Kommentar: Gefährliche Clowns

Die Sommerferien biegen auf die Zielgerade - und damit endet auch eine Zeit, die gemeinhin ärmer an Nachrichten ist. Politiker wie Trump, Salvini, Johnson oder Bolsonaro sorgen aber schon mit ihren Auftritten und Äußerungen dafür, dass es nicht langweilig wird. Dafür hat diese Woche wieder Beispiele geliefert. Kann uns im Grunde auch egal sein. Wir sollten es aber nicht auf die leichte Schulter nehmen.

BRF-Chefredakteur Stephan Pesch

BRF-Chefredakteur Stephan Pesch (Foto: Achim Nelles/BRF)

Dass Dänemark als Reaktion auf Donald Trumps Avancen erwägt, die USA zu kaufen, um dort Sozialreformen nach skandinavischem Vorbild durchzuführen ist … Fake news. Oder dass Matteo Salvini im Falle eines Sieges seiner rechten Lega bei vorgezogenen Neuwahlen den reichen Norden des Landes vom armen Süden durch einen Grenzzaun abtrenne. Oder dass der britische Premier Boris Johnson nach einem harten Brexit nach Monaco flüchte. Oder dass Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro beabsichtige, schon für die Mittagszeit nächtliche Ausgangssperren zu verhängen, sollten die vielen Waldbrände weiter dazu führen, dass Städte rund um die Uhr von Rauchschwaden verdunkelt werden.

Alles frei erfunden. Aber schlimm, dass es klingt wie die echten Nachrichten: Trump spielt die beleidigte Leberwurst, weil die Dänen den von ihm erwogenen Kauf Grönlands als Hirngespinst abtun. Salvini ruft die Italiener dazu auf, ihm „alle Vollmachten“ zu geben. Johnson dreht eine Extrarunde durch Europa, als ob gerade er Vertrauen wecken könnte mit seiner Haltung „Raus aus der EU – komme, was wolle“. Und Bolsonaro unterstellt ohne jeden Beweis grünen NGOs, im Regenwald zu zündeln, um seinem Ansehen zu schaden.

Nun könnte man mit Bolsonaro sagen: Was geht euch das an? Spielen wir nicht das Spiel dieser ausgewachsenen Egomanen und Narzissten, wenn wir uns mit ihnen befassen? Die Kritik von außen macht sie unter ihren eigenen Anhängern nur beliebter, bestätigt sie doch, dass dem eigenen Volk von außen ein Wille aufgezwungen werde: von der EU, von China, vom Islam oder vom Fonds zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes, der mit Geld aus Europa gespeist wird und, nebenbei gesagt, auch der Brandbekämpfung dienen soll.

Wir könnten auch auf Durchzug schalten, wenn Bolsonaro von Kolonialismus schwadroniert; wenn Trump jüdischen Wählern der demokratischen Partei die Leviten liest; wenn Johnson im Elysee-Palast zugegeben spaßeshalber den Fuß auf einen Beistelltisch setzt; oder wenn Salvini oberkörperfrei am Badestrand stolziert, während aus Seenot gerettete Flüchtende, denen er verbietet an Land zu gehen, vor Lampedusa verzweifelt ins Meer springen.

Das unkonforme und scheinbar anti-elitäre Auftreten dieser selbst ernannten „starken Männer“ ist Teil ihrer machterhaltenden PR-Strategie. Es macht sie zu gefährlichen Clowns. Weil sie nicht in irgendeinem Operettenstaat, nicht in Syldavien oder San Theodoros den Ton angeben, sondern in Ländern, die zu den wichtigsten Industriestaaten gehören. Was immer sie tun und sagen, wirkt sich auf Weltpolitik und Weltwirtschaft aus.

Und für den Hausgebrauch: Indem wir uns mit ihren fadenscheinigen Aussagen und ihrem durchsichtigen Verhalten befassen, lernen wir, uns vor Nachahmern zu schützen.

Stephan Pesch

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7 Kommentare
  1. Marcel scholzen Eimerscheid

    Herr Pesch.Guter Kommentar.Nur warum sind sie da, die Trumps, Bolsonaros, Johnsons ? Weil die „anderen“ etwas falsch gemacht haben.Das faengt schon an in der DG. Da gibt es einen sogenannten „Buergerdialog“ anstelle echter direkter Demokratie oder die fragwuerdige Wahl des PDG-Prasidenten oder Parteien wie die CdH oder PTB haben Angst Verantwortung auszuueben, gehen direkt in die Opposition oder die PS will noch nicht mal reden mit der NVA oder oder oder.Man koennte die Auflistung von politisch unklugen Tatsachen noch weiterfuehren.Da kann man nur noch mit Kopfschuetteln reagieren.Und aus Verdruss ueber soviele Torheiten werden die Trumps, Bolsonaros, Johnsons eben gewaehlt.Das hat dann eine Schwaechung der Demokratie zur Folge und bereitet den Boden fuer irgendwelche extremistischen Regierungsformen.Unsere Damen und Herren Politiker sollten mal innehalten und ihr Verhalten ueberpruefen.Sie werden gewaehlt und bezahlt durch das Volk und sollen auch arbeiten fuer das Volk.

