Kommentar: Zwischen Kirmes und Karneval – Leben mit Corona

Das allgegenwärtige Coronavirus hat sich diese Woche in die langwierige Suche nach einer belgischen Regierung eingemischt: Trotz der Infektion, die bei Vorregierungsbildner Egbert Lachaert festgestellt wurde, sollen die Verhandlungen aber weitergehen und möglichst bald zu einem Ergebnis führen. In unserer Region dreht sich in Sachen Corona derzeit vieles ums Brauchtum. Das zeigt, wie wir lernen, mit dem Virus zu leben, sagt Stephan Pesch im Kommentar.

BRF-Chefredakteur Stephan Pesch

BRF-Chefredakteur Stephan Pesch (Foto: Achim Nelles/BRF)

In Eynatten hat sich das angepasste Konzept schon bewährt. An diesem Wochenende wollen sie nun auch in Kelmis, Weismes oder Deidenberg Kirmes feiern – in geordnetem Rahmen … Sogar im Bütgenbacher Gemeinderat wurde das Thema angesprochen, am Rande zwar, aber es zeigt, wie wichtig es genommen wird. Und wie die Leute nach Normalität dürsten, wenn ich das in diesem Zusammenhang so sagen darf.

Dafür nehmen sie auch Einschränkungen in Kauf. Dass es nicht so sein kann wie gewohnt, ist den meisten klar. Und zwar so schnell noch nicht. Nach der frühzeitigen Entscheidung in Raeren sagten nun auch die Karnevalsvereine in der Eifel die nächste Session komplett ab. Das ist sehr vernünftig. Und einsichtig, nach dem, was dieses Jahr im Kreis Heinsberg passiert ist. Karneval auf Mindestabstand und in geordnetem Rahmen ist – die Elferräte und Komitees mögen mir verzeihen – ein Widerspruch in sich.

Auf Karneval reimt sich rein zufällig Celeval. Das Gremium, in dem auch die Deutschsprachige Gemeinschaft vertreten ist, spielt momentan eine äußerst wichtige Rolle: Es soll eine langfristige Orientierung erarbeiten, wie wir als Gesellschaft auf längere Sicht mit der besonderen Situation umgehen können.

Weg von Maßnahmen und Regeln, die unverständlich sind und an die sich darum sowieso kaum einer hält. Das hat Premierministerin Sophie Wilmès ja selbst beim vorigen Nationalen Sicherheitsrat am 20. August eingeräumt. Sie kündigte die neue Richtschnur binnen einer Monatsfrist an. Wir sollten also sehr gespannt sein, was in den nächsten Tagen kommt.

Bis dahin gilt, was diese Woche bei einer durchaus beeindruckenden Sitzung im Bildungsausschuss des PDG deutlich wurde. Zentrales Thema: Corona und die Maskenpflicht im Unterricht. Demonstrativ setzten zwei Ausschussmitglieder, als Lehrer selbst im Schulalltag damit konfrontiert, (trotz Mindestabstands) ihre Maske auf. Nicht, weil es ihnen so viel Spaß mache. Sondern weil sie diese Maßnahme in Kauf zu nehmen bereit sind, wenn dafür die Schüler wieder an fünf Tagen die Woche in die Schule können.

Und weil sie sich als Teil einer Gesellschaft sehen, deren übergroße Mehrheit durchaus die Masken lästig findet und Maßnahmen auch kritisch sieht. Der sich aber solidarisch zeigt. Und notfalls auch auf das verzichtet, was ihm lieb und teuer ist. Wie unsere Karnevalisten.

Dass es daneben auch Wirrköpfe gibt, die allen Ernstes rumtröten, hinter all dem stecke die Absicht, lokales Brauchtum zu zerstören, taugt nicht mal für die Kappensitzung.

Stephan Pesch

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