Die Presseschau von Freitag, dem 10. Januar 2020

Mehrere Zeitungen berichten auf ihrer Titelseite über einen unheimlichen Verdacht im Zusammenhang mit dem Flugzeug-Absturz im Iran. Thematisiert wird am Freitag auch die große Brüsseler Automesse. Es sind vor allem die Elektro-Wagen, die im Fokus der diesjährigen Auflage stehen. Thema ist schließlich auch weiterhin die Note der Informatoren.

Flugzeugabsturz im Iran (Bild: Rouhollah Vahdati/Isna/AFP)

Alle 176 Insassen kamen bei dem Flugzeugunglück ums Leben (Bild: Rouhollah Vahdati/Isna/AFP)

„176 Menschen wurden durch ein Unglück vom Himmel geholt“, titelt Het Laatste Nieuws. De Morgen ist präziser: „Das Flugzeug wurde durch eine iranische Rakete abgeschossen“, so die Schlagzeile auf Seite eins. „Die USA und Kanada sind überzeugt, dass der Iran die Passagiermaschine abgeschossen hat“, schreibt Het Nieuwsblad auf seiner Titelseite.

Im Zusammenhang mit dem Absturz eines ukrainischen Flugzeugs nahe der iranischen Hauptstadt Teheran steht inzwischen ein unheimlicher Verdacht im Raum. Bei der Katastrophe waren am Mittwochmorgen alle 176 Insassen ums Leben gekommen. Iranische Verantwortliche sprachen schnell von „technischen Problemen“, die zu dem Unglück geführt hätten. US-Präsident Donald Trump und der kanadische Premierminister Justin Trudeau haben aber am Donnerstag erklärt, dass die Maschine möglicherweise von einer Luftabwehrrakete getroffen wurde. Beide beriefen sich auf Geheimdienstinformationen. Der Abschuss sei aber womöglich ein Unglück gewesen, also nicht absichtlich erfolgt.

Ein elektrischer Autosalon

In Belgien richten sich ab Freitag und in den kommenden Tagen alle Augen auf den Brüsseler Autosalon. Die große Messe auf dem Heysel-Gelände öffnet am Freitag ihre Pforten für das Publikum. Für viele ist das die Gelegenheit, um über den Kauf eines Neuwagens nachzudenken. Die Frage, die so manchem Kopfzerbrechen bereitet, steht wohl auf Seite eins von L’Avenir: „Für welchen Motortypen soll man sich entscheiden?“. Vielleicht gibt die diesjährige Auflage des Autosalons da die Richtung vor: „Der Salon zieht die elektrische Karte“, schreibt Gazet van Antwerpen auf Seite eins.

„Es ist eine sehr elektrische Auflage des Autosalons“, so auch die Schlagzeile von L’Echo. Wobei: „Ist jetzt schon der richtige Zeitpunkt, um ein Elektro-Auto zu kaufen?“, fragt sich La Dernière Heure. Es gibt nämlich nach wie vor zwei Probleme: Erstens stehen nicht genug Ladestationen zur Verfügung. Und zweitens sind elektrische Fahrzeuge immer noch verhältnismäßig teuer. „Und die Rabatte auf Elektrowagen halten sich in Grenzen“, warnt Het Belang van Limburg.

Elektrowagen: der Scheitelpunkt

Ein Autosalon? In der heutigen Zeit klingt das fast schon lächerlich, frotzelt Le Soir in seinem Leitartikel. Klar! Da gibt es massenhaft Argumente. Autos verpesten und verstopfen unsere Städte. Und sie befeuern den Klimawandel. Das Automobil ist vom Traum zum Albtraum geworden. Dafür jetzt den Autosalon in der Luft zu zerreißen, das wäre aber übertrieben. Für viele Menschen ist das Auto nach wie vor nicht wegzudenken. Es mag Alternativen geben. Nur muss man feststellen, dass diese immer noch nicht von der breiten Masse angenommen werden. Das darf aber auch kein Freibrief sein für Untätigkeit.

