Kommentar: Klimawandel bekämpfen reicht nicht

Alle Folgen der heftigen Regenfälle in Ostbelgien, der Wallonie und auch jenseits der Grenzen sind immer noch nicht abzusehen. Eine so große Naturkatastrophe auf so großer Fläche ist für unsere Region Neuland. Aber wir werden uns leider an neue Dimensionen von Wetterextremen gewöhnen müssen.

BRF-Programmchef Olivier Krickel

BRF-Programmchef Olivier Krickel (Bild: Achim Nelles/BRF)

Es sind Bilder, die einen sprachlos machen: Menschen, die ihr Zuhause, ihre Arbeit, ihre Existenz verloren haben. Einst so Vertrautes ist nicht wiederzuerkennen. In den Monaten der Corona-Krise hatten wir uns schon fast damit abgefunden, dass Restaurants geschlossen und Plätze kaum mit kulturellem Leben gefüllt sind. Jetzt sind Orte, wo wir gefeiert, gegessen und das Leben genossen haben, zugeschüttet mit Trümmern oder auch ganz weg.

Auch wenn man vieles wiederaufbauen kann und wird, hinterlassen Hochwasser und Sturzfluten nicht nur in Eupen eine Narbe, sondern in vielen Städten der Region. Diese Narbe wird hoffentlich aber auch daran erinnern, dass viele Bürger spontan bereit waren zu helfen. Zwischen den vielen dramatisch-tragischen Bildern in den Sozialen Netzwerken reihen sich in diesen Stunden immer mehr Hilfsangebote ein. Menschen, die Pumpen, ganze Wohnungen oder ihre Arbeitskraft anbieten. Beeindruckend, wenn sich so viele Freiwillige finden, um Sandsäcke zu füllen, dass am Ende eher das Material als die Motivation ausgeht. Nicht zu vergessen: die Rettungsdienste und Gemeindearbeiter, von denen einige ihren Urlaub gegen eine Non-Stop-Schicht getauscht haben. Es ist beruhigend, dass die Zivilgesellschaft immer noch funktioniert, wenn es am meisten darauf ankommt.

So schockierend die Bilder der Zerstörung sind – wir müssen gar nicht so weit suchen, um ähnliche Schicksale zu finden. Schon die Rheinanwohner in Köln teilen die Erfahrung, im Hochwasser Vieles, wenn nicht alles zu verlieren. Und trotzdem bieten sie dem Wasser die Stirn und versuchen, sich auf die nächste Naturkatastrophe vorzubereiten.

Das müssen wir notgedrungen auch tun. Denn Wetterextreme wie Starkregen, Dürren oder Kältewellen werden weiter zunehmen. Es reicht nicht, den Klimawandel nur bekämpfen zu wollen, denn er ist längst da. Und egal, wie ambitioniert Europa seinen CO2-Ausstoß verringert, der Klimawandel wird wohl noch über Jahrzehnte anhalten. Er ist schlicht zu träge, als dass man ihn mit welcher Maßnahme auch immer schnell abschalten könnte. Gerade erst hat die EU immense Mittel bereitgestellt, damit wir alle uns vom Verbrennen fossiler Stoffe möglichst verabschieden. Dabei ist das nur ein Teil der Wahrheit. Zu ihr gehört leider auch, dass wir genauso Investitionen brauchen, um uns den jetzt schon herrschenden Klima-Fakten anzupassen.

Wir kommen nicht mehr umhin und bezahlen die Rechnung zwei Mal: Erst beim Bekämpfen der Erderwärmung und dann beim Anpassen an den Klimawandel und sei es durch das Beseitigen von Schäden. Bei dieser doppelten Herausforderung haben wir nicht nur keine Zeit zu verlieren, sondern auch keine Mittel zu verschwenden. Das ist die erste Hürde in der Klimapolitik. Die schwierigste Aufgabe wird aber, die Bürger dafür über einen sehr langen Zeitraum bei der Stange zu halten.

