„Einzigartiger Fund“: Weltkriegs-U-Boot vor Ostende entdeckt

Wissenschaftler und Politiker sprechen von einer "kleinen Sensation". Vor Ostende in belgischen Gewässern haben Unterwasserarchäologen das Wrack eines deutschen U-Bootes entdeckt. Das Schiff stammt aus dem Ersten Weltkrieg. Man geht davon aus, dass die Besatzung noch an Bord ist - ein Seemannsgrab also. Das genaue Schicksal des U-Bootes ist noch unklar.

Ostende

Das U-Boot – eine gefürchtete Waffe. Zwar gab es die ersten kriegstauglichen Tauchschiffe schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Massiv eingesetzt wurden sie aber erstmals im Ersten Weltkrieg. Die weit überlegene britische Kriegsflotte hatte die Nordsee quasi abgeriegelt. Heißt: Das deutsche Kaiserreich hatte keinen Zugang mehr zum Atlantik.

Und da schlug die Stunde der U-Boote. Die Tauchschiffe konnte sich an den britischen Kreuzern „vorbeischleichen“. Ab 1915 tobte der so genannte „uneingeschränkte U-Boot-Krieg“. Die deutschen Tauchschiffe attackierten in den Gewässern rings um Großbritannien alles, was ihnen vor die Torpedorohre kamen, Kriegsschiffe, aber auch Fischtrawler und Handelsschiffe. Das führte unter anderem zur Versenkung des Passagierschiffes Lusitania mit 1.200 Titen, was ja zur Folge hatte, dass die USA in den Ersten Weltkrieg eintraten.

Ein Teil dieser U-Boote operierte von der belgischen Küste aus. Belgien war ja bis auf den Westhoek von deutschen Truppen besetzt. Seebrügge und Ostende wurden also zu Stützpunkten der sogenannten „Flandern-Flotte“. Zum Schutz vor diesen unsichtbaren Killern legten die Alliierten Minen vor der belgischen Küste aus. Und eine davon hat wohl das U-Boot versenkt, das Unterwasserarchäologen jetzt entdeckt haben.

U-Boot noch gut intakt

Zunächst war es nur ein Signal, ein „Spot“ auf einem Unterwasserradar, der die Aufmerksamkeit der Forscher geweckt hatte. Er habe schon so eine vage Vermutung gehabt, dass es sich um ein U-Boot handeln könnte, sagte der Unterwasserarchäologe Tomas Termote in der VRT. Die endgültige Gewissheit habe man aber erst, wenn man es wirklich mit eigenen Augen sehe. Und wenn man es dann so sehe, mit seinem Turm, ach das sei schon ein schönes Gefühl.

Umso schöner muss das Gefühl gewesen sein, als die Archäologen feststellten, dass sie die ersten am Wrack waren. Das Schiff lag unberührt in 30 Metern Tiefe. Es sei relativ intakt, sagt Tomas Termote, naja, sieht man mal von der klaffenden Bresche am Bug ab, die wohl eine Mine in das Boot gerissen hat. Aber ansonsten: Man sieht noch den Turm, das Periskop, sogar die Ballasttanks.

Auch Carl Decaluwé, der Gouverneur von Westflandern, ist begeistert. Der Fund sei schon ziemlich einmalig, sagte Decaluwé in der VRT. In den letzten Jahren seien zwar schon elf deutsche U-Boote in den Gewässern vor der belgischen Küste entdeckt worden, aber keins davon sei in einem so guten Zustand gewesen. Es sei so gut wie nicht beschädigt.

Mannschaft wahrscheinlich noch an Bord

Bis auf das Leck ist das U-Boot unberührt. Die Luken sind geschlossen. Und das heißt wohl, dass die Mannschaft noch an Bord ist. Ein Boot dieses Typs verfügte normalerweise über eine Besatzung von 23 Mann, die sich wahrscheinlich noch immer dort befinden, sagt Unterwasserarchäologe Tomas Termote.

Fakt ist wohl, dass es sich um ein Schiff der U-Boot-Klasse UB-II handelt. 27 Meter lang, sechs Meter breit. Die Bilder, die die Forscher mitgebracht haben, reichen noch nicht aus, um das U-Boot zweifelsfrei zu identifizieren. Es ist noch ein Tauchgang nötig, um die Seriennummer zu ermitteln. Im Moment gebe es noch drei mögliche Kandidaten, sagt der Forscher.

„Wenn wir einmal wissen, welches Boot dort liegt, dann wissen wir auch, wer an Bord war – und dann werden wir in Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden auch die Angehörigen über den Fund in Kenntnis setzen“, sagt Gouverneur Decaluwé.

Wo das Wrack liegt, das ist ein Geheimnis. Man wolle nicht irgendwelche Glücksritter anziehen. Gehoben wird das Schiff wahrscheinlich nicht – das wäre zu teuer. „Das Beste ist wohl, dass wir das U-Boot dort lassen, wo es ist“, sagt Carl Decaluwé. Es ist schließlich ein Seemannsgrab – und man sollte entsprechend damit umgehen.

Roger Pint - Illustrationbild: Bas Bogaerts/BELGA

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