Die Presseschau von Mittwoch, dem 2. Januar 2019

Die Zeitungen blicken eher skeptisch auf das neue Jahr. In ihren Leitartikeln verurteilen sie außerdem die Krawalle in Molenbeek in der Silvesternacht, plädieren für die Rückführung von IS-Frauen nach Belgien und schauen sorgenvoll Richtung Kongo.

2019

Illustrationsbild: Pixabay

„Superstart ins neue Jahr“, titelt Gazet van Antwerpen. „Perspektiven für 2019“, heißt es bei Le Soir. „Jahreswechsel: Feuerwehr in Brüssel hatte alle Hände voll zu tun“, schreibt das GrenzEcho auf Seite eins.

Der Jahreswechsel beschäftigt die Zeitungen neben Aufmachern und Berichten auch in ihren Leitartikeln. Het Nieuwsblad kommt dabei auf die Ausschreitungen in der Brüsseler Stadtgemeinde Molenbeek zurück und führt aus: Traditionen haben die Eigenschaft, dass man sie als gegeben akzeptiert, als etwas, was man „halt macht“.

In Brüssel ist die relativ neue Tradition zu beobachten, in der Silvesternacht Krawalle zu machen. Zunächst in Schaerbeek, dann in Kuregem, jetzt in Molenbeek. Zehn Autos sind dort ausgebrannt, ein Feuerwehrwagen wurde versucht anzuzünden, Bushaltestellen wurden zerstört, eine Apotheke und weitere Geschäfte geplündert. Sachen, die eigentlich undenkbar erscheinen in einem demokratischen Wohlfahrtsstaat. Und da darf auch das Argument nicht zählen, dass es in Paris und in anderen Großstädten ebenfalls solche Krawallen gibt. Es bleibt schlicht und ergreifend dabei: Normal ist das nicht, betont Het Nieuwsblad.

Richtungsweisende Entscheidungen stehen an

De Standaard blickt auf zentrale Ereignisse, die in den kommenden zwölf Monaten anstehen und zählt auf: In Belgien stehen Föderalwahlen, in der EU die Parlamentswahlen an. Der Brexit wird eine große Herausforderung für Europa sein und außerhalb Europas werden die Augen auf den neuen Präsidenten von Brasilien, Bolsonaro, gerichtet sein. Wird er seine Worte in die Tat umsetzen und die Sorgen um das Klima, den Erhalt des Amazonas und den Schutz von Minderheiten in den Wind blasen? Oder wird er doch einen gemäßigteren Kurs fahren? In Brasilien wie auch überall sonst auf der Welt werden 2019 wichtige Entscheidungen gefällt werden. Auf die Art der Entscheidungen wird es ankommen, ob 2019 ein Jahr wird, das Perspektiven für die Zukunft öffnet, oder ein Jahr, in dem solche Perspektiven verbaut werden, schreibt De Standaard.

Het Laatste Nieuws ist dabei pessimistisch und fragt rhetorisch: Frohes neues Jahr? Naja, froh scheint es kaum zu werden, wenn wir auf die kommenden Monate schauen. Ende März soll der Brexit stattfinden – ein harter Schlag nicht nur für die flämische Wirtschaft, sondern vor allem ja für die EU. Und apropos EU: Die Europawahlen am 26. Mai verheißen nichts Gutes. Der Enthusiasmus, den Frankreichs Präsident Emmanuel Macron noch vor knapp zwei Jahren versprühen konnte, ist dahin. Traditionelle Stützpfeiler der europäischen Idee, wie die deutsche CDU, sind in der Krise. Der Marrakesch-Pakt hat gezeigt, dass Populisten und Nationalisten weiter Wind in den Segeln haben, fürchtet Het Laatste Nieuws.

Wie in den düsteren 30er Jahren

Ähnlich düster ist Le Soir. Das vergangene Jahr hat gezeigt: Das Schlimme ist wieder möglich. Die Popularität von Populisten wie Trump, Salvini und Bolsonaro erinnert an die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Erinnert an Mussolini, Franco, Hitler und Pétain. In den USA hatte damals Präsident Roosevelt den „New Deal“ ins Leben gerufen, um die USA vor Totalitarismus zu bewahren. Eine neue Form des Zusammenlebens, die sowohl Freiheit als auch soziale Gerechtigkeit verteidigte. Wo ist so ein New Deal heute für uns in Europa? Und vor allem: Wer wird ihn anstoßen und mit welchem Inhalt?, fragt besorgt Le Soir.

Die Wirtschaftszeitung L’Echo ist optimistischer, meint aber auch: Es gibt viele Anzeichen dafür, dass die kommenden Monate unsicher werden könnten. Der Wirtschaftsaufschwung in den USA und in Europa hat sich verlangsamt, zwischen den USA und China kriselt es weiter, beim Brexit ist vieles nicht klar, die Finanzmärkte schwächeln usw. Aber pessimistisch muss das einen nicht stimmen. Denn wirklich schlecht geht es der Weltwirtschaft nicht und mit Sicherheit wird das Jahr auch viele positive Überraschungen bringen, hofft L’Echo.

L’Avenir analysiert: Die Wünsche, die wir uns in diesen Tagen gegenseitig aussprechen, sind oft leere Worte. Formeln, deren Inhalt wir gar nicht so meinen. Versuchen wir doch Worte wie Toleranz und Freundschaft, Liebe, Friede, Freiheit usw. mit Leben zu erfüllen. So besteht die Chance, dass 2019 ein schönes Jahr wird, träumt L’Avenir.

IS-Frauen müssen zurück

Zum Streit um die Rückführung von zwei IS-Frauen nach Belgien meint De Morgen: Es gibt mehrere Gründe dem Richterspruch zu folgen und die Frauen tatsächlich nach Belgien zu holen. Sie sind belgische Staatsbürgerinnen, von belgischen Gerichten verurteilt und werden von der Justiz gesucht. Außerdem können sie Informationen über die Terrororganisation Islamischer Staat liefern. Und wenn die Türkei bald wieder die Kurden bekämpft, in deren Hand sich die Frauen zurzeit befinden, kann es sein, dass sie flüchten können. Damit wäre auch keinem bedient, gibt De Morgen zu bedenken.

La Libre Belgique notiert zu den Wahlen in Kongo: Die Stimmabgabe ist beendet, und jetzt hat sich die regimetreue Wahlkommission zurückgezogen, um die Stimmen auszuzählen. Auch wenn viele Kongolesen gar nicht abstimmen konnte – aus unterschiedlichsten Gründen – ist klar, dass das Volk den Wechsel will. Das Regime um den langjährigen Präsidenten Kabila will das verhindern. Chaos steht bevor. Die internationale Gemeinschaft könnte das verhindert, mahnt La Libre Belgique.

Kay Wagner

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