Die Presseschau von Montag, dem 25. Oktober 2021

Das föderale Kernkabinett trifft sich heute, um über das Wiederaufflammen der Corona-Pandemie zu beraten, beziehungsweise darüber, was dagegen getan werden kann. Damit beschäftigen sich auch die meisten Leitartikel. Außerdem ist heute der 20. Geburtstag von Prinzessin Elisabeth.

FFP2-Maske (Archivbild: Ina Dassbender/AFP)

Archivbild: Ina Fassbender/AFP

„Corona-Maßnahmen auf dem Prüfstand: Kernkabinett berät über Vereinheitlichung der Regeln“, schreibt das GrenzEcho. „Zurück zu Mundschutzmasken und Telearbeit“, titelt Het Laatste Nieuws. La Libre Belgique bringt auf den Punkt, wen das besonders betreffen würde: „Covid breitet sich aus, Flandern unter Druck, die Maske wieder aufzusetzen“, so die Überschrift.

Der Premierminister hat für heute das Kernkabinett zusammengerufen, um über das Vorgehen angesichts der x-ten Rückkehr des Coronavirus‘ zu diskutieren, kommentiert La Dernière Heure – und das fünf Tage vor einem Konzertierungsausschuss, der unerwartet heiß werden dürfte. Ein neuer Lockdown, sei er nun teilweise oder allgemein, steht nicht zur Debatte – dank Impfgrad, Covid-Safe-Ticket, Barrieregesten und Mundschutzmasken. Eine Lektion, die wir die letzten Tage erneut lernen, ist, dass man sachte vorgehen muss, dass man vorsichtig sein muss in puncto Vorhersagen und Arroganz. Das ist eine Lektion, die vor allem Flandern gerade zu spüren bekommt. Dass auch im Norden des Landes strengere Maßnahmen immer weniger ausgeschlossen werden, ist gut: Wir haben immer gesagt, dass unterschiedliche Maßnahmen in einem so kleinen Land keinen Sinn machen, erinnert La Dernière Heure.

Zweimal die falsche Richtung

Vermutlich hat Premier De Croo das Treffen des Kernkabinetts nicht nur anberaumt wegen der beunruhigenden Corona-Zahlen, schreibt Gazet van Antwerpen, sondern auch wegen der schwer nachzuvollziehenden Ankündigungen der flämischen Regierung am Freitag. Die hatte ja mitgeteilt, dass es in Flandern keine Ausweitung der Mundschutzmaskenpflicht oder des Covid-Safe-Tickets geben werde. Dafür solle jeder die Möglichkeit auf eine dritte Impfdosis bekommen. Die Experten der Taskforce Impfung sind, wie der föderale Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke, aus allen Wolken gefallen. Angesichts der unzureichenden wissenschaftlichen Datenlage war die flämische Ankündigung zumindest voreilig. Hoffentlich kommt das Kernkabinett heute mit einer Anzahl deutlicher Entscheidungen, die Anhaltspunkte bieten und zeigen, dass die Politik wieder die Initiative ergreift, so Gazet van Antwerpen.

Scharfe Kritik an der flämischen Regierung kommt von De Morgen: In ihrer Eile, die Pandemie für beendet zu erklären, hat die Regionalregierung innerhalb einer Woche zweimal die falsche Richtung eingeschlagen. Weil die Regierung intern über eine Ausweitung des Covid-Safe-Tickets gespalten war, wurde schnell nach etwas anderem gesucht, um zumindest den Eindruck zu erwecken, dass die Herren und Damen Minister nicht Däumchen drehen. Aus gut informierten Kreisen wird berichtet, dass die inoffizielle Kritik vernichtend ist. Vielleicht hat Brasschaat ja ein Untersuchungsinstitut, das mehr weiß als wir, wird gegen Ministerpräsidenten und Bürgermeister von Brasschaat Jan Jambon gestichelt. Auch der Widerstand der flämischen Regierung gegen die Mundschutzmaske ist unbegründet. Die Auswirkungen eines häufigeren Maskentragens sind nichts gegen das Leid, das das Virus verursachen kann, unterstreicht De Morgen.

Het Nieuwsblad blickt nach Deutschland: Dort haben Ärzte vor einigen Tagen in den sozialen Medien ein einfaches Plakat veröffentlicht. Zwischen zwei Ungeimpften, die miteinander sprechen, beträgt das Risiko, sich anzustecken, 90 Prozent. Bei zwei Geimpften mit Mundschutzmasken sinkt es auf 1,5 Prozent. Mehr wollen wir dazu nicht sagen, so Het Nieuwsblad.

„Mundschutzmaskerade“

Het Laatste Nieuws keilt hingegen nach Kräften gegen die, Zitat, „Mundschutzmaskerade“: Entweder gehören die heutigen Corona-Zahlen zu unserer neuen Lebensrealität. Dann soll jeder selbst bestimmen, wie er mit sozialen Kontakten, Abstand, Belüftung und Masken umgeht.  Oder es muss härter gegen Impfverweigerer vorgegangen werden. Unser Land ist zu nett zu den Ungeimpften. In vielen anderen Ländern darf kontrolliert werden, wer geimpft ist, und darf diesen Menschen der Zugang zu bestimmten Orten verweigert werden. Hört bitte auf, auf die „Vertraulichkeit medizinischer Daten“ zu pochen. Mit der soll verhindert werden, dass Menschen diskriminiert werden wegen Leiden, für die sie nichts können. Sich auf diese „Vertraulichkeit“ zu berufen für Menschen, die in der Öffentlichkeit herumlaufen mit einer Axt oder einem Gewehr und denen es im Kopf nicht gut geht, ist hingegen nicht Sinn der Sache, wettert Het Laatste Nieuws.

Nach wie vor will sich niemand an eine Impfpflicht wagen, stellt Het Belang van Limburg fest. Da bleibt wohl nichts anderes übrig als eine großflächige Ausweitung des Covid-Safe-Tickets. Warum nicht gleich ein allgemeines Prinzip daraus machen, beispielsweise bei der Arbeit? Lieber überall einen QR-Code vorzeigen als wieder eine Mundschutzmaske zu tragen. Niemand will eine Passierschein-Gesellschaft. Aber wenn wir mit dem Covid-Safe-Ticket noch ein paar hartnäckige Verweigerer zur Impfung bringen, dann sollten wir das machen. Außerdem: Wer Auto fahren will, der braucht ja auch einen Schein, hebt Het Belang van Limburg hervor.

Das Alter, in dem alles möglich ist

L’Avenir beschäftigt sich derweil in seinem Leitartikel mit einem besonderen Geburtstag, nämlich dem der belgischen Thronfolgerin: Prinzessin Elisabeth wird heute 20 Jahre alt. Seit ihrer Geburt bereitet der Palast Elisabeth auf ihre zukünftige Aufgabe vor – sie soll die Königin aller Belgier werden. Das scheint so weit zu gelingen. Elisabeth ist in beiden Landesteilen beliebt. Die Zukunft des Königshauses ist damit aber nicht automatisch gesichert. Auch wenn die Familie nach wie vor populär ist, muss sie sich immer wieder in Frage stellen lassen. Aber sagt man nicht, dass 20 Jahre das Alter ist, in dem alles möglich ist?, meint L’Avenir.

Boris Schmidt