„Man sollte das Auto noch nicht abschreiben“, glaubt auch De Tijd. Trotz aller Schattenseiten übt das Auto immer noch eine große Anziehungskraft aus. Und man kann auch nicht behaupten, dass die großen Hersteller nichts tun, um ihre Produkte umweltfreundlicher zu machen. Und es bewegt sich was. Davon können sich die Besucher beim Brüsseler Salon selbst überzeugen. Vor allem im Bereich Elektromobilität. Aber zugegeben: Von einem Durchbruch kann man da noch nicht sprechen. Wenn Elektroautos zu einem Verkaufsschlager werden sollen, dann müssen erst noch Hindernisse aus dem Weg geräumt werden: mehr Ladestationen, niedrigere Preise. Um den Belgier davon zu überzeugen, ganz auf sein Auto zu verzichten, sind noch viel größere Probleme zu lösen. Öffentliche Verkehrsmittel sind jedenfalls weiterhin oft keine Alternative.

Für De Standaard sind wir jetzt aber an einem Scheitelpunkt. Der Erfolg oder Misserfolg der Elektroautos wird die Richtung vorgeben, ist mitentscheidend dafür, ob der Übergang zu einem klimafreundlicheren Leben funktionieren wird. Unsere politisch Verantwortlichen dürfen diesen Zug nicht verpassen.

Eine „Wischiwaschi-Note“ im Sinne der N-VA

Viele Zeitungen beschäftigen sich am Freitag auch mit der Mission der beiden Informatoren, Joachim Coens und Georges-Louis Bouchez. Am Donnerstag war ja ein Arbeitsdokument durchgesickert, dessen Inhalt viel Staub aufgewirbelt hatte. Fest steht jedenfalls, dass keine der zehn Parteien die Note ausdrücklich abgeschossen hat. Mit anderen Worten: Alle sind noch im Spiel. Nach wie vor zwingt sich keine Koalitionsformel wirklich auf.

Für L’Echo ist die Verwirrung eigentlich nur noch größer geworden. Eigentlich sah es so aus, als arbeiteten Coens und Bouchez an einer Regierung ohne die N-VA. Und dann taucht eine Note auf, die der N-VA durchaus gefallen konnte. Mehr denn je haben die beiden anderen flämischen Mitte-Rechts-Parteien OpenVLD und CD&V die Schlüssel in der Hand.

Het Belang van Limburg sieht das ähnlich. Was wir da gesehen haben, das ist eine Wischiwaschi-Note. In vielen Punkten bleiben die Informatoren vage. Und wie durch Zufall sind die Punkte, die klarer formuliert sind, durchaus im Sinne der N-VA. Im Großen und Ganzen hängt alles aber immer noch an der Haltung der CD&V: Solange die flämischen Christdemokraten der N-VA treu bleiben, solange bleiben die Nationalisten an Bord.

Reine Antipolitik

Die CD&V muss sich entscheiden, mahnt auch Het Laatste Nieuws. Der CD&V-Chef Joachim Coens kann als Informator noch so viele Noten schreiben, letztlich liegt es allein bei ihm. Und, ob er will oder nicht, de facto ist es seine CD&V, die das Land blockiert, indem sie ihr Schicksal eben an das der N-VA kettet.

Was wir hier sehen, das ist die reine Antipolitik, wettert De Morgen. Die Parteien winden und verbiegen sich. Niemand will sich zu weit aus dem Fenster lehnen. Die größte Angst ist, dass man 2024 vom Wähler die Rechnung präsentiert bekommt. Man fürchtet, dass dann die Antipolitik, mit Namen: der Vlaams Belang, die Früchte erntet. Was die Parteien nicht sehen wollen: Genau das passiert doch jetzt schon. Der einzige Gewinner der anhaltenden Blockade, das ist bereits der Vlaams Belang.

Roger Pint

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