Grenzöffnungen, Impfstoff-Studien, vielleicht keine zweite Welle – Positive Corona-Meldungen

Am Montag hat Belgien wieder alle seine Grenzen geöffnet. Das gilt für alle Bürger der EU, der Schengen-Zone und auch Großbritanniens. Manchmal ist das aber noch eine Einbahnstraße; einige Länder wollen erst später nachziehen. Seit Montag fühlt sich das Leben wieder ein bisschen "normaler" an. Zwar warnen einige Experten, dass die Epidemie leider noch nicht vorbei sei. Mit einer möglicherweise folgenschweren zweiten Welle rechnen viele aber nicht mehr.

Stewardess mir Desinfektionsgel am Eingang eines Flugzeuges von Brussels Airlines (Bild: Bruno Fahy/Belga.)

Bild: Bruno Fahy/Belga

„Endlich!“ – Die Flughäfen des Landes haben dem 15. Juni regelrecht entgegen gefiebert. Denn, nicht nur, dass viele EU-Binnengrenzen wieder geöffnet werden – das gilt für alle Bürger der EU, der Schengen-Zone und auch Großbritanniens.

Allerdings gelten in einigen europäischen Ländern weiterhin Einreisebeschränkungen. So öffnen beispielsweise Spanien oder Zypern erst später ihre Grenzen für Belgier. Für Griechenland müssen Belgier derzeit noch einen negativen Corona-Test vorlegen und sich unabhängig davon in eine einwöchige Quarantäne begeben.

Wer eine Reise unternehmen möchte, soll sich daher vorher auf der Webseite des Außenministeriums darüber informieren, welche Einschränkungen für das Zielland gegebenenfalls noch gelten. Auch die Europäische Union hat eine Informationswebseite zum Thema Reisefreiheit gestartet. Sie ist unter dem Suchbegriff „Re-open EU“ zu finden.

Brüsseler Flughafen nimmt langsam den Regelbetrieb wieder auf

Zeitgleich haben auch zahlreiche Airlines ihren Flugbetrieb wieder aufgenommen. Das gilt etwa für Brussels Airlines. Damit kehrt auch am Flughafen in Zaventem ab Montag wieder mehr Leben ein. So sind am Montag insgesamt 60 Flüge geplant, zu denen 4.000 Passagiere erwartet werden. Am Terminal wird den Passagieren die Körpertemperatur gemessen. Liegt sie zu hoch, darf der Passagier nicht mitfliegen. Die Zahl der Fluggäste soll täglich steigen, sodass im Juli und August eine Million Passagiere den Brüsseler Airport nutzen sollen. Dieses Aufkommen sei nötig, damit die gesamte Branche überlebe, erklärte die Flughafenleitung. Je schneller der Neustart gelänge, desto weniger Jobs seien bedroht.

Derzeit sucht der Brüsseler Flughafen noch einen Ersatz für den Gepäckabfertiger Swissport, der im Zuge der Corona-Krise in die Pleite gerutscht ist. Derzeit übernimmt der Dienstleister Aviapartner die Gepäckabfertigung. Der Flughafen ist aber gesetzlich verpflichtet, ein zweites Unternehmen zu beauftragen. Die Suche nach einem Nachfolger für Swissport läuft. Dabei lege der Flughafen Wert darauf, dass das neue Unternehmen möglichst viele Beschäftigte von Swissport übernimmt.

Auch am Flughafen Charleroi wird die Aktivität wieder hochgefahren. Wie in Brüssel gilt hier ebenfalls eine Reihe von neuen Sicherheitsmaßnahmen. Die würden in den kommenden Tagen auf ihre Praxistauglichkeit hin getestet, sagte Sprecher Vincent Grasse. Es sei nämlich so, dass die Airlines erst schrittweise ihren Betrieb wieder aufnähmen – am Montag etwa sei nur ein Flug vorgesehen – ein idealer Probelauf.

