Die Presseschau von Freitag, dem 11. Juni 2021

Am Abend beginnt offiziell die Fußball-EM – und das beherrscht auch die Titelseiten und verschiedene Leitartikel. Daneben werden aber auch eine Vielzahl anderer Themen kommentiert: etwa, wie sich Schüler kleiden sollten, Belgiens Ärger mit dem Datenschutz und auch der Europa-Besuch von US-Präsident Joe Biden.

Das Olympiastadion in Rom am Vorabend des EM-Auftakts zwischen Italien und der Türkei (Bild: Andrew Medichini/AFP)

Das Olympiastadion in Rom am Vorabend des EM-Auftakts zwischen Italien und der Türkei (Bild: Andrew Medichini/AFP)

„Endlich! Heute startet die EM“, jubelt Het Nieuwsblad. „Treffen wir uns in einem Monat?“, fragt hoffnungsvoll Le Soir unter einem großen alten Foto feiernder Roter Teufel und Fans auf der Grand-Place in Brüssel. „Auch der König drückt die Daumen – König Philippe besucht Rote Teufel vor EM-Auftakt gegen Russland“, liest man beim GrenzEcho auf Seite eins.

Heute Abend beginnt das große Fest des europäischen Fußballs in einem nur zu einem Viertel gefüllten Olympiastadion in Rom, schreibt Le Soir. Der Beginn eines lang erwarteten Wettbewerbs, der den ganzen Kontinent einen Monat beschäftigen wird. Aber die EM wird mehr denn je die Meisterschaft der Unsicherheiten sein. Sowohl was die Organisation unter noch immer Pandemie-Bedingungen angeht, als auch die finanziellen Aspekte für die UEFA. Und sicher nicht zuletzt auch in sportlicher Hinsicht. Aber natürlich bleiben die üblichen Verdächtigen die Favoriten: also Frankreich, England, Deutschland, Portugal, Spanien und auch Belgien, erinnert Le Soir.

L’Avenir greift die schwierige Situation auch der belgischen Fans auf. Und zwar nicht nur durch die stark eingeschränkten Kapazitäten in den Stadien, sondern auch beim Verfolgen der Spiele der Roten Teufel auf Leinwänden und Bildschirmen. Der Frust, das nur sehr begrenzt gemeinsam tun zu können, ist riesig. Aber falls De Bruyne und seine Mannschaftskollegen es bis nach Wembley schaffen sollten, dem Austragungsort der Halbfinals und des Finales, dann wird es kein Halten mehr geben. Das einzige, was bei dieser EM sicher scheint, ist, dass die Begeisterung, die Freude und damit auch die Unvernunft in Covid-Zeiten selbstverständlich von den sportlichen Leistungen der Teilnehmer abhängen, so L’Avenir.

Für De Tijd steht ein Gewinner der EM derweil schon fest: die europäische Impfpolitik. Für viele Fans ist dieser Wettstreit der Beweis, dass die Tore zum „Reich der Freiheit“ weit aufgestoßen sind. Dass die Europameisterschaft mit einem Jahr Verspätung jetzt endlich losgeht, wird als mentaler Sieg über das Virus empfunden. Möglich gemacht hat das vor allem die europäische Impfpolitik. Ja, sie hat strauchelnd und stotternd begonnen. Aber die Europäische Union hat sich aufgerafft: Die Hälfte aller Erwachsenen in der EU ist schon ein Mal geimpft, hundert Millionen Menschen sind bereits vollständig geschützt. Und bis nächsten Monat sollen 70 Prozent der erwachsenen Europäer geimpft sein, hebt De Tijd hervor.

Lösung Schuluniform?

La Dernière Heure kommt auf die an verschiedenen Orten tobenden Kleidungsdiskussionen an Schulen zurück: Das ist beileibe keine nutzlose oder harmlose Debatte, denn es geht um essenzielle Prinzipien wie die Einhaltung von Regeln, Anstand, wie die anderen jemanden sehen und die Freiheit und die Art, wie sich Kinder und Jugendliche kleiden. Andererseits erinnern die Reglements gewisser Einrichtungen an die Prüderie längst vergangener Zeiten. Warum als Lösung dieser Probleme nicht eine Schuluniform? Im Sinne eines einheitlichen Kleidungscodes ohne Markenzeichen? Das beseitigt Markenneid und soziale Unterschiede und stellt faktisch alle Kinder auf die gleiche Stufe. Und das erlaubt ihnen, sich besser darüber zu definieren, was sie eigentlich ausmacht: ihre Identität. Das wäre auf jeden Fall eine Herangehensweise, die mehr auf Gleichbehandlung als auf Elitismus setzen würde, meint La Dernière Heure.

Ordnung in den Laden bringen

De Morgen befasst sich in seinem Leitartikel mit dem Vertragsverletzungsverfahren, das die EU-Kommission gegen Belgien eingeleitet hat wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die europäische Datenschutz-Grundverordnung. Die Kommission hält die belgische Datenschutzbehörde für nicht ausreichend unabhängig. Privacy und Datenschutz sind Themen, die nicht viele Menschen nachts wachhalten. Sie sind abstrakt und scheinen wenig Bedeutung für unser Alltagsleben zu haben. Dem ist aber ganz und gar nicht so: Wie wir mit unseren Daten umgehen ist eine sehr wichtige Frage mit weitreichenden Folgen. In Belgien soll die Datenschutzbehörde darüber wachen, dass die persönlichen Daten der Bürger geschützt bleiben und gut mit ihnen umgegangen wird. Nur hat sich dieses Kontrollorgan in den letzten Jahren lieber selbst öffentlich zerfleischt und paralysiert, als dieser Aufgabe nachzukommen. Das ist besonders peinlich und schmerzhaft geworden während der Coronakrise, in der ja so viele neue Daten gesammelt worden sind. Hier hat die Datenschutzbehörde eine wichtige Chance verpasst, um ihre gesellschaftliche Rolle unter Beweis zu stellen. Höchste Zeit also, dass Ordnung in den Laden gebracht wird, fordert De Morgen.

MEGA

L’Echo kommentiert den ersten Europa-Besuch von US-Präsident Joe Biden als Staatsoberhaupt: Trotz aller Freude über den neuen Stil gerade im Vergleich zu seinem Vorgänger muss Europa wachsam bleiben. Denn sein Schicksal steht auf Bidens To-do-Liste nicht besonders weit oben. Das gilt wirtschaftlich, geopolitisch und auch in anderen Bereichen. Europa darf nicht von einer Rückkehr zu einer Politik wie früher träumen, die Vereinigten Staaten haben ihren Kurs bereits festgelegt und sich selbst die Mittel gegeben, um den auch zu verfolgen. Europa muss das Gleiche tun, es muss seine eigenen Interessen verteidigen, ein gemeinsames Projekt bauen, das es ein für allemal unabhängig macht vom großen amerikanischen Bruder. Warum sollte die Union nicht den alten Partner paraphrasieren und „MEGA“ zu ihrem neuen Slogan machen, „Make Europe Great Again“, schlägt L’Echo vor.

Boris Schmidt