Region Brüssel plant höhere Steuern für SUV

Für die Umwelt ist die Zunahme der SUV auf den Straßen keine gute Neuigkeit. Laut der Internationalen Energieagentur sind die SUV dafür verantwortlich, dass all die Bemühungen des Verkehrssektors um die Senkung der CO2-Werte zunichte gemacht werden. Die neue Brüsseler Regionalregierung will jetzt etwas gegen SUV tun, um ihre Zahl zu verringern.

Illustrationsbild: Bruno Fahy/Belga

Illustrationsbild: Bruno Fahy/Belga

Und wieder einmal nimmt sich die neue Brüsseler Regionalregierung die Autofahrer vor. Mit einer Maßnahme, die viele unpopulär finden werden, die aber gleichsam das widerspiegelt, was die meisten Parteien der Regenbogenkoalition sich auf die Fahne geschrieben haben: Nämlich mehr Anstrengungen unternehmen für eine bessere Umwelt- und Verkehrspolitik in der Hauptstadt zum Wohle der Menschen.

Nach der Ankündigung, die Innenstadt von Brüssel quasi in eine große Zone 30 zu verwandeln und viele Parkplätze für Autos aus dem Straßenbild zu verbannen, hat die Regierung jetzt die SUV ins Visier genommen.

Die Steuern für diese Fahrzeuge sollen raufgesetzt werden. Als Idee liegt wohl eine höhere Zulassungssteuer für SUV auf dem Tisch.

Brüssels Grüner Umweltminister Alain Maron drückt sich wie folgt aus: „Ob wir SUV höher besteuern werden, weiß ich zurzeit noch nicht. Aber wir diskutieren darüber. Eine Idee dabei ist, die aktuelle Zulassungssteuer durch ein neues System zu ersetzen. Und bezüglich des neuen Systems sieht das Regierungsabkommen vor, dass man das Gewicht des Autos künftig stärker berücksichtigen wird. Je größer und schwerer die Autos sind, je höher werden die Steuern bei der Zulassung sein. Was doch ziemlich logisch erscheint.“

Das Drehen an der Zulassungssteuer macht eine Kompetenzverlagerung möglich – so berichtet es die RTBF. Ab Januar wird nicht mehr der Föderalstaat, sondern werden die einzelnen Regionen für die Zulassungssteuer zuständig sein. Hier sieht die Brüsseler Regionalregierung ihre Chance, etwas gegen die SUV zu tun.

Diese Autos werden nämlich ungern von der Regionalregierung auf Brüssels Straßen gesehen. Verkehrsministerin Elke Van den Brand von Groen erklärt: „Brüssel ist eine Stadt. Deshalb müssen wir Anreize schaffen für Autos, die zu einer Stadt passen. Und das sind kleine Autos, die nicht zu schwer und möglichst wenig umweltbelastend sind. Das ist sehr wichtig für die Verkehrssicherheit und die Qualität der Luft. Deshalb hätten wir gerne ein Steuersystem, das die Autos bevorzugt, die wir bevorzugt in der Stadt sehen möchten.“

Bezüglich der Verkehrssicherheit, die durch SUV stärker gefährdet sei, als durch herkömmliche Pkw, bekommt die Brüsseler Regionalregierung Unterstützung durch Damien Ernst, Professor an der Universität Lüttich. Er beschäftigt sich in seinem Spezialgebiet mit den Wirkungen von Energie. „SUV sind sperriger, als normale Autos. Wenn sie mit einem Fußgänger zusammenstoßen, wird der an einer Körperstelle getroffen, die höher liegt als bei einem Unfall mit einem anderen Pkw. Das bedeutet eine größere Lebensgefahr für Fußgänger, Fahrradfahrer, für alle ’schwachen‘ Verkehrsteilnehmer. Und das wiederum bedeutet auch höhere Kosten für die Gesellschaft.“

Nicht nur bei SUV-Fahrern und Liebhabern dieser Autos wird der neue Vorstoß für Unmut sorgen. Auch die Autohersteller werden sicher nicht jubeln über die neuen Pläne. Sie setzen bekanntlich weiter auf den zurzeit weltweit boomenden Markt der SUV. In Belgien sind knapp 40 Prozent der neu verkauften Autos zurzeit SUV.

Gegenüber der Presse allerdings hört sich zumindest beim belgischen VW-Importeur d’Ieteren der Diskurs gemäßigt an. Verurteilen will Sprecher Jean-Marc Ponteville die möglichen neuen Maßnahmen der Brüsseler Regionalregierung nicht, aber er mahnt: „Wünschenswert wären politische Maßnahmen, die langfristig wirken, aufeinander abgestimmt sind und einen wirklichen Einfluss auf den Markt haben. Was wir aber vor allem brauchen ist eine Politik, die sich nicht ständig ändert. Damit die Menschen, die sich ein Auto kaufen, plötzlich nicht bestraft werden für ihre Wahl, sondern eine Wahl treffen können, die auch in vielen Jahren noch eine gute Wahl sein wird.“

Kay Wagner

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14 Kommentare
  1. Walter Theissen

    Persönlich finde ich diese Idee absolut richtig! Diese SUVs sind alles andere als Stadtautos! Wer sich ohne Rücksicht auf die Umwelt und die anderen Verkehrsteilnehmer solche dicken Karren leistet, soll auch für die dadurch verursachten Folgen zur Kasse gebeten werden!

