Beobachter: Belgien Vorbild in der Corona-Krise

Die britische Wirtschaftszeitung Financial Times und ein weltweit führender Virologe haben das Verhalten der belgischen Regierung während der Corona-Krise gelobt.

Premierministerin Sophie Wilmès

Premierministerin Sophie Wilmès (Bild: Aris Oikonomou/AFP)

Entgegen vieler Vorhersagen hat die belgische Regierung gezeigt, dass ein geteiltes Land eine klare und entschlossene Antwort auf eine nationale Krise geben kann. Das schreibt die Financial Times.

Sie lobt auch das tägliche Pressebriefing des Föderalen Öffentlichen Dienstes für Volksgesundheit und des Krisenzentrums. Die Art und Weise könnte ein Beispiel für andere Länder sein, schreiben Jim Brunsden und Mehreen Khan, die Brüsseler Korrespondenten der Financial Times, in einem Artikel über den belgischen Ansatz zur Korona-Krise.

Sie stellen vor allem fest, dass dieses Briefing nicht von Politikern, sondern von wissenschaftlichen Experten und ihren Sprechern durchgeführt wird. Die Briefings sind auch eine Gelegenheit, um Gerüchte und Verschwörungstheorien zu entlarven, Missverständnisse zu widerlegen und vor Versuchen zu warnen, die Sperre zu umgehen.

Die Pressearbeit sei aber nicht nur sachlich, sondern auch menschlich. Die Journalisten zitieren dabei die Aussage von Steven Van Gucht beim Pressemeeting am Dienstag: „Viren sind nie die Schuld von irgendjemandem. Sie machen keinen Unterschied zwischen Sprache, Religion und Herkunft. Ein Virus ist eine Naturgegebenheit, wir müssen mit ihm solidarisch umgehen und ihn gemeinsam bekämpfen.“

Lob an Belgien

Auch die Auftritte von Premierministerin Sophie Wilmès sind von der Financial Times nicht unbemerkt geblieben. Vor der Krise hatte der vierzehn Monate dauernde politische Stillstand das Bild Belgiens auf der internationalen Bühne als hoffnungslos gespalten und unregierbar gestärkt. Wilmès wurde für ihr ruhiges und ernsthaftes Vorgehen gelobt. Positiv auch aus Sicht der Financial Times: „Ihre Regierung verfügt nun auch über eine starke parlamentarische Mehrheit zur Bekämpfung des Virus.“

Ab Osterhaus – laut Marc Van Ranst, der beste Virologe der Welt – nannte Belgien ein Vorbild. Sein Eindruck: Belgien bekämpft das Corona-Virus mit dem richtigen Mix aus Dringlichkeit und Coolheit, Schnelligkeit und Effizienz sowie Angemessenheit und Entschlossenheit, so der niederländische Experte.

ft/ds/mz/rasch

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8 Kommentare
  1. marcel scholzen eimerscheid

    „…Viren sind nie die Schuld von irgendjemandem. Sie machen keinen Unterschied zwischen Sprache, Religion und Herkunft…“. Diese simple wie zutreffende Feststellung bringt Nationalisten, Rassisten, Antisemiten,.. total aus dem Konzept. Nun ist auf einmal eine Situation eingetreten, wo man es nicht möglich ist, einen Sündenbock zu bezeichnen.

  2. benoni beheyt

    Wie gehabt .

    bei Krisen sind wir , das Kleine Belgien „wieder“ mal International Positiv aufgefallen .

    Meine Appel an der Momentane Regierung .

    Hört nach der Krise auf , ewig auf Partei internen und übergreifende Zwistigkeiten bei anderer Parteien stehen zu bleiben.
    Ihr Zeigt ja mal wieder das Ihr Functional seit.

    Der Normal Logisch denkender Mensch konnte das schon Lange nicht mehr nachvollziehen und hatte sich bei Regierung,s Bildungen die teils Ewigkeiten gedauert haben dran gewöhnt.
    Behaltet den momentanen Consensus bei als Leitfaden fur das was nach der Krise noch kommen möge.

    oder sollte es wieder nur ein Wünsch Denken sein .

  3. Patrick Meurer

    Stimmt! Bravo an unsere z.Z. politisch verantwortliche Föderalregierung! Der aktuelle Umgang mit Krise, die zu ergreifenden Maßnahmen und deren konsequente Umsetzung sind vorbildlich!
    Skandalös und unverantwortlich ist allerdings der Umstand, dass das Baugewerbe “nach wie vor” arbeitet…dem vorausgegangen ist auch schon die Nichtabsage der BATIBOUW Messe bei Ausbruch der Pandemie…>220.000 Besucher…das fliegt uns in den kommenden Tagen um die Ohren :-(((

  4. Guido Scholzen

    Was ist an diesem Virologen Van Ranst so aussergewöhnlich?
    Vor genau einer Woche sprach er davon, dass die „Corona-Epidemie so lange dauern werde wie eine Grippe-Welle, ca. 10 Wochen“.
    Und ihm wurde geglaubt und gratuliert.
    Und nun spricht er aus, dass das ganze ein Jahr dauern könne.
    Es wird geglaubt und gratuliert.

    Solche Prognosen krieg ich auch fertig.
    Die wissen im Grunde gar nichts.

  5. Ronny Ramscheidt

    Herr Scholzen,

    auf den Punkt gebracht. 👍

  6. Kathrin Schumacher

    Es ist sehr großzügig von den Briten, uns Belgier zu loben, und es ist wahr, dass unsere Politiker eine bemerkenswert einheitliche Front zeigen. Leider wird dies von der Bevölkerung nicht widergespiegelt, vielleicht weil die Berichterstattung in den Medien beginnt allmählich an das Sensationelle zu grenzen.
    Gestern hat ein Nachbar gedroht, mich bei den Behörden zu melden, weil meine Tochter, die in Deutschland studiert, zu Hause ist. Es ist Semesterferien und sie ist seit 4 Wochen zu Hause, aber die ständigen Warnungen und Drohungen, die ausgestrahlt werden, veranlassten meinen normalerweise freundlichen älteren Nachbarn, meiner 19-jährigen Tochter mit Abschiebung zu drohen.
    Wollen wir das wirklich? Dass unsere Bevölkerung beginnt, sich gegenseitig auszuspionieren und anzugreifen? Wir müssen vorsichtig sein, es herrscht eine allgemeine Atmosphäre der Angst und Bedrohung. Vielleicht wäre es vorteilhaft, einige ermutigende Worte zu übermitteln, anstatt nur Angst zu verbreiten.

  7. georg severich

    Als Zugezogener kann ich nur sagen , ich liebe dieses Land und seine Leute. Hier wird nicht nur geredet sondern gearbeitet. vom normalen Arbeiter bid zum Politiker. Die Krise zeigt es wieder. Hier gibts nicht nur das beste Essen und trinken

  8. Manfred Brandt

    Skandalös ist nur das selbst Verlobte sich nicht sehen können und dadurch jemand,der schon unter Depression gelitten hat,wieder in die Depression zurück verfällt und die Tochter schon mehrfach unter Trennungsängsten gelitten hat, trotz Bescheinigung des Vaters zur Übertragung des Sorgerechts die kleine nicht sehen darf!!!🤮

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