Belgien verschmäht den Smart

Die Automarke Smart müsste eigentlich alles für die urbane Mobilität der Zukunft haben. Aber wie sich jetzt herausgestellt hat, liegt der kleine Bruder von Mercedes im Sterben. In Europa entwickelt sich der Mini-PKW zum Ladenhüter, in Belgien ist der Verkauf des Smart fast völlig eingebrochen.

Der Smart war nie ein Verkaufsschlager (Bild: Dirk Waem/Belga)

Der Smart war nie ein Verkaufsschlager (Bild: Dirk Waem/Belga)

Wie konnte es soweit kommen? Die Probleme der Marke Smart sind das Ergebnis einer strategischen Entscheidung bei Daimler. Der deutsche Mutterkonzern hat kürzlich den Smart mit dem klassischen Verbrennungsmotor gestrichen und verkauft seit dem letztem Jahr nur noch rein elektrische Modelle.

Während in den letzten Jahren jedes Jahr um die 1.500 Smart-Fahrzeuge verkauft worden sind, ist der Verkauf in Belgien in diesem Jahr völlig eingebrochen.

„Wir haben in der Tat bereits bessere Verkaufszahlen für den Smart gehabt“
Bastien Van den Moortel, Sprecher von Mercedes-Benz Belgien in ‚De Tijd‘

In den ersten acht Monaten von 2020 wurden nach Angaben des Automobilverbandes Febiac kaum 70 Smarts registriert. Dafür gibt es zwei wichtige Gründe:

Der Wagen ist heute ein altes Modell mit einer sehr begrenzten Reichweite. Theoretisch hat ein Smart mit einer vollen Batterie eine Reichweite von 150 Kilometern, aber in der Praxis ist das viel weniger. Andere elektrische Kleinwagen haben da einfach mehr Reichweite drauf.

Und dann ist da auch noch der Preis. Der Smart ist mit einem Einstiegspreis von 24.000 Euro einfach kein Schnäppchen.

Smartville

Beim Smart handelt es sich um ein einzigartiges Konzept, das Auto hätte locker zu einer Ikone der urbanen Mobilität werden können. Es fing tatsächlich sehr verheißungsvoll und glamourös an. Smart entstand in den 1990er Jahren als Mercedes-Prestigeprojekt.

Nicolas Hayek, der Inhaber der Schweizer Uhrenmarke Swatch, hatte die Idee eines stilvollen Stadtautos, mit dem ’s‘ von Swatch, dem ‚m‘ von Mercedes und ‚art‘, dem englischen Wort für Kunst. Mit dem Auto, das man platzsparend quer einparken konnte, hatte Daimler ein erfrischendes Gegenstück für seine schweren Limousinen geschaffen.

Mercedes baute für seine neue Tochter sogar eine nagelneue Fabrik im französischen Hambach, kurz hinter der Grenze zu Deutschland. Die Tatsache, dass ein deutscher Hersteller dank Subventionen aus Paris eine Hightech-Fabrik in Frankreich baute, verlieh dem Projekt auch eine politische Dimension. Der französische Präsident Jacques Chirac und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl eröffneten 1997 in Hambach feierlich ‚Smartville‘.

Aber Mercedes ist es nie gelungen, Smart zum Erfolg zu verhelfen. Der deutsche Hersteller hat mit seinem trendigen Stadtauto – das es zuerst nur als Zweisitzer und später auch als Viersitzer gab – wahrscheinlich nie Gewinn gemacht. Die Verkäufe sanken Jahr für Jahr. Letztes Jahr auf knapp 107.000 Einheiten, meldet die Zeitung De Tijd.

Die Süddeutsche Zeitung fasste es so zusammen: „Seit einem Vierteljahrhundert steht Smart für eine Zukunft, die nicht gekommen ist.“

Zweites Leben in China

Vorerst eher nicht. Eigentümer Daimler setzt darauf, dass die Chinesen dem ikonischen Stadtauto nach einem Vierteljahrhundert voller Misserfolge neues Leben einhauchen können.

Der ehemalige Daimler-Chef Dieter Zetsche wollte 2018 eigentlich weitere 500 Millionen Euro in die Smart-Produktionshallen in Hambach investieren, um dort den neuen Elektro-Mercedes zu bauen. Sein Nachfolger Ola Källenius hat aber entschieden, das Werk zu verkaufen.

Daimler ist dann kürzlich ein Joint Venture mit Geely, der Muttergesellschaft von Volvo in China, eingegangen, um den neuen Smart dort zu bauen. Der Eigentümer von Geely, Li Shufu, ist seit kurzem mit zehn Prozent auch wichtigster Aktionär von Daimler.

2022 soll jedenfalls ein neues Auto mit dem gleichen Namen auf den chinesischen Markt kommen, obwohl es viel größer sein wird als der aktuelle Smart. Mercedes ist für das Design des neuen Smarts verantwortlich, während Geely die Produktion übernehmen wird.

Manuel Zimmermann

4 Kommentare
  1. Horst Emonts-pool

    Meine Frau hatte zwei Smart gehabt. Der erste war lebensgefährlich wegen den Schaltpausen. Der zweite war eine Rappelkiste. Im Verbrauch 20 % höher als der Peugeot den sie jetzt fährt. Dañn war der Smart in Anschaffung und Unterhaltung so teuer wie ein Golf. Warum sollte man denn noch Smart fahren?

  2. Marcel Scholzen eimerscheid

    Kommt immer anders, wie man denkt…..

  3. Bernd Zeller

    Wir hatten seit 2002 den Smart Fortwo Cabrio CDI ,nach 185000 km jetzt leider verkauft da er eine gelbe Plakette hat, mein Fazit ,es war ein tolles Auto

  4. Peter Mertens

    Ist doch logisch, wer hat Geld zu verschenken
    In Deutschland werden E- Autos mit bis zu 8000€ gefördert, in Belgien gibt es nichts.
    Da kostet ein E- Smart eben nur 16 .000 statt 24.000€ und fährt noch Steuerfrei