  2. Ralph Pirard

    Derjenige, der aus beruflichen Gründen mit seinem Fahrzeug jährlich rund 40.000km zurücklegen muss, tagtäglich unterwegs ist und zusätzlich Stauraum zum Transportieren sperriger Güter benötigt, ohne gleich auf einen Transporter umsteigen zu müssem (wahrscheinlich mit noch höheren Schadstoffwerten), weiss die Sicherheit und den grosszügigen Innenraum eines SUV zu schätzen.
    Diesen positiven Aspekt sollten Vater Staat und die ständigen Nörgler vor Abgabe Ihres Urteils, sowie der Einführung von höheren Abgabekosten ebenfalls berücksichtigen…denn nicht nur die Sicherheit der Fussgänger,
    auch die des Fahrers ist genau so wichtig, oder?

  3. Nancy Schmitz

    @r.Pirard : würde es eine herkömmlicher Kombi da nicht auch tun, muss es unbedingt ein SUV sein ? Ein Kombi verbraucht weniger und hat meistens mehr Stauraum als ein SUV. Die meisten SUV sind doch nur Statussymbole und S….verlängerungen !

  4. Maria van Straelen

    Haben Sie den Artikel gelesen, Herr Pirard, oder nur allergisch auf den Begriff SUV reagiert ? Es geht um Brüssel, da kommt man mit großen Wagen nur umso langsamer durch, außerdem braucht man jeweils 2 Parkplätze, wenn die Breite eine Rolle spielt. 40 % Neuzulassungen sind SUVs, das ist reine Mode und mit Nachbarn mithalten und angeben wollen, dass man`s sich leisten kann, die fahren alle keine 40.000 km/Jahr oder transportieren Stämmiges. Autos haben doch sowieso verschiedene Steuerklassen aufgrund von bestimmten Kriterien, da kann Abmessung, Gewicht und Hubraum doch eine gewisse Rolle spielen. In der letzten Firma, in der ich arbeitete (Hauptverwaltung), hatten über 80 % einen dicken Firmenwagen, während sie permanent mit dem Flugzeug von Meeting zu Meeting durch Europa und darüber hinaus jetteten – die Frauen brachten dann damit die Kinder zur Schule …

  5. Edwin Frühbuss

    Diese Diskussion geht an der Realität vollkommen vorbei.
    Was ist ein SUV?
    Ist ein VW T-Cross mit 1200 ccm, 95PS bei 4,10 m Länge, 1,75 m Breite, 1,65 m Höhe und 5 Liter Verbrauch ein SUV, den es höher zu besteuern gilt?
    Was ist mit einem Mercedes Coupé 2500 ccm, 280 PS bei 4,80 m Länge, 1,95 m Breite, 145 cm Höhe und 10 Liter Verbrauch?
    Es geht nicht um die Frage SUV oder nicht SUV sondern in erster Linie um die Emissionen und die Größe von Fahrzeugen.
    Ein VW-Passat Kombi (kein SUV) ist größer als ein VW-TRock (SUV) und verbraucht mindesten soviel. Ein Audi A6 Kombi (kein SUV) ist größer als ein Audi A2 (SUV) und verbraucht je nach Motorisierung das dreifache.
    Es wäre wünschenswert, die Diskussion zu versachlichen. SUV ist nicht gleich SUV und nicht alle SUV sind platzraubende Drecksschleudern.
    Auch ein Suzuki Ignis … ist ein SUV.

  6. Jean-Pierre DRESCHER

    Ich selber habe glücklicherweise gar kein Auto zur Last. Da jedoch sehr viele Familien in der DG einen SUV vor ihrer Haustür stehen haben dürfte das neue Theaterstück aus Brüssel bei den meisten Bewohnern der DG für eine extra Portion Stimmung sorgen.

    Besonders Kleinunternehmer werden sich vermutlich ein weiteres Mal die Frage stellen, warum man diesem Verein soviel Steuern zahlen muss.

    Ich finde SUV vom Aussehen zwar absolut häßlich weil sie für mich wie Statussymbole irgendwelcher prollenden Großkapitalisten wirken, doch kein anderes Fahrzeug kommt mit den kaputten Straßen in der Wallonie besser zurecht. Für einen Handwerker mit sperrigem Gerät sicher ein Segen wenn man weiß man hat ein Auto was bei jedem Wetter zu jeder Tageszeit zuverlässig jeden Kunden problemlos erreicht egal wie kaputt die Straße schon ist.

  7. Jochen Decker

    Warum senkt man denn nicht einfach die Steuern für die kleineren Autos?
    Dass da mal wieder keiner drauf kommt.