Ab Montag nimmt Thalys den Bahnverkehr nach Deutschland wieder auf. Das Angebot bleibt aber begrenzt. So verkehrt täglich nur ein Zug zwischen Paris und Dortmund mit Zwischenstopps in Brüssel und Köln. Seit dem 21. März war der Thalys-Verkehr nach Deutschland ausgesetzt. Bis zum 11. Juli bleibt es bei einer Verbindung pro Tag. Danach soll das Angebot auf zwei Verbindungen pro Tag im August und täglich drei im September aufgestockt werden.

Schrittweise Rückkehr zu einer „gewissen“ Normalität

Eine schrittweise Rückkehr zu einer „gewissen“ Normalität. Aber, Vorsicht: „Es ist noch nicht vorbei“, warnte in der VRT Professor Erika Vlieghe, die Vorsitzende des Beratergremiums GEES. „Natürlich können wir die Zügel etwas lockern, aber bitte langsam.“

Der renommierte Mikrobiologe Peter Piot, der der EU-Kommission als Sonderberater zur Seite steht, sieht seinerseits das Glas eher halb voll. „Sehen wir das Ganze doch mal positiv. Belgien und viele andere Länder haben das Virus eingedämmt. Aber, in der Tat, wir dürfen nicht vergessen: Wir stehen erst am Anfang der Epidemie“, sagte Piot in der VRT.

Denn, jeder weiß: Verschwinden wird die Bedrohung erstmal nicht. Wobei: Er rechne nicht mit einer großen zweiten Krankheitswelle, sagt Peter Piot. Wahrscheinlicher sei, dass es lokal vereinzelt zu neuen Krankheitsherden kommt. Das sehe man jetzt auch in anderen Ländern wie China oder Südkorea. Darauf allerdings müsse man gut vorbereitet sein.

Kein wirklicher Kapitän

Da allerdings legt Piot einen Finger in die Wunde. Denn, hierzulande stellt sich immer noch die Frage, ob Belgien denn auch wirklich gut vorbereitet ist auf neue Krankheitsherde? Das Tracing scheint  immer noch nicht überall so zu funktionieren, wie es das sollte. Und auch Professor Erika Vlieghe ließ ungewohnte Kritik durchscheinen: Ihr habe während der Krise ein wirklicher Kapitän gefehlt, irgendjemanden, der klar die Richtung vorgibt.

So etwas hört man immer häufiger. Im Grunde läuft das immer auf die Feststellung hinaus, dass die Zuständigkeiten im Gesundheitsbereich einfach zu zersplittert und die Entscheidungsprozesse entsprechend zu kompliziert seien.

Jedenfalls erleben wir wohl gerade so eine Art „Normalität auf Bewährung“. Erst ein Impfstoff kann wirklich eine gewisse Erlösung bringen. Daran wird bekanntlich so ein bisschen überall auf der Welt gearbeitet. In Belgien ist da Janssen Pharmaceutica in vorderster Front mit dabei. Das Unternehmen gehört inzwischen zum Pharmakonzern Johnson & Johnson. Der Leiter, der große Boss der Forschungsabteilung von Johnson & Johnson, ist ein Belgier: Paul Stoffels. Der zeigte sich in der VRT erstmal zuversichtlich, dass tatsächlich Anfang kommenden Jahres ein Impfstoff zur Verfügung stehen werde. Er sehe da nicht die Gefahr, dass einzelne Länder sich möglicherweise Exklusivrechte sichern könnten. Schlicht und einfach, weil so viele Unternehmen nach einem Impfstoff forschen und auch schon auf einem guten Weg zu sein scheinen. Zumindest in Europa würden ausreichend Impfdosen zur Verfügung stehen. „Wissen Sie, am Ende wird es vielleicht sogar nicht genug Arme geben, um all den Impfstoff injizieren zu können, sagte Paul Stoffels in der VRT.

belga/rtbf/okr/rop