Die Presseschau von Donnerstag, dem 24. November 2022

Die Zeitungen freuen sich über das 1:0 der Roten Teufel in ihrem WM-Auftaktspiel gegen Kanada. Aber auch das Verbot der "One-Love"-Armbinde und die Reaktion der deutschen Mannschaft darauf werden kommentiert. Weitere Themen sind der nächste Belgier im All und die Debatte um den europäischen Gaspreisdeckel.

Die deutsche Fußballnationalmannschaft hält sich symbolisch die Hände vor den Mund (Bild: Anne-Christine Poujoulat/AFP)

Die deutsche Fußballnationalmannschaft hält sich symbolisch die Hände vor den Mund (Bild: Anne-Christine Poujoulat/AFP)

„Zittern bis zur letzten Sekunde“, titelt Het Nieuwsblad. „Mit Minimalaufwand das Maximum erreicht“, notiert De Standard auf Seite eins. „Gewinnen klappt schon mal, jetzt fehlt noch guter Fußball“, so die Schlagzeile von Het Laatste Nieuws.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar hat Belgien gestern Abend sein erstes Spiel gegen Kanada 1:0 gewonnen. Der Sieg der Roten Teufel wird von den Zeitungen nicht gerade euphorisch bejubelt, aber doch gewürdigt. Het Laatste Nieuws schreibt zusammenfassend schon auf Seite eins: 88 Minuten braucht Michy Batshuayi im Durchschnitt, um ein Tor für die Roten Teufel zu erzielen. Zwischen „Batsman“ und der Nationalmannschaft ist es große Liebe und seit gestern noch mehr. Zusammen mit Courtois – wer sonst – war Batshuayi der Retter des Abends. Der eine schoss das Tor gegen Kanada, der andere hielt sein Netz sauber und parierte sogar einen Elfmeter. Aber guten Fußball? Nein, den haben wir nicht gesehen. Dieses Ergebnis ist ein kleines Geschenk, sagte dann auch deutlich ein frustrierter Kevin De Bruyne. Sonntag dann mehr gegen Marokko?, fragt hoffnungsvoll Het Laatste Nieuws.

Keine Armbinde, aber Eier

In ihren Leitartikeln beschäftigen sich gleich mehrere Zeitungen allerdings mit einem anderen Ereignis des gestrigen WM-Tags. La Dernière Heure führt aus: Seitdem die FIFA sechs europäischen Mannschaften verboten hat, die „One-Love“-Armbinde zu tragen, hat es keiner gewagt, eine starke Geste zu zeigen. Eine Geste, die überall auf der Welt gesehen würde. „Die Mannschaft“, also die deutsche Nationalmannschaft, hat nicht klein beigegeben. Als sie sich für das Mannschaftsfoto vor dem Spiel gegen Japan hingestellt hat, haben alle Spieler die Hand wie beim Gähnen vor den Mund gehalten. Die elf Spieler haben damit schon jetzt für eins der stärksten Bilder gesorgt, die diese Weltmeisterschaft liefern wird. Hoffentlich findet diese Geste Nachahmer, wünscht sich La Dernière Heure.

Het Nieuwsblad findet: Die WM in Katar droht zu einer Katastrophe zu werden. Weniger für das Gastland als für die FIFA. Die Geste „Der Mannschaft“ vor dem Spiel gegen Japan war ein Schlag ins Gesicht für die FIFA. Sie hat es geschafft, durch ihr Verbot der „One-Love“-Armbinde ein positives Signal in öffentlichen Protest umschlagen zu lassen. Schade, dass die Roten Teufel dem Beispiel der Deutschen nicht gefolgt sind, bedauert Het Nieuwsblad.

Het Belang van Limburg ist überzeugt: Ob FIFA-Boss Infantino es nun will oder nicht: Fußball ist auch Politik. Es bringt wenig, Fußballern den Mund verbieten zu wollen. Das haben gestern die Deutschen bewiesen. Sie hatten keine Armbinde nötig, um ihre Botschaft zu verkünden. Die Hand vorm Mund hat gereicht. Der Ausspruch des britischen Fußballers Gary Lineker gilt immer noch: Auch in diesem Spiel haben am Ende die Deutschen gewonnen. Mit dem Ball haben sie zwar gestern gegen Japan verloren, aber sie haben Eier gezeigt, freut sich Het Belang van Limburg.

Auf ins Weltall

Belgien wird bald wieder einen Astronauten ins Weltall schicken. Die Europäische Raumfahrtagentur hat gestern bekannt gegeben, dass der 34-jährige Ingenieur Raphaël Liégeois Teil der nächsten Raumfahrt-Mission sein wird. Dazu kommentiert L’Avenir: Das Weltall hat schon immer zum Träumen angeregt. Jetzt wird Belgien das Privileg haben, wieder einen Mitbürger in Richtung Sterne zu schicken. Die Zukunft wird zeigen, ob wir Raphaël Liégeois auf dem Mond spazieren gehen sehen. Was für ein fantastisches Bild wäre das!, träumt seinerseits L’Avenir.

La Libre Belgique berichtet: 23.000 Kandidaten hatten sich bei der Europäischen Raumfahrtagentur beworben. Fünf wurden ausgewählt, darunter Raphaël Liégeois. Das ist eine gute Neuigkeit. Er wird der dritte Belgier sein, der als Astronaut ins Weltall reist. Wir sollten stolz sein auf die Leistung unseres Landes in den Bereichen Wissenschaft, Luft- und Raumfahrttechnik. Sowohl wirtschaftlich als auch in technischer Hinsicht gewinnt Belgien dort immer mehr an Bedeutung, unterstreicht La Libre Belgique.

Kalte Dusche droht

L’Echo findet: Die Investitionen Belgiens in alles, was Luft- und Raumfahrttechnik anbelangt, sind vollauf zu rechtfertigen. Denn das schafft nicht nur Tausende von Arbeitsplätzen in Belgien, sondern lohnt sich auch finanziell. Für jeden Euro, der ausgegeben wird, bekommt Belgien drei bis vier Euro zurück. Außerdem ermöglicht das Belgien, an bedeutenden Missionen für die Menschheit teilzunehmen. Die Beobachtung des Klimawandels aus dem All ist eine Notwendigkeit, um die Menschheit vor Schlimmerem zu bewahren, erinnert L’Echo.

Die Schwesterzeitung De Tijd glaubt: Wahrscheinlich wird es eine hitzige Debatte geben, wenn heute der Europäische Energierat tagen wird. Dort will die Europäische Kommission nämlich ihre Pläne für einen Preisdeckel für Gas vorlegen. Die Kommission war noch nie ein großer Fan dieser Maßnahme und entsprechend wird ihr Vorschlag auch aussehen. Es wird viele Ausnahmen geben, so dass ein Preisdeckel nur in Ausnahmefällen mal greifen könnte. Das ist nicht das, was die belgische Regierung verlangt hat. Für sie droht der europäische Gaspreisdeckel eine kalte Dusche zu werden, prophezeit De Tijd.

Kay Wagner