Die Presseschau von Mittwoch, dem 8. Januar 2020

Die Zeitungen beschäftigen sich mit verschiedenen Themen: Neben Ermittlungen zur "Killerbande von Brabant" gibt es einen neuen Skandal bei der belgischen Armee. Außerdem werden die Stromversorgung, die Suche nach einer Föderalregierung, die Presse- und Meinungsfreiheit und SUVs kommentiert.

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Illustrationsbild: Yorick Jansens/Belga

„Neue DNA-Untersuchungen zur Killerbande von Brabant“, titelt De Standaard. „Zehn neue DNA-Spuren im Banden-Dossier“, vermeldet Het Nieuwsblad auf Seite eins. „Die letzte Chance: Hunderte neue DNA-Tests“, so die Schlagzeile von La Dernière Heure.

Überraschend sorgen die Ermittlungen zur „Killerbande von Brabant“ am Mittwoch für Aufmachergeschichten. Angeblich konnten durch neue Techniken zusätzliche DNA-Spuren am Beweismaterial festgestellt werden. Dieses genetische Material soll jetzt mit der DNA der bislang schon verdächtigen Personen aus dem Dossier abgeglichen werden. Angeblich sollen mehrere hundert Menschen davon betroffen sein.

Zur Erinnerung: In der ersten Hälfte der 1980er-Jahre hatte es eine Überfallserie in Belgien gegeben, bei der insgesamt 28 Menschen ermordet wurden. Die Täter hatte man als „Killerbande von Brabant“ bezeichnet. Ihre Identität konnte bis heute nicht festgestellt werden.

Jeder Fehler kann im Ernstfall tödlich sein

De Morgen berichtet in seinem Aufmacher von einem neuen Skandal bei der belgischen Armee. Demnach hatte der ehemalige PS-Verteidigungsminister André Flahaut 2006 18 Panzerjäger vom Typ Piranha gekauft. Die sind ungeeignet dafür, um tatsächlich Panzer ausschalten zu können. Die Munition für diese Panzerjäger wird von einer Firma hergestellt, die in Flahauts Wahlkreis liegt.

Dazu kommentiert De Morgen: Wieder einmal scheint es also so, dass unser Militär Material verwendet, das nicht richtig funktioniert. Erst vor Kurzem gab es ja den Skandal um Panzer, die nach einer Umrüstung zu klein für die Fahrer wurden. Früher schon gab es Fehlkäufe unter anderem bei Marinehelikoptern. Und jetzt das Problem bei den Panzerjägern. Diese Fehlinvestitionen machen es nicht einfacher, weiter das Geld für teure Militäranschaffungen zu rechtfertigen. Gutes Material ist aber unbedingt notwendig, wenn unsere Armee im Stande sein soll, unser Land im Ernstfall verteidigen zu können. Das ist ja ihr eigentlicher Auftrag. Das Material muss einwandfrei funktionieren, denn jeder Fehler kann im Ernstfall tödlich sein. Gerade beim Militär müssen alle anderen Interessen zweitrangig sein, unterstreicht De Morgen.

„Halleluja!“

Le Soir schreibt zur Jahresstatistik des Stromnetzbetreibers Elia: Halleluja! Unsere sieben Kernreaktoren haben im vergangenen Jahr fast durchgehend gut funktioniert. Auch ihnen ist es zu verdanken, dass die Stromversorgung Belgiens im vergangenen Jahr hervorragend war. Doch könnte man darüber fast vergessen, dass diese Meiler ja 2025 alle abgeschaltet sein sollen. Wo sind die Bemühungen, die Kapazitäten dieser Atomkraftwerke zu ersetzen? Die Antwort ist einfach: Es gibt sie nicht. Solche Bemühungen wären aber dringend notwendig. Was für gute Ergebnisse langfristige Planungen im Energiesektor liefern können, zeigt gerade die Windkraft: 2003 wurden die Pläne entwickelt und heute ist Windkraft eine Erfolgsgeschichte. Leider gibt es zurzeit niemanden, der einen ähnlichen Plan für die Zeit nach den Atomkraftwerken beschließen könnte, bedauert Le Soir.

Het Laatste Nieuws notiert im Zusammenhang mit der Suche nach einer neuen Föderalregierung: Ein Blick nach Madrid zeigt, dass Spanien kein Vorbild für Belgien sein kann. Zwar gibt es in Spanien seit Dienstag endlich eine Regierung. Aber die gleiche Regierung hätte es schon mit dem Wahlergebnis vom April geben können. Damals wollten die Sozialisten und die Linksradikalen von Podemos, die jetzt die Regierung bilden, noch nicht zusammenarbeiten. Nach den Neuwahlen bekamen sie weniger Stimmen und versuchen es jetzt mit einer Minderheitsregierung. Auch in Belgien ist nicht zu erwarten, dass Neuwahlen wirklich mehr Klarheit liefern würden. Nur, dass die radikalen Parteien links und rechts weiter stärker würden, das ist sicher, weiß Het Laatste Nieuws.

Meinungsfreiheit und SUVs

Zum gestrigen Jahrestag des Anschlags auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo meint De Tijd: Um die Presse- und Meinungsfreiheit steht es fünf Jahre nach dem Anschlag nicht gut. Zwar hatte die weltweite Anteilnahme damals gerade diese Meinungsfreiheit verteidigen wollen. Doch immer stärker ist sie unter Druck geraten in den vergangenen Jahren. Und zwar von neuen Zensoren und neuen Diktaturen, wie es am Dienstag der neue Chefredakteur von Charlie Hebdo beschrieb. Er meint damit Interessengruppen, Minderheiten und Meinungsmacher, die vor allem über Soziale Netzwerke Druck ausüben. Auch politische Karikaturen leiden darunter. Die New York Times hat sie sogar aus ihren Seiten verbannt, nachdem sie wegen einer angeblich antisemitischen Zeichnung in die Kritik geraten war. Fünf Jahre nach Charlie Hebdo ist das eine bittere Feststellung, klagt De Tijd.

Die Schwesterzeitung L’Echo beschäftigt sich mit den Stadtgeländewagen, den sogenannten SUVs, und führt aus: Immer mehr von ihnen gibt es in Belgien. Aber in Zeiten, in denen sich immer mehr Menschen Sorgen um das Klima machen, ist schon die Frage erlaubt, wie sinnvoll diese Autos sind. Braucht man wirklich diese nicht gerade umweltschonenden, platzraubenden Kisten, um ins Büro zu fahren? Die Frage ist rein rhetorisch. Klar ist: SUVs sind eher Teil des Problems, als Teil der Lösung. Kurz vor der Brüsseler Automesse sollte man sich dessen durchaus bewusst werden, so L’Echo.

Kay Wagner

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