Schon die Corona-Krise hat verdeutlicht, wie mühselig es ist, zu vermitteln, dass eine Maßnahme erst in einigen Wochen wirkt. Um wie viel komplizierter wird es, wenn die Früchte der Anstrengungen in einer fernen Zukunft liegen?

Olivier Krickel

16 Kommentare
  1. Jochen Decker

    Wobei wissenschaftlich nicht einmal klar erwiesen ist, ob der Mensch überhaupt imstande ist den Klimawandel zu beeinflussen oder gar zu stoppen. Selbst hochkarätige Wissenschaftler streiten darüber.

    Besser wäre es, die Ressourcen für Massnahmen zu verwenden, die geeignet sind die realen Probleme, wie wir sie jetzt gerade erleben, zu bekämpfen.
    Besserer Hochwasserschutz, angepasste Bauweise, bessere Absicherung des Stromnetzes, weniger Versiegelung, mehr Rückhaltebecken, usw.
    Kostet viel, nützt aber direkt und sichtbar, was bei Investitionen in einen diffusen Klimaschutz bestenfalls erhofft, vermutlich aber nie erreicht werden kann.

  2. Christian Oltmer

    Der Klimawandel ist ja ein sehr globaler Begriff, bei dessen Bekämpfung jeder, wenn man ehrlich ist, immer gerne auf den anderen weist. Im Großen und im Kleinen. Mit dem Schutz der Umwelt läßt sich jederzeit beginnen – aber der Mensch ist auch bequem, so ist er halt. In Falle dieser Tragödie geht es aber ja zunächst um klassischen Hochwasserschutz , um Raum- und Städteplanung. Mein Beileid an alle, die Angehörige und Freunde verloren haben.

  3. Marcel Scholzen eimerscheid

    Herr Decker. Sie haben Recht.

    Aber machen Sie sich jetzt drauf gefasst, dass die Klimajünger Sie auf den Scheiterhaufen bringen werden. Sie haben sich der schwersten Blasphemie am Klimawandel und Gretchen schuldig gemacht.

    Angepasste Bauweise und konkrete Hilfe für die betroffenen sind ist besser als ein Programm zur Bekämpfung des Klimawandels, das nur dann was nützt, wenn alle Staaten der Erde mitmischen.

    Ich hoffe nur, dass alle vernünftig bleiben und nicht in mittelalterliche Denkweisen zurückfallen und nach vermeintlichen Sündenböcken suchen. Damit ist niemandem geholfen.

  4. Uwe Chemnitz

    Herr Decker:
    Erwiesen ist, das es so schnelle Temperaturerhöhungen, Anstieg der CO2 Konzentration in der Atmosphäre bevor wir „nach geholfen“ haben…in so kurzen Zeiträumen niemals gab.
    Das haben Bohrungen im Eis der Arktis und der Antarktis ergeben..
    Fest steht jedenfalls , das der Mensch es geschafft hat, global alles so zu beeinflussen, das es irgendwann eine Schwelle überschreitet, wo es kein zurück mehr gibt.

  5. Guido Scholzen

    Herr Chemnitz,
    Die Eiskernbohrungen von Grönland und Antarktika haben gezeigt, dass es viele Perioden innerhalb von Eiszeiten in den letzten 300.000 Jahren gab, wo die Temperaturen extrem schnell gestiegen sind (Dansgaard-Oeschger-Ereignisse): die Global-Temperaturen stiegen um 5-10°C innerhalb weniger Jahrzehnte. davon sind wir weit entfernt.
    Ausserdem gab es in den letzten 10.000 Jahren wärmere Perioden als die heutige. Z.B. im Klimaoptimum des Holozäns (ca.8.000 bis 5.000 Jahre vor heute) war das Klima europaweit warm und feucht, die Jahresmitteltemperatur lag etwa 3 °C höher als heute. Und in dieser Zeit ist Grönland auch nicht weggeschmolzen, sonst könnten wir keine Eisbohrkerne aus dieser Zeit begutachten, um dies festzustellen.

