Brüsseler Chefarzt: Situation in der Hauptstadt nicht weit von der in Antwerpen entfernt

Die Coronavirus-Situation in der Hauptstadt ist nicht mehr weit von der in Antwerpen entfernt. Das sagte der Chefarzt der Klinik Saint-Jean in Brüssel auf Basis der in seinem Krankenhaus in den vergangenen Tagen durchgeführten Tests. Demnach hat sich der Anteil der bestätigten Infektionen im Vergleich zu Ende Juni mehr als verachtfacht.

Erasmus-Krankenhaus in Brüssel (Bild: Kenzo Tribouillard/AFP)

Illustrationsbild: Kenzo Tribouillard/AFP

Rund 500 Corona-Tests würden jede Woche in seinem Krankenhaus durchgeführt, erklärte Chefarzt Kenneth Coenye in der VRT. Und davon fielen in den letzten zehn Tagen fast sieben Prozent positiv aus, in Antwerpen sind es zurzeit circa neun. Das sei sehr beunruhigend, Ende letzten Monats seien es noch weniger als ein Prozent gewesen.

Auffällig sei außerdem, dass sich in der Klinik Saint-Jean vor allem Menschen ohne Symptome testen ließen. Etwa, weil sie für eine Reise wie nach Marokko eine Testbescheinigung bräuchten, oder weil sie im Rahmen einer Kontaktnachverfolgung aufgefordert worden seien, sich testen zu lassen, so Coenye. Das bedeute, dass sich diese Menschen ansonsten frei bewegten und soziale Kontakte ohne Einschränkungen pflegten.

Hinzu komme, dass sich die Bevölkerungsstrukturen in den besonders betroffenen Vierteln Antwerpens und im Zentrum Brüssels sehr ähnelten, ein weiterer Grund, eine rasche Verschlimmerung auch in der Hauptstadt zu befürchten. Die Betroffenen lebten oft mit sehr vielen anderen Menschen in der gleichen Unterkunft und ihr soziales Leben spiele sich zu großen Teilen auf der Straße ab. Dadurch sei das Potential für eine leichte Ausbreitung des Virus auch hier sehr groß, warnte der Arzt.

Boris Schmidt

10 Kommentare
  1. Lutz-René Jusczyk

    Wäre es nicht sinnvoll, über Antwerpen und Brüssel einen drei- bis vierwöchigen Lockdown zu verhängen, damit nicht im Herbst das ganze Land in einen solchen gehen muss?
    Können wir uns einen mehrmonatigen Lockdown auf einer nationalen Ebene, so wie wir ihn in der ersten Jahreshälfte erlebt haben, ein zweites Mal binnen eines Jahres leisten?

  2. Edgar Fink

    @Lutz-René Jusczyk
    „Wäre es nicht sinnvoll, über Antwerpen und Brüssel einen drei- bis vierwöchigen Lockdown zu verhängen, …“
    Nun ja Herr Jusczyk, sie sind ja bei einem Lockdown in Brüssel und Antwerpen nicht betroffen. Im Gegensatz zu den Brüsseler und Antwerpener Mitbürgern dürften sie sich ja weiterhin frei bewegen.
    Als ihre Freiheiten noch vor kurzem durch einen nationalen Lockdown zeitweilig etwas eingeschränkt wurden, da konnte man ganz andere Töne von Ihnen hier vernehmen.
    Da wurde Ihrerseits kurzerhand eine Petition ins Leben gerufen und in den Medien um Aufmerksamkeit geworben.
    Gerade von Ihnen hätte man etwas anderes erwarten dürfen.

    Andere Leute einsperren, wenn man selbst nicht davon betroffen ist, zeigt aufs deutlichste, welche Gesinnung sie vertreten.

