Es werden zwar immer weniger, aber es gibt anscheinend wirklich immer noch Menschen, die Wladimir Putin für ein strategisches Genie, einen Großmeister des dreidimensionalen Schachs und Ähnliches halten. Was in etwa in die gleiche Kategorie fällt, wie Adolf Hitler unironisch als den "größten Feldherrn aller Zeiten" zu bezeichnen oder Donald Trump als den intelligentesten Präsidenten der amerikanischen Geschichte.
Fakt ist, dass Putins Angriffskrieg zur Unterwerfung der Ukraine ein blutiges Fiasko war und ist und sich das strategische Genie des Kremlherrschers offensichtlich darauf beschränkt, so lange Menschen und Material in die Schlacht zu werfen, bis dem Gegner die Munition oder die Verteidiger ausgehen.
Putin hat zweifelsohne vor, bis zu seinem Lebensende auf dem Kremlthron sitzenzubleiben. Was wiederum bedeutet, dass er gar keine andere Wahl hat, als den Ukrainekrieg zu gewinnen. Oder zumindest zu einem Ende zu bringen, das er den Russen als großen Sieg verkaufen kann, der all die Opfer wert war. Jeder andere Ausgang wäre nämlich vermutlich sein Todesurteil angesichts des Abgrunds, in das er sein Land wirtschaftlich und demographisch gestürzt hat. Und gerade in Russland kennt man sich ja gut aus in puncto blutiges Ende ehemaliger Machthaber nach verlorenen Kriegen.
Um nicht so ein Schicksal zu erleiden, muss Putin dafür sorgen, dass der Westen die Ukraine fallen lässt. Einen militärischen Frontalangriff kann er sich aktuell nicht erlauben, wirtschaftlich fehlen ihm ebenfalls Druckmittel, die den Europäern mehr schaden würden als ihm selbst.
Bleibt also nur noch der gesellschaftliche Hebel: dafür zu sorgen, dass ihm freundlich gesonnene Politiker und Parteien die Macht übernehmen beziehungsweise dass die internen Probleme der EU-Staaten so groß werden, dass sie sich nicht mehr auch noch um ihn kümmern können. Womit die Ziele der hybriden Kriegsführung von Russland im Prinzip auch schon hinreichend umrissen wären. Chaos und Zwietracht säen, Einheit schwächen, Spaltung vorantreiben, polarisieren, sabotieren.
Ein entscheidendes Merkmal der hybriden Kriegsführung ist dabei immer die sogenannte "plausible deniability", also dass Angriffe und Aktionen nicht zweifelsfrei nach Moskau zurückverfolgt werden können. Wobei das ein sehr dehnbarer Begriff ist. Vieles was die Russen eisern abstreiten, ist mehr als hinreichend und auch vor Gericht bewiesen, siehe etwa Abschuss von Malaysia-Airlines-Flug 17. "Plausible deniability" als Strategie verliert auch sehr viel von seiner Wirksamkeit, wenn die andere Seite nicht mehr mitspielen will. So wie gerade eben die deutsche Bundesregierung bezüglich des versuchten Anschlags in Leipzig.
Und das war ein entscheidender Schritt. So wie kurz darauf auch die Kommunikation aus Dänemark, dass die Russen auch dort Anschläge vorbereiteten. Denn Ross und Reiter zu nennen, bringt die Dinge klar auf den Punkt. Sich oder seiner Bevölkerung die Situation schönreden zu wollen, bringt hingegen gar nichts: Russland führt auf europäischem Boden physisch Krieg gegen Europa, Punkt. Das Putin-Regime stellt eine tödliche Bedrohung dar. Eine friedliche Koexistenz mit ihm ist ausgeschlossen. Dieser Konflikt wird erst enden, wenn Russland militärisch eine vernichtende Niederlage erleidet, das Regime von innen gestürzt wird oder das Land wirtschaftlich absolut ruiniert ist. Punkt.
Eine andere Illusion, an die sich viele Europäer immer noch klammern, ist, dass man mit Diktaturen verhandeln kann. Die Geschichte lehrt, dass das nicht möglich ist. Und was Verträge und Vereinbarungen mit Putin wert sind, hat er selbst ja unzählige Male bewiesen. Die Vorstellung, sich Frieden erkaufen zu können, indem man die Ukraine opfert, ist sowieso schon beinahe lachhaft naiv.
Das Gleiche gilt auch für die Vorstellung, dass Putin irgendetwas anderes als rohe Macht respektieren würde. In dem Sinn müssen auch Reaktionen auf hybride Angriffe ausfallen. Botschafter vorladen, als Diplomaten verkleidete Spione ausweisen, Kulturzentren und Konsulate schließen? Davon liegt jemand, der schon jetzt Hunderttausende Menschenleben auf dem Gewissen hat, doch nicht wach. Nein, da muss schon mehr kommen, Europa.