    Ausserdem sind alle Klima-Simulationen (Szenarien allerlei Art) bis jetzt nie eingetroffen. Der Klimatologe Michael E. Mann orakelte 1998 voraus, dass wenn die CO2-Konzentration der Luft drastisch zunimmt, dann würde auch die globale Durchschnittstemperatur merklich aunsteigen.
    Was ist passiert? Nichts: die globale Durchschnitts-T° stagnierte 15 Jahre lang.
    Seitdem bin ich ein Klimarealist, und kein Klimawandel-Energiewende-Fanatiker mehr.

  6. Peter Schallenberg

    Herr Chemnitz, es geht nicht um die Frage, ob es einen Klimawandel gibt oder nicht. Es geht um Reaktionen darauf, und zwar angemessene!

    Meine Befürchtung ist, das der Klimawandel, genauso wie das Koronatheater, von unseren Politdarstellern missbraucht wird zur Erreichung aller möglichen, meist wirtschaftlichen, Ziele. Anstatt behutsam und mit Augenmaß vorzugehen wird Panik verbreitet, alle möglichen und unmöglichen Maßnahmen werden mit Korona- oder Klimawandel- Totschlargumenten begründet. Egal ob diese der Sache dann auch tatsächlich dienlich sind oder nicht.

    Gefährlich!

  7. Norbert Schleck

    Fragen an den Herrn Schallenberg:

    – Wie definieren Sie „angemessen“? Als etwas, was niemandem wehtut und keinen zwingt, manche liebgewordenen Lebensgewohnheiten zu ändern oder – schreckliche Aussicht! – gar aufzugeben? Was nichts kostet?

    – Wenn Sie „angemessene“ Maßnahmen befürworten, welches Ziel verbinden Sie denn damit?

    – Was genau ist „Koronatheater“? Sind die Kranken auf den Intensivstationen und das gesamte Pflegepersonal alles Schauspieler? DieToten auch?

    – Wo wird dieses „Koronatheater“ „zur Erreichung aller möglichen, meist wirtschaftlichen, Ziele missbraucht“? Welche genau?

    – Welche „Totschla[ga]rgumente “ sind das?

    Frage an Herrn Scholzen:

    Halten Sie immer noch an Ihrer Aussage fest: Ein warmes Klima ist ein gutes Klima?

  8. Guido Scholzen

    @Schleck,
    Wenn es mal alle 100 Jahre eine solche Katastrophe gibt, dann kann sich ja kein Lebender an ähnliches erinnern. Hat es früher auch soviel bebaute und asphaltierte und zubetonierte Flächen gegeben wie heute, die das Inferno noch verschlimmern? Im betroffenen deutschen Kreis Ahrweiler gab’s großflächige Hochwasser-Katstrophen schon nachweislich 1804 und 1910.
    In früheren Zeiten hätten die Menschen noch Hunger dazu gelitten, arm waren sie sowieso. Wir sollten froh sein, dass wir moderne Technik haben, um Naturkatastrophen besser zu meistern. Ein großes Dankeschön an alle Hilfskräfte.

    Herr Schleck, in Europa hat es schon wärmere Perioden gegeben als heute. Es wundert mich immer wieder, wie die Menschen das damals überlebt haben, komisch, nicht wahr? In kälteren Perioden gab es mehr Missernten.

    Wenn wir nun aufgrund dieser Hochwasser-Erfahrungen meinen, dass wir noch mehr Klimaschutz verwirklichen müssen durch eine Energiewende, die nie funktionieren wird, ja dann schädigen wir uns wirklich selber.
    Nur dumme Schweine laufen freiwillig zum Metzger.

  9. Marcel Scholzen eimerscheid

    Beim „Klimaschutz“ geht es um das übliche, nämlich Geld und Macht. Früher wie heute wird versucht, mittels der Verbreitung von Angst und Panik, politische Ziele zu verwirklichen. Da wurde und wird mit den Gefühlen der Menschen gespielt. Ein gutes Beispiel ist der ach so herzzerreißende Auftritt von Greta vor der UN. Eine gute Show, mehr nicht.