  2. Peter Schallenberg

    Ausgezeichnet analysiert, Herr Scholzen! Ihr Beitrag sagt alles!
    Die Zeit für direkte Demokratie, für faktische Volksherrschaft ist überreif! Leider trauen sich die meisten Angsthasen und Bedenkenträger soviel Freiheit und Verantwortung gar nicht zu! Und auch gewissen anderen Institutionen „von Gottes Gnaden“ ist das zuviel Demokratie und steht konträr zu deren Macht- und Geldgeilheit.

    Was mich im Kommentar des Herrn Pesch stört ist die Bezeichnung „Clowns“! Führen wir uns bitte vor Augen, das diese Herrschaften demokratisch legitimert wurden, also irgendwie durch Volkes Stimmen zu dem geworden sind, was sie nun sind. Ihr Handeln mag falsch sein oder gefährlich, sie als Clowns zu bezeichnen diskreditiert den Artikel und die Wähler.

    Aus Volksherrschaft kann paradoxerweise eine Diktatur entstehen. Dann aber zu sagen, das Volk sei schuld und habe falsch gewählt greift etwas zu kurz.

  3. Edgar Fink

    Schon ziemlich anmassend, gewisse gewählte Politiker als Clowns zu bezeichnen. Mich würde interessieren, wie sie die Wähler titulieren, die diese Politiker gewählt haben. Wie titulieren sie Politiker, die heute das Gegenteil von dem tun, was sie gestern gesagt haben. Welchen Namen geben sie Politiker, die belgische Skandale verursacht haben? Beispiel Publifin. Wie titulieren sie all die belgischen Politiker der ihnen genehmen Parteien, die einfach nicht im Stande sind, eine belgische Regierung zu bilden ? Wenn bei eventuellen Neuwahlen die extremen Parteien erneut zulegen, sind dann die belgischen Wähler, also wir das Volk, in ihren Augen die Clowns, weil ein Teil der Wähler den traditionellen Parteien erneut eine Abfuhr erteilt hat ?
    Wenn man sich mit diesen belgischen Begebenheiten etwas beschäftigt lernt man, dass traditionelle Politker es nicht schaffen, ein Land zu regieren.
    Ehe sie sich über den Tellerrand beugen, sollten sie vielleicht zuerst mal vor der eigenen Haustür kehren.

  4. Marcel scholzen Eimerscheid

    Die „Clowns“ werden mangels brauchbarer Alternative gewaehlt.Jede Stimme fuer einen „clown“ sollte als Warnschuss verstanden werden, dass sich etwas aendern muss in Richtung mehr direkter Demokratie.Es braucht dann serioese Konzepte seitens der Politik und keine neuen pseudodemokratischen Institutionen wie dieser sogenannte Buergerdialog.

  5. Wilfried Weber

    Ich finde Herr Pesch hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Es ist nicht abzustreiten, dass das Verhalten der klassischen Parteien nicht immer vorbildhaft ist. Aber deswegen diese gefährlichen „Clowns“ an die Macht bringen???

  6. Peter Schallenberg

    Ja, Herr Weber, es ist ein Pakt mit dem Teufel und ein Spiel mit dem Feuer. Und das kann ganz leicht schief gehen! Wenn Wähler aus Protest extrem wählen und bewusst oder unbewusst dieses Risiko eingehen, dann sollte das Anlass zum Nachdenken geben. Und zur Veränderung! Dazu sind die klassischen Parteien leider nicht in der Lage! Viel zu gemütlich liegt es sich vor dem reich gefüllten Futtertrog der Macht und des Geldes. Und der eigenen Selbstgefälligkeit.

  7. Guido Scholzen

    In den letzten 10 Jahren ist im Regenwald in Afrika durch Rodung und Brand mehr Waldfläche verloren gegangen als im Amazonas. Warum wird denn dieser Vergleich nicht mitgeliefert?

    Ach ja, im bürgerkriegsgefährdeten Schwarzafrika gibt es ja keine demokratisch gewählten Populisten, die man kritisieren kann. Nein, diesen korrupten Regimen werden sogar nach dem Pariser Klima-Diktat in Zukunft noch 100 Milliarden (!) für ‚Klimaschutzmaßnahmen‘ zur Verfügung gestellt. Oder sollte ich besser sagen, der Rothschild-Westen will mit dieser neuen Entwicklungshilfe Afrika weiterhin kontrollieren, bevor noch mehr wirtschaftliches Terrain an Rot-China verloren geht? Mit Bolsonaro kann man so’nen Klima-Deal nicht machen.

    Von 2003-2016 wurde Brasilien sozialistisch regiert (abgewirtschaftet fast wie in Venezuela) von Lula daSilva und Rousseff. Es wurde auch verbrannt und gerodet im Amazonasbecken in dieser Zeit. Das hat scheinbar niemand schwer gekümmert. Am Ende ihrer Regierungszeit stellte Präsidentin Rousseff symbolisch 2.5Mio hektar unter Schutz und bekam Aupplaus. Warum machte die das denn nicht früher?

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