Entschieden mehr. Wer Schwäche und Unentschlossenheit zeigt, fordert noch weitergehende Attacken geradezu heraus. Das predigen die Länder, die das Pech haben, an Russland zu grenzen, aus bitterer Erfahrung schon lange. Frei nach dem Motto: Wer nichts macht, ist machtlos. Und das wiederum ist natürlich eine Steilvorlage für die Populisten und Extremisten in Europa, die rein zufällig fast alle auch ausgezeichnete Kontakte nach Russland unterhalten.
Boris Schmidt
Es ist legitim, was Sie ggü. Russlands Führungsbeamten und deren Dienern für eine Meinung vertreten, Herr Boris Schmidt.
Repektieren wir jedoch ebenso die National-Meinung der Mehrheit des Deutschen Volkes:
Mehr wie einfach nur "legitim" der Wunsch der meisten Deutschen nach Politisch-Militärischer Neutralität. Frieden mit der "Alt-UdSSR"!
Spätestens, wirklich spätestens seit 1945 wollen in Ost und West fast alle Deutschen in Frieden leben mit ihren Nachbarn und den Voelkern der Welt ihre Hand reichen!
Dieses Wochenende werden legendäre Abwahlen des Politischem Systems in der alten DDR-Provinz Sachsen-Anhalt zur poltischen Zäsur.
Für das Recht aller Menschen zum Nein zu dieser Konfrontationspolitik gegen ihre "alte Brudernation".
Mit der Legitimation zum NEIN zur EU, NEIN zur NATO!
Deutschland wird eine Abwahl machen.
Diktaturen sind nur dann ein Problem, wenn man eines draus macht wie es die wesentlichen Moralapostel so gerne tun.
Das einfachste und beste ist, man treibt Handel mit solchen Ländern und mischt sich nicht ein.Denn dies wäre Kolonialismus.Man soll ein Land seinen Weg gehen lassen.So war es auch in den westlichen Staaten.
Die russischen Sabotageversuche sollte man nicht überbewerten.Sollte man als Zeichen der Schwäche sehen.Eigentlich ist Russland keine wirkliche Gefahr mehr, höchstens ein Ärgernis.
@ Jean Pierre: Ja, es wird eine Zäsur, aber Sie glauben doch nicht ernsthaft, das alle in D das gut finden würden....oder haben Sie eine spezielle Glaskugel, in die Sie geschaut haben?
@Herrn Scholzen: Man kann sich schon fragen wo Sie leben.
Nicht einmischen...das Einmischen andersherum hat schon lange begonnen.
Und ehrlich gesagt, finde ich es schrecklich, das Sie die Sabotageversuche als BLABLA bewerten.
Es hätte Schlimmstes passieren können, falls das funktioniert hätte.
Und dann wird das auch veröffentlicht.
Warten wir mal hoffnungsvoll ab auf dei Wahl in der Provinz Sachsen-Anhalt !
„Eigentlich ist Russland keine wirkliche Gefahr mehr, höchstens ein Ärgernis.“
Ob die Menschen in der Ukraine das nach 4,5 Jahren russischem Terror auch so sehen? Welch’ ein an Zynismus kaum noch zu übertreffender Kommentar.
Klar doch, Augen zudrücken, die Russen in der Ukraine machen lassen und Handel mit Putin treiben. Business at usuel.
Wie ist es möglich ethisch so tief zu sinken?
Glücklicherweise hatten die Amerikaner (nach einiger Überredung) vor 80 Jahren andere Maßstäbe, als der geopolitische eimerscheider No-Think-Tank…
Herr Chemnitz,
Erinnern Sie sich was Karl-Marx-Stadt zu DDR-Zeiten selbst während der Verbrechen der Mielke-Stalin-"Religion" dennoch für eine absolut sichere als auch saubere als auch begrünte Stadt war?
Vergleichen wir die heutigen "ex-DDR-Städte" mit jener Zeit, bevor [ohne zu fragen] man die DDR ausm Westen okkupierte, und zur Zahlungs-"Mitgliedschaft" und komplett ohne Volksbefragung einfach in die EU zwang.
Folglich bleibt der "Plebiszit Pro-DDR-Retorno" voelkerrechts-legitim!
Sehr geehrter Herr Schmidt,
ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihren klaren und unverblümten Kommentar. Sie sprechen mir aus der Seele. Ja, Putin und sein russisches Terrorregime sind Meister der Propaganda und der hybriden Kriegsführung. Dennoch: Wie bereits der (im "Westen" nicht vorhergesehene) Zerfall der Sowjetunion Ende der 80er Jahre gezeigt, sollten wir Russlands starres System und seine wankende Wirtschaft nicht überschätzen.
Trotz aller Herausforderungen und Kritiker: Eine neue europäische Stärke und ein neues europäisches Selbstbewusstsein müssen die Antwort sein!