  3. Maria van Straelen

    @ Herrn Jusczyk: Herr Fink ist mir zuvorgekommen mit den gleichen Argumenten, die auch ich anführen wollte. Aber ein paar Zahlen belegen vielleicht noch die Verhältnismäßigkeit Ihrer „Idee“
    1. Norden der DG = 47300 EW (denn bereits „die Eifel“ war kaum ein Thema)
    2. Brüssel Hauptstadt hat 1,2 Mio Einwohner (mit u.a. abertausenden sich ständig bewegenden Europabediensteten) und 345000 Berufspändlern in die Stadt
    3. Antwerpen hat 526000 Einwohner mit nochmal 148000 Berufspendlern
    Was bei 47 T Einwohnern eine Revolution entfacht hat, sollten 2,2 Mio Einwohner doch noch aushalten, oder ? Wie wollen Sie eine Europäische Petition leiten, wenn Belgien bereits für Sie zu groß ist ? Aber Schengen zur Religion erheben ? Dort geht es übrigens hauptsächlich um Warenaustausch, Menschen konnten sich schon immer frei bewegen

  4. Lutz-René Jusczyk

    Sie würden also einen nationalen Lockdown gegenüber regionalen Lockdowns bevorzugen?
    Wenn Sie Letztere ablehnen, machen Sie doch bitte mal einen Vorschlag, wie die Ausbreitung des Virus wirkungsvoll eingedämmt werden kann, damit wir in wenigen Wochen nicht erneut dort stehen, wo wir uns in der zweiten Märzhälfte befanden.
    Die Möglichkeiten, die uns diesbezüglich gegenwärtig zur Verfügung stehen, sind nun einmal sehr begrenzt.
    Wissen Sie, ich habe kein Problem mit Kritik, allerdings würde ich mir wünschen, wenn diese von dem einen oder anderen konstruktiven Lösungsvorschlag begleitet wäre.

  5. Maria van Straelen

    regional, national, das sind sehr relative Begriffe, es hängt im Wesentlichen davon ab, wo der eigene Horizont ist. Nehmen wir mal Ihr Schengen und gucken mal auf das Ganze: Auf einer Karte aller Schengen-Länder vom Nordkap bis Malta, von Estland bis Portugal ist das bisschen Belgien sowas von regional, da würde sich niemand drum kümmern. Außerdem waren in dieser Zeit jede Menge europäischer Staaten abgeriegelt. Regional kann man auch auf Anzahl Personen beziehen.
    Wir UND AUCH SIE müssen überhaupt keinen Vorschlag machen, wie es am besten geht, dafür gibt es die entsprechenden Gremien, vielleicht sollten wir denen erstmal vertrauen, auch wenns den eigenen Lebensraum einschränkt. Im Frühjahr sind doch die Zahlen sehr zurückgegangen, also hat Belgien doch irgendwas richtig gemacht. Erst der Egoismus der Menschen, wie der Urlaub und Party zu machen, wie immer, hat uns in diese missliche Lage gebracht. Vielleicht wär in dieser Richtung mal ein Appell hilfreich.

  6. Lutz-René Jusczyk

    Ich denke, dass jeder Bürger das Recht hat, sich zu einem derart wichtigen Thema zu äußern und sich politisch zu engagieren.
    Die von mir gestartete Petition zur Grenzöffnung war aus meiner Sicht Ausdruck einer direkten Demokratie.
    Dass sie einen gewissen Gegenwind hervorrufen würde, war mir klar.
    Die politisch Verantwortlichen sind deshalb von den Bürger/-innen gewählt worden, damit sie diesen dienen.
    Was ist also dagegen einzuwenden, wenn Bürger/-innen die Möglichkeiten nutzen, die ihnen die Verfassung eröffnet, um ihr Anliegen vorzubringen?
    Ähnlich wie die Schweiz bräuchten wir hier in Belgien das Instrument der Volksbefragung. Überhaupt könnten wir viel von den Eidgenossen lernen.
    In der Schweiz, wo ich selbst eine Zeit lang gelebt habe, scheint das Zusammenleben der einzelnen Volksgruppen zu funktionieren; hier in Belgien gibt es dagegen ständig Probleme.
    Dass wir in so einer schweren Krise wie der derzeitigen noch immer keine gewählte Regierung haben, ist einfach nur enttäuschend.

