Konzertierungsausschuss: Kein Lockdown – Schulen und Betriebe bleiben offen

Der Konzertierungsausschuss hat über seine jüngsten Beschlüsse informiert. Einen Lockdown wird es nicht geben, allerdings müssen Unterrichtswesen, Sport- und Kulturveranstaltungen strengere Regeln umsetzen. Die Beschlüsse treten schon Freitag in Kraft und gelten bis zum 19. November.

Das Stadium von Sporting Charleroi

Leere Tribünen: Wegen Corona sind vorerst keine Zuschauer bei Profi-Sportveranstaltungen erlaubt (Foto: Hatim Kaghat, Belga)

Premierminister Alexander De Croo nannte die steigenden Corona-Zahlen sehr beunruhigend. Die zuletzt beschlossenen Maßnahmen, das heißt die Schließung von Restaurants und Cafés, hätten noch nicht gegriffen. Deshalb seien weitere Eingriffe notwendig.

Neun der zehn Provinzen sind mittlerweile Rot, erklärte de Croo. Nur Limburg sei noch darunter, werde aber voraussichtlich auch bald Rot reichen.

Es gebe vier Bereiche, die besonders geschützt werden müssten: Der Gesundheitssektor, die Schulen, die Betriebe und das Wohlergehen der Bevölkerung. Das Hauptziel müsse sein, so wenig Kontakte wie möglich zu haben. Er sei sich bewusst, dass es drastische Maßnahmen seien, die Freiheiten einschränken, so De Croo.

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Ab sofort ist bei Sportveranstaltungen im Profisport kein Publikum mehr erlaubt, das gilt sowohl drinnen als auch draußen. Im Amateursport sind alle Wettkämpfe untersagt ab dem Alter 18. Trainingseinheiten sind aber weiterhin möglich. Wettkämpfe für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre sind weiterhin möglich, allerdings sind als Zuschauer nur Familienangehörige zugelassen. Speisen und Getränke sind nicht erlaubt. Schwimmbäder bleiben geöffnet.

In der Kulturwelt soll eine Obergrenze von 200 Zuschauern gelten, ungeachtet der Größe des Veranstaltungssaales. Es soll auch keine Ausnahmen mehr für sehr große Säle geben. Abstandsregeln müssen respektiert werden und in den Sälen gilt Maskenpflicht.

Hochschulen und Universitäten dürfen ihre Säle nur zu 20 Prozent besetzen, um genügend Abstand zu gewährleisten. Außerdem gilt Mundschutzpflicht. Eine Ausnahme gibt es für das erste Studienjahr mit 50 Prozent Anwesenheit.

In den Herbstferien sollen Jugendlager mit Übernachtungen für Kinder unter zwölf Jahren stattfinden, bei den 12- bis 14-Jährigen sind min. vier Übernachtungen erlaubt. Bei Jugendgruppen werden Innenaktivitäten von höheren Altersklassen ab zwölf Jahren nicht mehr erlaubt sein.

Freizeitparks müssen schließen. Zoos und Tierparks bleiben geöffnet.

Im den öffentlichen Verkehrsmitteln sollen in den Spitzenzeiten die Kapazitäten erhöht werden.

Corona-Barometer

Angesprochen auf das erwartete Corona-Barometer antwortete Gesundheitsminister Vandenbroucke, man käme zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurück, dazu habe die Zeit nicht mehr gereicht.

Und er fügte hinzu, wenn man sich im Sturm befinde, helfe ein Barometer auch nicht mehr – dann gelte es, alles zu sichern und den Sturm zu überstehen.

Lage in Ostbelgien

Ministerpräsident Oliver Paasch berichtete, die Lage in Ostbelgien, besonders in den Krankenhäusern sei alarmierend. Innerhalb weniger Wochen sei das Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft zur Roten Zone geworden. Paasch hatte bereits am Donnerstag mitgeteilt, dass die DG die Corona-Ampel in verschiedenen Bereichen ihrer Zuständigkeit auf „Rot“ schalte. Das gilt etwa für die Kultur, den Sport, das Unterrichtswesen und die Jugendpolitik.

