Corona-Tracing-App soll im September kommen

Das wichtigste Werkzeug im belgischen Anti-Corona-Arsenal ist unter anderem das sogenannte Contact-Tracing, also die Nachverfolgung von Kontakten von Infizierten. Das geschieht noch manuell bzw. telefonisch, soll aber schnellmöglich durch eine Corona-App ergänzt werden.

Die Corona Tracing App "StopCovid" (Bild: Dirk Waem, Belga)

Die Corona Tracing App "StopCovid" (Bild: Dirk Waem, Belga)

Spätestens mit dem erneuten Lockdown von Regionen in den beliebten Urlaubsländern Spanien oder auch Portugal stellt sich auch hierzulande die dringende Frage, welche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden sollen, damit sich das Virus nicht wieder unkontrolliert ausbreiten kann.

Momentan ist es so, dass Reisende, die zum Beispiel von den beiden Flughäfen in Katalonien ankommen, ein Formular ausfüllen müssen mit ihren persönlichen Daten und wo sie sich genau aufgehalten haben, erklärte Karine Moykens, Präsidentin des Interföderalen Komitees Tests und Tracing, am Dienstagmorgen in der VRT.

Wenn Reisende aus einer jetzt im Lockdown befindlichen Zone kämen, würde man sie auffordern, sich in eine 14-tägige Quarantäne zu Hause zu begeben und ihren Hausarzt zu kontaktieren – weil diese Menschen als Hochrisikopersonen eingestuft würden, die in Belgien automatisch getestet werden sollten.

Die Nachverfolgung und Kontaktierung wird durch die Call Center des Contact-Tracings durchgeführt – manuell und telefonisch.

Allerdings arbeite man mit Hochdruck an einer Smartphone-App für ganz Belgien, sagte Moykens: Man sei hier voll im Zeitplan. Am Montag habe man sich auf die Qualitätsmerkmale für die App geeinigt und die entsprechenden Informationen an Firmen geschickt, die für die Entwicklung dieser Anwendung in Frage kämen. Im September solle die App dann verfügbar sein, so Moykens.

Zusammenarbeit aller Teilstaaten

Es handele sich um eine interföderale App, die von allen Regionen und Teilstaaten zusammen entwickelt werde für das ganze Land. Es wäre schließlich unlogisch, wenn zum Beispiel ein in Brüssel arbeitender Flame im Öffentlichen Nahverkehr neben einem Wallonen sitzen würde und dann alle unterschiedliche App-Systeme verwenden würden, unterstrich Moykens.

Sicher werde man die Bevölkerung erst von den Vorteilen einer solchen App überzeugen müssen, damit die Menschen diese auch freiwillig auf ihren Telefonen installierten. Noch sei es zwar so, dass sich die meisten vor allem in ihren Kontaktblasen aufhielten. Aber spätestens wenn es wieder losginge mit Kultur- oder Sportevents werde es ein ganzes Stück schwieriger, seine Kontakte zu kennen und einen Überblick zu behalten.

Auch hier müsse das Prinzip des Bürgersinns greifen: Dass die Menschen die App benutzen, damit ihre Mitbürger im Infektionsfall gewarnt werden können, appellierte Moykens.

Privatsphäre

Man habe sich für ein möglichst sicheres System entschieden, das die Privatsphäre der Bürger achte. Das gleiche System werde auch in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz verwendet, alles Länder, in denen sehr viel Wert auf den Schutz von Privatsphäre und persönlichen Daten gelegt würde, betonte Moykens.

Man werde die deutsche Plattform übernehmen und darauf dann das belgische Benutzerinterface aufbauen. Es mache schließlich keinen Sinn, das Rad neu erfinden zu wollen.

Wenn eine Person positiv auf das Coronavirus getestet wird, werde ein Code in die App eingegeben, erklärte Moykens. Dieses Signal werde mehrfach verschlüsselt an die Handys von Personen weitergeleitet, mit denen der Infizierte in Kontakt gewesen sei.

Dabei wird weder mitgeteilt, wer die infizierte Person sei, noch wo der mögliche Kontakt stattgefunden hat. Nur, dass es einen engeren Kontakt zwischen einem selbst und einer infizierten Person gegeben habe. Dann müsse man sich mit seinem Hausarzt in Verbindung setzen, um das weitere Vorgehen festzulegen, so Moykens.

40 Prozent der Belgier würden die App installieren

Die App ist keine Pflicht. Annähernd 40 Prozent der Belgier sind bereit, die Tracing-App zu installieren, 27 Prozent melden Zweifel an. Das geht aus einer Untersuchung des Verkehrsinstituts Vias hervor.

Mitte Juni führte das Vias-Institut mit mehreren Universitäten eine Umfrage unter Tausend Bürgern durch. Aus der Umfrage geht hervor, dass eine große Bereitschaft zum Installieren der App besteht, allerdings nur wenn sie über Bluetooth funktioniert. Dabei wird nicht der Standort registriert, sondern nur die Nähe zu anderen Personen.

belga/cd/bs

Ein Kommentar
  1. Kevin Strobel

    Verfügbar im September? Warum kauft der Staat nicht einfach die Lizenz der bereits funktionierenden deutschen App?