  7. Edgar Fink

    @Lutz-René Jusczyk
    Ich erlaube mir, ihnen zu antworten, auch wenn sie in der Vergangenheit auf kritische Fragen meinerseits einfach auf „stumm“ geschaltet haben.
    Also von wegen, sich der Kritik stellen!
    Im Gegensatz zu Ihnen springe ich nicht gleich auf die Barrikaden und schreie lauthals Freiheitsentzug, wenn eine vorübergehende Einschränkungsmaßnahme seitens Behörden (Politiker beraten von Experten) im Interesse der Gesamtbevölkerung verordnet wird.
    Vorschläge zu machen und den verantwortlichen Politkers Vorschriften zu machen, maße ich mir nicht an. Warum? Weil mir einfach viele Details und aktuelle Hintergrundinformationen fehlen.
    Was mir an ihren Meinungsäusserungen missfällt ist die Tatsache, daß sie als erklärter Lockdown Gegner plötzlich Lockdowns vorschlagen, sobald sie nicht davon betroffen sind. Das schlägt gelinde gesagt, dem Fass den Boden aus.

  8. Maria van Straelen

    Herr Jusczyk, zu Ihrer politischen Aktion Schengen habe ich eine Übersichtskarte gefunden, die Ihnen die Augen öffnen wird und Sie werden erkennen, in den kommenden Jahre bekommen Sie Ihren Traum nicht hin. Da man keine link schicken darf, kann ich nur die Texte nennen, und dann hoffen, dass beim googlen die passende Landkarte erscheint: Übrigens: CH hat rundum Kontrollen, D nur gegenüber A z.B. Viel zu tun. Also Titel: „Grenzkontrollen im Schengenraum im Rahmen von Covid-19“, veröffentlicht von „Die Grünen/EFA von einer Anna Cavazzini MdEP“, also Kollegin von Arimont, der Sie ja unterstützt, und als „Quelle: Europäische Kommission, Frontex, Politico EU“ Da werden Sie staunen

  9. Uwe Chemnitz

    Eigentlich hätte es schon im März so gehört, das da wo viele Fälle sind regionale
    strengere Beschränkungen sehr viel nützlicher gewesen wären als ein Land komplett ab zu riegeln…was dann so hatte ich schon mal angemerkt wirtschaftlichen Interessen gegolten hatte….kauft mal alle schön brav in Belgien ein.
    Mit Geiz ist geil hat das nichts zu tun.
    Das ganze trallala geht ja jetzt seit Anfang März…hätte die Politik differenzierter agiert, und nicht weil Chaos herrschte die Holzhammer-Methode angewandt.
    Alles verbieten..man hat jetzt gesehen wozu das führt…..jetzt will ich reisen Party machen…alles egal, weil vorher gar nichts ging.
    Am Ende des Jahres werde ich 9,5 Monate eine Maske getragen haben….und???
    8h lang, dann im Supermarkt, dann wo zuviele Menschen sind.
    Die Disskussion hier obendrüber ist echt müßig.

  10. Lutz-René Jusczyk

    Herr Fink, es geht darum, Gebiete mit einer hohen Zahl an Infizierten über einen begrenzten Zeitraum von max. einem Monat einzugrenzen, damit sich das Virus nicht weiter im Umland ausbreitet.
    Dabei kann es sich auch um einen einzelnen Stadtteil oder lediglich um eine Siedlung handeln.
    Je kleiner der Radius, desto geringer sind die „Nebenwirkungen“.
    Das setzt aber voraus, dass beim Auftreten erster Verdachtsfälle umfangreiche Tests durchgeführt werden.
    Das ganze darf nicht auf nationale Grenzen beschränkt werden, sondern auf die Gebiete, wo tatsächlich ein Ausbruch vorliegt.
    Wir hatten in Ostbelgien Anfang des Jahres kaum Covid-19-Fälle, haben aber wie kaum ein anderer Landesteil die Folgen der Grenzschließung zu spüren bekommen.

    Frau van Straelen, Politik ohne Idealismus ist wie Wein ohne Alkohol oder wie Kaffee ohne Koffein: Einfach nur langweilig. Nicht nur jede/-r Politiker/-in, eigentlich jede/-in Bürger/-in sollte Ideale haben, für die es sich einzutreten lohnt.