„Hoher Besuch“ aus Schweden: Greta Thunberg beim Klimamarsch in Brüssel

In Brüssel ist der siebte Klimamarsch mit einer Rede der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg zu Ende gegangen. Die 16-Jährige ermunterte alle Teilnehmer, weiter für mehr Klimaschutz zu kämpfen und etwas zu bewegen.

Greta Thunberg und Kyra Gantois (r.) in Brüssel

Greta Thunberg und Kyra Gantois (r.) in Brüssel (Bild: Nicolas Maeterlinck/Belga)

Viel zu lange sei nichts geschehen, sagte Thunberg. Der Marsch hatte wegen des großen Medienrummels um Thunberg mit Verspätung begonnen. Nach Angaben der Polizei zogen etwa 7.500 Teilnehmer vom Nordbahnhof durch die Stadt zum Bahnhof Midi. Das sind weniger als letzte Woche, als 11.000 junge Menschen in Brüssel auf die Straße gingen.

Donnerstagvormittag sprach Greta Thunberg bereits vor dem europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss. Dort rief sie die politisch Verantwortlichen dazu auf, mehr gegen den Klimawandel zu unternehmen. „Zehntausende Schüler schwänzen in Belgien für das Klima die Schule, weltweit sind es Hunderttausende“, sagte die 16-jährige Schwedin. Begleitet wurde sie von den beiden flämischen Schülerinnen Anuna De Wever und Kyra Gantois, die die Klimaproteste in Belgien initiiert haben.

„Wir schwänzen die Schule, weil wir unsere Hausaufgaben gemacht haben. Wir wissen, dass die meisten Politiker nicht mit uns reden wollen – gut, wir wollen auch nicht mit ihnen reden. Die Politiker sollten stattdessen mit Wissenschaftlern reden.“ Thunberg appellierte an die Politiker, den Wissenschaftlern zuzuhören und die Klimaziele von Paris endlich umzusetzen. Sie forderte die EU zu deutlich ambitionierteren Zielen zur Reduzierung der Treibhausgase auf. Für einen fairen Beitrag zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens müsse der CO2-Ausstoß um mindestens 80 Prozent gesenkt werden, sagte sie in Brüssel. Bisher liegt die Vorgabe bei 40 Prozent.

Wenn das Abkommen scheitere, gingen die heutigen Politiker als „größte Schurken aller Zeiten“ in die Geschichte ein, meinte die 16-Jährige. Sie unterstrich, dass es nicht allein um die Zukunft der jungen Generation gehe, sondern um die Zukunft aller Menschen. „Und noch etwas“, sagte Greta Thunberg mit entschlossener Stimme: „Wer glaubt, wir sollten besser zur Schule gehen, der muss zuerst unseren Platz auf der Straße einnehmen.“

Auch in anderen Städten protestierten junge Menschen für mehr Klimaschutz. In Genk gingen Schüler und Lehrer gemeinsam auf die Straße. Insgesamt haben in Belgien am Donnerstag 15.000 Menschen für eine ehrgeizigere Klimaschutzpolitik demonstriert.

Phänomen Greta Thunberg

Greta Thunberg, das Mädchen mit den geflochtenen Zöpfen, ist fast schon zu so einer Art Popstar geworden. Die Zeitung De Standaard spricht gar vom „Klima-Messias“. Die Schwedin hat schon im August vergangenen Jahres damit angefangen, jeden Freitag für das Klima zu streiken.

Anuna De Wever und Kyra Gantois haben sich nach eigenen Angaben von der schwedischen Altersgenossin inspirieren lassen. Insofern war die Teilnahme von Greta Thunberg bei der Kundgebung in Brüssel wohl etwas Besonderes. Die Zeitung De Morgen sprach sogar von „Hohem Besuch für die Klimaschwänzer“.

