Die Presseschau von Freitag, dem 8. Oktober 2021

Auf vielen Titelseiten sieht man erstmal lange Gesichter: Enttäuschte Rote Teufel nach der Niederlage gegen Frankreich. Einige Leitartikler beschäftigen sich derweil mit den Haushaltsberatungen der Föderalregierung uns insbesondere dem Vorschlag zur Einführung einer Viertagewoche. Das wallonische Budget sorgt seinerseits für Sorgenfalten.

Enttäuschung bei den Roten Teufeln nach dem Spiel gegen Frankreich (Bild: Bruno Fahy/Belga)

Bild: Bruno Fahy/Belga

„Seufz!“, titelt Het Nieuwsblad. „Ein Hauch von bitterem Frust“, so die Schlagzeile von La Dernière Heure. „Schmerzhaft“, schreibt Het Belang van Limburg auf Seite eins. Die Roten Teufel haben am Abend in der Nations League gegen Frankreich verloren. Die Belgier waren in der ersten Halbzeit mit 2:0 in Führung gegangen. Nach der Pause drehten die Franzosen das Spiel und gewannen am Ende noch mit 3:2. „Dabei hatte alles so gut angefangen!“, beklagt L’Avenir. „Zwei-Tore-Vorsprung verspielt“, konstatiert das GrenzEcho. „Schon wieder daneben“, ärgert sich Le Soir. „Und wieder klappt es nicht gegen Frankreich!“, schreibt Het Laatste Nieuws auf Seite eins.

„Die Viertagewoche liegt auf dem Tisch der Vivaldi-Koalition“, so derweil die Aufmachergeschichte von Le Soir. Das wäre aber nicht eine Viertagewoche im klassischen Sinne. Im Raum steht eine Formel, bei der die Wochenarbeitszeit unverändert bliebe. Man will Arbeitnehmer lediglich die Möglichkeit geben, ihre Wochenarbeitszeit auf vier Tage zu konzentrieren, an denen man dann jeweils 9,5 Stunden arbeiten müsste. Die Gewerkschaften reagieren skeptisch bis ablehnend: „Wir wollen eine echte Arbeitszeitverkürzung“, reagiert die sozialistische FGTB in De Morgen.

Mogelpackung der Viertagewoche

Die Viertagewoche à la Vivaldi ist eine Mogelpackung, meint dazu sinngemäß L’Avenir. Denn eigentlich versteht man darunter insbesondere eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um eben einen Tag. Einige Länder haben es vorgemacht: In Island etwa gab es einen Modelversuch. Das Ergebnis: Die Produktivität ist gestiegen; und parallel dazu auch das Wohlbefinden der Arbeitnehmer.

Die angedachte belgische Variante der Viertagewoche wäre demgegenüber alles andere als revolutionär. Im Gegenteil: Die dann noch längeren Arbeitstage würden den Stress nur noch erhöhen; zudem nähme die Produktivität ab, vor allem gegen Ende des Tages. Wirklich ehrgeizig wäre nur ein Paradigmenwechsel gewesen. Hier mangelt es schlichtweg an Ambition.

Es geht nun darum, Kleinkriege zu überwinden

De Morgen beschäftigt sich seinerseits mit den Haushaltsberatungen insgesamt. Die Regierung De Croo steht vor ihrem wohl wichtigsten Wochenende seit ihrer Vereidigung. Am Montag sollten eigentlich das Budget 2022, sowie ein Plan zur Wiederbelebung der Wirtschaft vorliegen. Die Vorzeichen waren denkbar ungünstig. Der MR-Präsident Georges-Louis Bouchez und sein PS-Kollege Paul Magnette lassen keine Gelegenheit aus, um sich gegenseitig zu provozieren. Dabei mangelt es nicht an Herausforderungen. Die Energierechnung der Haushalte explodiert, die Unternehmen suchen händeringend nach Arbeitskräften und in Sachen Klimaschutz muss Belgien dringend nachbessern. Womöglich werden die heißen Kartoffeln am Ende weitergereicht an die Sozialpartner. Oder es gibt einen schwammigen Kompromiss ohne globale Vision. Es liegt jetzt an der Regierung zu beweisen, dass sie die Kleinkriege und das Gefeilsche überwinden kann.

„Die Wallonie steht auf der Kippe“

Im Fokus steht heute auch der wallonische Haushalt. Die Regierung Di Rupo hat gestern ihr Budget vorgelegt. Und hier stehen die Zeichen auf Sparmaßnahmen.

Die Wallonie wird sich anschnallen müssen, glaubt L’Echo. In den letzten zehn Jahren hat sich die Schuldenlast quasi verdoppelt. Die Lage hat sich derartig zugespitzt, dass sich die Region langsam, aber sicher Richtung Abgrund bewegt. Da wirken die 150 Millionen Euro, die man ab 2022 jährlich einsparen will, fast schon wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Da kann man wirklich nur hoffen, dass der Konjunkturplan funktionieren wird.

„Die Wallonie steht auf der Kippe“, warnt auch La Libre Belgique. Laut Experten droht der Region sogar der Bankrott, wenn man das Haushaltsdefizit nicht schnell in den Griff bekommt. Zumal die wirtschaftliche Situation im Süden des Landes bekanntermaßen auch alles andere als rosig ist. Die Wallonie wird sich jetzt schnellstens aufrichten müssen. Ab jetzt sind Taten gefragt.

Auf dem Weg zum Polexit?

Ganz anderes Thema auf Seite eins von De Morgen: „Das polnische Verfassungsgericht platziert eine Bombe unter der EU-Rechtsordnung“, schreibt das Blatt. Der polnische Verfassungsgerichtshof hat die EU-Verträge in Teilen für verfassungswidrig erklärt. Für das Gericht hat polnisches Recht Vorrang. Genau das verstößt aber schon gegen EU-Recht; denn die EU-Gesetzgebung hat Priorität.

„Polen attackiert die Grundfesten der EU“, analysiert denn auch La Libre Belgique. Hier droht jetzt also ein handfester Konflikt. „Polen stellt sich außerhalb der EU-Rechtsordnung“, schreibt De Standaard.

EU muss unabhängig werden

Apropos EU: Den Europäern wird in diesen Zeiten der astronomischen Energiepreise noch einmal grausam ihre Abhängigkeit vor Augen geführt. Abhängigkeit von russischem Gas, analysiert De Tijd. Es ist der russische Präsident Wladimir Putin, der die Schlüssel in der Hand hat, um die Gasmärkte zu beruhigen. Diese Krise erinnert die Europäische Union noch einmal daran, dass sie dringend geopolitisch erwachsen werden muss. Und dazu gehört leider auch militärische Schlagkraft. Denn wir leben nun einmal nicht in der Welt, die wir uns wünschen; sie ist nun mal, wie sie ist.

Die hohen Gaspreise erinnern uns aber auch noch an eine andere große Herausforderung, nämlich den Kampf gegen den Klimawandel. Die explodierenden Energierechnungen sorgen dafür, dass der Rückhalt in der Bevölkerung für eine ehrgeizige Klimaschutzpolitik schwindet. Wir haben also ein vitales Interesse daran, energiepolitisch unabhängig zu werden.

Roger Pint