Für das Unterrichtswesen bedeutet das, dass zwar Präsenzunterricht weiter möglich ist, dass aber die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verschärft werden und auch ein Fernunterricht möglich wird. Einschränkungen wird es für das Hochschulwesen geben, max. 10 Prozent des Unterrichts darf noch in Präsenzform angeboten werden.

Das Thema Unterrichtswesen schließe auch den Schülertransport mit ein, so Paasch. Er appellierte an alle Verantwortlichen, alles zu tun, um überfüllte Busse zu vermeiden.

Es gibt auch Einschränkungen für die Erwachsenenbildung und die Musikakademien. Die jeweiligen Protokolle für die unterschiedlichen Bereiche werden auf ostbelgienlive.be veröffentlicht werden.

Wallonie: Treffen mit Provinzgouverneuren

In der Wallonie findet am Freitagabend noch ein Treffen der Regionalregierung mit den Provinzgouverneuren statt. Dabei soll geprüft werden, ob in einigen Provinzen weitere Maßnahmen getroffen werden müssen. Das hat der wallonische Ministerpräsident Elio Di Rupo bei der Pressekonferenz angekündigt.

Die Wallonie und Brüssel sind die am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Regionen in Europa. Die Sprecher des Föderalen Krisenzentrums, Yves Van Laethem und Steven Van Gucht, erklärten auf einer Pressekonferenz, dass es zurzeit nirgends mehr Infizierte pro Einwohner gebe. Am kritischsten sei die Situation in der Provinz Lüttich.

Emmanuel André warnt

Nach Ansicht des Mediziners und Mikrobiologen Emmanuel André reichen die bisher getroffenen Maßnahmen nicht aus, um rechtzeitig eine Entspannung bewirken zu können. Das sagte André am Freitagmittag im RTBF-Fernsehen.

Er gehe davon aus, dass schon in wenigen Tagen weitere Anpassungen durch die Regierung nötig seien, damit die Situation in den Krankenhäusern nicht völlig aus dem Ruder laufe.

Ministerpräsident Oliver Paasch über die Beschlüsse des Konzertierungsausschusses

belga/vrt/rtbf/sh/rop/mh

7 Kommentare
  1. Horst Brunn

    Coronaalamismus! Hysterie bringt uns nicht weiter. Erst darf ich nicht mehr in die Kneipe und jetzt auch kein Sport mehr. Ich verstehe es nicht. AHA Regeln reichen

  2. Elje rotten

    Was wollen die Dame und Herr denn im Sektor Kultur noch strenger machen? In diesem Sektor genau wie im Veranstaltungssektor ist doch eh schon alles hinüber zu spät und tot

  3. Franz Miller

    Wann machen die Restaurant wieder auf?

  4. Elje rotten

    Mal wieder solche Witzbestimmungen! Bin gespannt was heute noch so bei der Witzrunde raus kommt! Und kommende Woche treffen sie sich wieder und fangen von vorne an! Im märz zu spät dran jetzt mit allem zu spät soviel dazu wir haben aus unsere Fehlern gelernt dann aber alles auf die Bevölkerung schieben!

  5. Dieter Schmitz

    Es reicht, ich kann es nicht mehr hören. Herr Brunn hat recht. Ich würde gerne mit Herrn Miller ins Restaurant oder in die Kneipe ein oder zwei Jupiler trinken. Wann hat der Wahnsinn ein Ende

  6. Mario Mausen

    Es gibt ja auch nichts wichtigeres als Bier trinken…

  7. Auer Michael Thomas

    Wenn man die Kommentare zu den Maßnahmen liest, dann hat man den Eindruck, dass es noch viele Leute gibt, die nicht kapiert haben, dass Corona für das Alter von 40 bis über 80 lebensbedrohend sein kann. Und das Problem ist, dass die Fachleute noch nicht wissen, wen Corona zum Sterben verurteilt oder auch nur zu einer lebenslangen Organeinschränkung. Ob diese „weniger Nachdenkenden“ auch so reagieren würden, wenn Menschen mit Waffen sich ungezwungen überall bewegen dürften, weil sie die ja nur zur Sicherheit trügen… (…und da würde man ja sehen, wovor man sich schützen könnte und könnte selbst entscheiden, ob man sich schützen will)