  8. Marcel Scholzen eimerscheid

    Das ganze ist gruene Hexenjagt. Wie im Mittelalter die Hexen grundlos beschuldigt wurden, schlechte Ernten, Viehseuchen und anderes Leid verursacht zu haben, so sind die SUV’s der Suendenbock fuer die Bruesseler Umweltprobleme. Es geht hier nur drum, einen Grund zu finden, um eine neue Steuer einzufuehren, um die leeren Kassen zu fuellen. Soll auch ueber die Tatsache hinwegtaeuschen, dass es in Wirklichkeit kein schluessiges Verkehrs- und Umweltkonzept gibt. Eben Augenwischerei, wie so oft in der Politik.

    Die Bruesseler Regionalpolitiker sollten sich mal im Stadtstaat Singapur umschauen. Dort gibt es ein funktionierendes Mobilitaetskonzept schon seit Jahrzehnten. Beruht vor allem auf einem gut ausgebautem oeffentlichen Verkehrswesen und auf einem Mechanismus, der die Anzahl Fahrzeuge auf der Strasse limitiert.

  9. Wahl, Joachim

    Ja genau, hier in den Kommentaren erkennt man, dass die Rechnung aufgeht.
    Der grüne Sozialismus spaltet das Volk. Da werden Bürger gegeneinander aufgehetzt, da wird denunziert, was das Zeug hält.
    Wann wird SUV-Fahrern der Zugang zu Restaurants, zu Tankstellen verwehrt? Wann zahlt man Prämien, wenn SUV’s verkratzt werden? Es wird noch schlimmer kommen. War alles schon mal da, „kauft nicht bei Juden“! Jedes grüne Blatt wächst an einem braunen Baum.

  10. Mathias Klinkenberg

    @Jean-Pierre Drescher: Die meisten der von Ihnen als SUV bezeichneten Autos kämen mit solchen Straßenverhältnissen genauso gut oder schlecht zurecht wie ein Polo, Es handelt sich meistens um kein Allrad-Fahrzeuge, sondern um untermotorisierte Pseudo-SUVs (Compact-SUVs) ohne Allradantrieb, die sich die meisten nur kaufen, weil es schick aussieht und Mama besser über die Motorhaube gucken kann beim einparken. Deswegen weiß ich auch nicht wieso man diese Karossen eigentlich höher besteuern soll…

  11. Alexander Hezel

    Herr Wahl, schämen Sie sich denn gar nicht, so einen unsäglichen kaum verhüllten Vergleich mit den Nazis zu ziehen? Was trägt dieser abartige menschenverachtende Vergleich zur sachlichen Diskussion bei? Man kann unterschiedlicher Meinung sein, aber das ist nun gelinde gesagt wirklich unterste Schublade und es wundert mich, dass hier die Netiquette wohl sehr großzügig ausgelegt wird…

    Zum Thema: Als „Sportliche Nutzfahrzeuge“ sollten SUVs dann auch als solche benutzt werden – in diesem Sinne gebe ich Herrn Pirard völlig Recht; jeder, der ein SUV beruflich nutzt und tatsächlich nötig hat (als Fahrzeug von Managern halte ich SUVs und die berufliche Notwendigkeit für fragwürdig), sollte nicht höher besteuert werden.
    Man kann den Leuten auch nicht vorwerfen, dass sie einfach das Fahrzeug fahren möchten, das sie wollen, auch wenn es vergleichsweise nicht besonders umweltfreundlich ist. Jedoch kann der Staat versuchen, die Menschen dazu zu bewegen, wennmöglich auf eine umweltfreundlichere Fahrzeugart umzusteigen.

  12. Edgar Fink

    Einfach interessant wenn man mal kurz Rückschau hält. Zuerst wurden die Dieselfahrzeug verteufelt. Die Reaktion darauf, Dieselsteuer rauf. Nachdem das mit der Volksverdummung nicht so richtig klappte, wurde die Klimadebatte angeworfen. Konsequenz daraus, die famosen CO2-Steuern welche nunmehr ganz bestimmt das Klima retten werden. Nun, ganz aktuell die SUV-Debatte. Auch hier denkt man an … ja was wohl ? Richtig eine Besteuerung der SUV-Fahrzeuge. Ich warte schon ungeduldig darauf, dass demnächst eine so genannte „Kaloriensteuer“ auf unser Essen eingeführt wird. Wehe dem, der es dann noch wagt, sich satt zu essen.

  13. Marc Despineux

    Herr Wahl,
    Ihr Kommentar ist einfach nur daneben.
    Juden, 1933, SUV… auf einer Linie.
    Es geht um Steuern!!!!! Nicht um Massenmord oder Vorbereitung dessen!!

  14. Margret Hilgers

    Herr Mathias Klinkenberg, Sie schreiben“ …………..,weil es schick aussieht und Mama besser über de Motorhaube gucken kann beim einparken.“
    Was soll das denn wieder heißen?
    Können Papas besser einparken? Das wage ich zu bezweifeln und ich kann mir vorstellen, dass „Mama“ beim Autokauf nicht immer mit entscheiden kann.

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