Donnerstagabend reist Greta Thunberg weiter nach Paris, wo sie Freitag ebenfalls an einer Klimaschutzdemo teilnehmen will. Übrigens: Für alle ihre Reisen nimmt die Schwedin den Zug.

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belga/vrt/dlf/rop/sh/km

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4 Kommentare
  1. Jean-Pierre DRESCHER

    In meinen Augen wird dieses hochintelligente Mädchen regelrecht verheizt für irgendwelche Lobbyisten.

    Sie sollte ihr Leben leben dürfen und unter ihrer Altersgruppe mit anderen Jugendlichen über alternative Energiequellen in einer jugendgerechten Umgebung diskutieren können statt vor die Fernsehkameras der Welt geparkt zu werden.

    Die ganze Rumreiserei und die ständigen Auftritte für irgendwelche EU- oder UN-Politiker fährt den ohnehin sehr schwach konditionierten Körper auf Verschleiß.

    Das was jetzt mit ihr läuft ist doch wirklich kein Leben mehr dass man leben will als Jugendlicher.

  2. Alexander Hezel

    Herr Drescher, ihre geheuchelte Sorge um das Wohlergehen von Greta Thunberg täuscht nicht darüber hinweg, dass es ihnen lediglich darum geht, das Engagement der Jugendlichen für Umwelt- und Klimasschutz zu diskreditieren und kleinzureden.

    Wie Greta treffend sagte: Diese jungen Menschen haben ihre Haushaufgaben gemacht.
    Sie gehen für ihre und unser aller Zukunft auf die Straße.

  3. Jean-Pierre DRESCHER

    Ich glaube Sie täuschen sich gewaltig. Die extreme Hitzepest 2018, die fast 6,5 Monate normales Leben in Mitteleuropa unmöglich gemacht hat plus all den vielen Hochwasserkatastrophen, ist ganz klar antropogen verursacht durch den Schwerlastverkehr besonders in Deutschland, die ungefilterten Kohlekraftwerke in Polen, die Privathaushalte, die in der Wallonie und anderswo mit schmutzigen Braunkohlebriketts heizen.

    Weltweit sind 14.000 neue Kohlekraftwerke in Planung. So in der VR-China, der Türkei, Griechenland, Spanien, Nordafrika. Und Polen will durch noch viel mehr zusätzliche Kohlekraftwerke direkt an der Westgrenze zu 100 Prozent schmutzigen Strom an die deutschsprachigen Länder zu überteuerten Preisen verkaufen, weil diese mal wieder im nationalen Alleingang selber ihre Wärmekraftwerke abreißen.

    Was ich damit sagen will ist nichts weiter als dass die Vernichtung unserer Natur weltweit sofort eingestellt werden muss. Die UN-Politiker sollen für ihre fettes Salaire sich darum kümmern, anstatt die Jugend für irgendwelche Promo-Shows zu mißbrauchen.

    Besser mal alkoholfreie Tekkno-Party und Sport gegen Rechts.

  4. Guido Scholzen

    Es wäre besser, man würde die Kinder auch darüber informieren, dass Klimaschutz ein gewaltiger Umweltzerstörer ist.
    -Urwaldrodungen wegen Palmöl
    -Rodungen hierzulande für Windräder, die wiederum Großvögel gefährden.
    -radioaktive Belastung der Umwelt wegen Neodymabbau für Windräder
    -Maismonokulturen für „Bio-Strom“-Produktion waren noch nie umweltfreundlich
    -Holzpellets für Stromgewinnung aus Rodungen in Nordamerika
    -Genehmigungen für Windräder in Naturschutzzonen, wo man ansonsten nicht mals einen Holzschuppen bauen dürfte.

    Die Kleine tut mir einfach nur leid. Wenn man das Mädchen fragen würde, was „Klima“ überhaupt ist, dann hätte die keine reelle Antwort darauf. Da bin ich mir sicher. Außer vielleicht die permanente Aussage, man müsse es schützen.

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