  10. Guido Scholzen

    Klimaschutz (als Theorie) hat wenig mit freier Wissenschaft zu tun, und die Energiewende (die daraus resultierende Praxis) hat wenig mit sinnvoll eingesetzter Technik zu tun.
    Beides ist die Fortführung von Politik – nur mit anderen Mitteln.

  11. Lutz-René Jusczyk

    So wichtig eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes auch sein mag: Was wir jetzt vor allem brauchen, sind zeitnahe Lösungen, wie mit gleichbleibenden Wetterlagen über vergleichsweise lange Zeiträume hinweg umgegangen werden kann.
    Wir erinnern uns an den Sommer vor drei Jahren. Damals war es über Monate hinweg extrem heiß und trocken; infolgedessen drohte ein Wassermangel, die Talsperren waren so gut wie leer.
    In diesem Jahr ist es genau umgekehrt: Dass es vielerorts zu einer Katastrophe gekommen ist, liegt nicht nur am Starkregen, sondern auch daran, dass es in den Wochen und Monaten davor überdurchschnittlich viel geregnet hat und der Boden schlichtweg nicht in der Lage war, weitere Flüssigkeit innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne aufzunehmen.
    Die Frage ist: Wie können bei Wetterlagen, wie wir sie unlängst erlebt haben, Ortschaften an Flusstälern wirkungsvoll vor Überschwemmungen geschützt werden?

  12. Norbert Schleck

    Herr Scholzen, Sie beantworten diese einfache Frage nicht:
    Ist ein warmes Klima (für uns) ein gutes Klima, wie Sie mal kurz und bündig behauptet haben?
    Wir diskutieren nicht über die Ursachen, oder ob es früher wärmer war als heute.

    Kleine Hilfe: Klicken Sie mal den Wikipedia-Artikel „Folgen der globalen Erwärmung in Europa“ an !

    Aber da es den Klimawandel ja gar nicht gibt…

  13. Marcel Scholzen eimerscheid

    Im Jahr 2018 war der heiße Sommer das Schlüsselerlebnis für Greta Thunberg, sich für mehr Klimaschutz zu engagieren. Nun bin ich gespannt, wer demnächst kommt und den Bau einer neuen Arche fordert als Reaktion auf die Unwetter.

  14. Guido Scholzen

    JA, dieser natürliche Prozess einer globalen Erwärmung, die seit 200 Jahren das klimatische Geschehen prâgt, ist positiver als eine Abkühlung.

    Es gibt keinen nachweisbaren menschengemachten Klimawandel durch CO2, wohl aber lokale und bis überregionale menschliche Tätigkeiten wie Waldrodungen, landwirtschaftliche Aktivitäten und Urbanisierungen…, die langfristig ausschlaggebend auf diesem Bereich sind, und somit auch maßgeblich die Umwelt beeinflussen, natürlich auch negativ!

    Ach übrigens: Wenn man den CO2-Gehalt der Luft wieder auf vorindustrielles Niveau (von 0,042 momentan runter auf 0,025%-Volumen) herunterschrauben könnte (es gibt keine Technologie dafür), auch dann hätte dies keinen Einfluss auf den NATÜRLICHEN 1.000-Jahres-Klima-ZYKLUSS, den wir nun schon zum vierten Mal durchlaufen.
    Wir haben ein besseres Klima als in der ‚kleinen Eiszeit‘ – weil es eben wärmer ist.

  15. Norbert Schleck

    Da stehen Tausende Menschen buchstäblich vor den Ruinen Ihrer Existenz, die Zahl der Todesopfer ist noch immer nicht bekannt, und der Herr Scholzen hat nichts als blöde Witze zu bieten.

    Ob unseren Eltern, denen sich 1945 das gleiche Bild bot, wohl über solche Sprüche gelacht hätten?

  16. Norbert Schleck

    Der Herr G. Scholzen hat den von mir erwähnten Artikel überhaupt nicht gelesen.

    Krampfhaft klammert er sich an seine stereotype Aussage vom „guten warmen Klima“.

    Das ist Sektierertum und völlig unwissenschaftlich. Aber Usus bei den „Gegenpolern“.