Die Presseschau von Mittwoch, dem 7. August 2019

Die Zeitungen beschäftigen sich auch am Mittwoch noch mit dem Tod des belgischen Radsportlers Bjorg Lambrecht. Auch der weiter eskalierende Handelskrieg zwischen den USA und China bleibt Thema - ebenso wie die erfolglose Suche nach einer Regierung in Flandern.

Trauer auch bei Lambrechts Teamkollegen von Lotto-Soudal: Sie stiegen am Dienstag zwar aufs Rad, die Etappe der Polen-Rundfahrt wurde aber neutralisiert (Bild: STR/AFP)

Trauer bei Lambrechts Teamkollegen von Lotto-Soudal: Sie stiegen am Dienstag zwar auf's Rad, die Etappe der Polen-Rundfahrt wurde aber neutralisiert (Bild: STR/AFP)

„Radrennen ist die gefährlichste aller Sportarten“, zitiert De Morgen einen Radsport-Experten auf Seite eins. „Mannschaft von Bjorg Lambrecht startet mit Tränen in den Augen bei Polenrundfahrt“, notiert Het Belang van Limburg. „Mehr als 800 tote Radfahrer in zehn Jahren“, so der Aufmacher von La Dernière Heure.

Der Tod des belgischen Radprofis Bjorg Lambrecht auf der Polen-Rundfahrt beschäftigt die Zeitungen auch am Mittwoch noch. Het Nieuwsblad kommentiert: Das Drama um Bjorg Lambrecht hinterlässt tiefe Spuren. Es zeigt noch einmal, wie verletzlich ein Radfahrer ist. Während die Technik im Radsport immer ausgefeilter geworden ist, stets mit dem Ziel, die Fahrer schneller zu machen, hat man die Sicherheit vernachlässigt. Das muss sich ändern. Alle haben ein Interesse daran, die Radprofis besser zu schützen: die Sportveranstalter, die Zuschauer, die Profis selbst, erinnert Het Nieuwsblad.

La Dernière Heure hat das gleiche Anliegen, verallgemeinert es aber auf alle Radfahrer und schreibt: Beim Auto hat man jahrzehntelang immer mehr für die Sicherheit des Fahrers getan. Und immer noch versuchen die Autohersteller, mehr dafür zu tun. Beim Fahrrad hingegen wurde nichts getan. Das muss sich unbedingt ändern in einer Gesellschaft, in der das Fahrrad immer nachdrücklicher als umweltfreundliche Alternative zum Auto angepriesen wird. Übrigens nicht nur das Fahrrad, sondern auch die neuen E-Roller, deren Nutzer noch gefährdeter sind als Fahrradfahrer, warnt La Dernière Heure.

Schweres Geschütz im Wilden Westen

La Libre Belgique schreibt zum Handelskrieg zwischen den USA und China: Die große Frage bei dem Aufeinanderprallen dieser beiden Wirtschaftsgiganten ist die folgende: Hat der Protektionismus als politische Doktrin und wirtschaftliche Strategie den Liberalismus der vergangenen Jahrzehnte abgelöst? Was sich zwischen Peking und Washington gerade abspielt, ist nichts anderes als eine Schlacht – nämlich ein Kampf um die wirtschaftliche Führungsrolle in der Welt. Auch um die Vorherrschaft im Technologiesektor. Beide Riesen sind bereit, schweres Geschütz aufzufahren, um ihre Ziele durchzusetzen, analysiert La Libre Belgique.

Die Wirtschaftszeitung L’Echo sieht sogar noch schwärzer: 24 Stunden, nachdem der INF-Abrüstungsvertrag über nukleare Mittelstreckenraketen zwischen den USA und Russland beendet worden ist, kündigten die USA an, so schnell wie möglich solche Raketen nach Asien zu verlegen. Das ist ein weiteres Zeichen dafür, wie sehr sich die Welt unter dem US-Präsidenten Trump geändert hat. Die internationalen Beziehungen haben sich von dem komplexen Modell, in dem jede Stimme gehört wurde, zu einem Wild-West-Modell verändert, in dem sich, um im Bild zu bleiben, zwei Männer vor dem Saloon zum Duell treffen. Erstes Opfer von Trump war Nordkorea, jetzt ist China an der Reihe. Indem Trump dabei verbal einfache Lösungen proklamiert und auch nicht vor Kriegsrhetorik zurückschreckt, ist zu fürchten, dass er eines Tages tatsächlich die Atomsprengköpfe aktiviert, sorgt sich L’Echo.

De Morgen hält fest: Der Währungskrieg mit China verteuert alle möglichen Produkte für die amerikanischen Konsumenten und Unternehmen. Trump trifft in diesem Streit damit die Menschen, die er eigentlich beschützen will. Wer Trump im nächsten Jahr aus dem Weißen Haus befördern will, muss genau hier ansetzen: beim Portemonnaie der Menschen, glaubt De Morgen.

Um das Wohl von Flandern geht es bei keinem

Gazet van Antwerpen schaut auf die Regierungsbildung in Flandern und hält fest: Nichts geht hier vorwärts. Und gebetsmühlenartig wiederholen alle Politiker, dass immer die anderen schuld sind. Das nutzt niemandem. Und vor allem, dass sich jetzt auch Politiker aus der zweiten und dritten Reihe zu Wort melden, die mit der Regierungsbildung eigentlich nichts zu tun haben, hilft nicht weiter. Es wäre besser, sie würden schweigen und die Parteichefs ihre Arbeit machen lassen, rät Gazet van Antwerpen.

Het Laatste Nieuws ist sich sicher: Bei der Suche nach einer neuen Regierung haben alle Parteien in Flandern schon die Wahlen in fünf Jahren vor Augen. Jede Partei fragt sich: Was ist für uns das Beste, um 2024 wieder Stimmen zu gewinnen? Regierung oder Opposition? Und auch bei der N-VA, die ja quasi gesetzt ist als Regierungspartei, werden taktische Spielchen gespielt. Hier ist die Frage, wie man es schaffen kann, die CD&V bei den nächsten Wahlen vielleicht am besten ganz zu versenken. Um das Wohl von Flandern oder gar von ganz Belgien geht es bei keinem, kritisiert Het Laatste Nieuws.

Kein Grund zur Sorge

De Standaard fragt sich zur Meldung, dass belgische Arbeitnehmer weniger flexibel sind als der europäische Durchschnitt: Ist das jetzt eine gute oder schlechte Nachricht? Für die Wirtschaft ist das klar eine schlechte. Sie profitiert davon, wenn Menschen nachts und am Wochenende arbeiten und die dann wegen der Zuschläge auch mehr Geld haben, um es auszugeben.

Doch Konsum und Geld allein macht die Menschen nicht glücklich. Ihnen sind auch Freizeit und Familie wichtig. Weshalb die Feststellung, dass belgische Arbeitnehmer wenig flexibel sind, allein noch kein Grund zur Sorge ist, betont De Standaard.

Kay Wagner

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150