familie in Belgien hieß das: festsitzen im Wohnheims- oder WG-Zimmer.

Einen ähnlichen Reflex wie Rachel hatte auch Justus: Der junge Deutsche arbeitet seit drei Jahren für ein internationales Unternehmen in Brüssel. Anfang Oktober nahm er sich ein paar Tage frei, um die Familie in Deutschland zu besuchen. Mittlerweile hat seine Firma wieder wie im Frühjahr komplett auf Homeoffice umgestellt: „Die Lage in Belgien und besonders in Brüssel hat sich dann so schnell verschlechtert. Also bin ich halt bei meinen Eltern in Deutschland geblieben und arbeite jetzt von hier. Wer weiß, wann ich wieder nach Brüssel komme“ erzählt er.

Auch Belgier treibt es wegen der Ansteckungszahlen ins Ausland. Eine Reisende, interviewt von der RTBF am Flughafen von Charleroi, hat ein Häuschen auf Teneriffa: „Ich würde nicht sagen, dass ich fliehe, aber es ist schon so, dass ich wegen dieser Situation den Winter lieber auf Teneriffa verbringe, als hier.“

Steigende Buchungen – Probleme beim Corona-Testzentrum

Der Reiseveranstalter Tui berichtet sogar von steigenden Buchungen. Um rund 70 Prozent hätten die Reservierungen zuletzt zugelegt. Ein Sprecher vom Flughafen Charleroi kann dies zwar zunächst nicht bestätigen: Das Passagieraufkommen sei in den vergangenen Wochen in etwa gleich geblieben. Die vermehrten Buchungen seit der Verschärfung der Corona-Regeln in vielen Teilen Belgiens könnten sich aber auch erst in ein paar Tagen in den Statistiken des Flughafens bemerkbar machen.

Für einige Reisende wurde die Flucht aus Belgien allerdings zum Alptraum. Hintergrund sind Probleme beim Corona-Testzentrum am Brüsseler Flughafen Zaventem. Viele Länder verlangen dieser Tage für die Einreise ein negatives Testergebnis. Das Testzentrum in Zaventem bietet dafür Schnelltests an. Weil die Firma, die für das Zentrum die Laboranalysen durchführt, derzeit aber zu viel zu tun hat, kam es zuletzt zu langen Verzögerungen.

„Ich bin Donnerstag um 22 Uhr mit meiner ganzen Familie gekommen für den Test. Aber weil das Resultat nicht rechtzeitig da war, haben wir den Flug verpasst“, berichtet ein Mann aus Pakistan. 135 Euro pro Person habe das gekostet.  Am Sonntag habe er sich erneut testen lassen und wieder das gleiche Spiel. Zwei verpasste Flüge und nutzlose Tests für die ganze Familie – der finanzielle Schaden für ihn ist enorm.

Einer Sprecherin des Flughafens ist das Problem bekannt. Ihren Angaben nach können Betroffene unter Umständen auf Entschädigung oder zumindest Erstattung hoffen. Sicher ist das aber nicht.

Peter Esser

6 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Am sichersten ist man in Afrika. Da ist die Coronakrise weniger schlimm wie ursprünglich gedacht.

  2. Bruno Maier

    Oder USA … da sind die Zahlen auch gut. Donald behauptet es wohl immer … Spaß zur Seite … die Regeln sind einzuhalten, egal wo

  3. Könen Katharina

    Ich weiss auch nicht was ich machen soll würde gern meine Familie in Deutschland besuchen für einige Tage es sind nur 107 km wie sieht es aus darf man und wen ja wie lange. Ich nehme meine Meldepflicht und alles andere sehr ernst aber wer kann mir meine Frage beantworten

  4. Benny Appelt

    @ Frau Könen

    1. Sie können aus Belgien ausreißen.
    2. Die Einreise bzw. die Quarantäneauflagen in Deutschland, regeln die jeweiligen Verordnungen der Bundesländer. Ergo abhängig vom Bundesland in das sie sich begeben.

    Allgemein werden sie wohl um Quarantäne (da Belgien Risikogebiet ist), Meldung beim örtlich-zuständigen Gesundheitsamt, sowie einem PCR Test nach 5 Tagen nicht drum rum kommen.

  5. Katrin Frank

    @Frau Könen:
    Je nachdem in welches Bundesland Sie möchten gibt es verschiedene Regelungen.
    Nach NRW dürfen Sie ohne Test und Quarantäne einreisen wenn Sie Verwandte 1. oder 2. Grades für max 72h besuchen.
    Bei andern Bundesländern sieht es ähnlich aus, müssten Sie aber nochmal nachschauen.

  6. Bruno Maier

    Ich würde machen wie Bauer Nolte,
    der machte es wie er wollte!
    Wo kein Kläger da kein Richter