Kommentar: Die Kandidaten stehen fest – jetzt muss gewählt werden

Jetzt sind es noch vier Wochen bis zum Wahltermin. Die zum Teil schwierige Suche nach Kandidaten ist beendet - die Frist, um Listen einzureichen, ist vorbei. Im Norden der Deutschsprachigen Gemeinschaft streiten in der Regel die traditionellen Parteien um die Gunst der Wähler. In der Eifel, wo sich seit längerem eher offene Listen präsentieren, sieht das Bild sehr unterschiedlich aus: In Büllingen und Burg-Reuland wird es jeweils nur eine Liste geben - in St. Vith, wo zuletzt eine Übermacht der amtierenden Mehrheit beklagt wurde, sind es nun fünf Bewerberlisten - darunter ein Einzelkandidat. Wir sollten froh sein, wenn wir die Wahl haben, findet Stephan Pesch in seinem Kommentar.

BRF-Chefredakteur Stephan Pesch

BRF-Chefredakteur Stephan Pesch (Foto: Achim Nelles/BRF)

„Les jeux sont faits“ – oder vielleicht doch besser andersherum: Mögen die Spiele endlich beginnen! Denn bislang war es in Sachen Wahlkampf in Ostbelgien verdächtig ruhig. Was auch daran gelegen hat, dass es nicht immer leicht war, überhaupt Kandidaten zu finden.

Die stehen nicht vor der Tür und warten nur darauf gefragt zu werden. Als ein Hindernis wurde da, wo es hakte, die Auflage beschrieben, genügend Frauen auf die Liste zu bringen. Was die Kandidatensuche ausbremste. Denn wer will überzähligen Männern absagen müssen, weil die Frauenquote nicht erfüllt wird?

Andere beschreiben das System der Listen an sich als ein Problem. Der Kandidat muss sich für die eine Liste und damit gegen eine andere entscheiden. Der Riss geht manchmal durch Familien. Man will es sich ja auch mit niemandem verscherzen. Und dann: Was werden die Leute sagen?

Darum von dieser Stelle aus: Hut ab vor allen, die bei den Wahlen kandidieren. Ob die Liste vollständig ist oder nicht, ob sie gute Aussichten auf die Mehrheit bietet oder nur auf die Oppositionsbank. Und sei es eine Kandidatur aus Prinzip. Denn dieses Engagement brauchen wir – auch wenn es erst geweckt werden musste.

Besondere Anerkennung gilt auch denen, die in den vergangenen Wochen und Monaten viel Überzeugungsarbeit leisten mussten. Und Überredungskunst. Und sich dabei weit mehr als einen Korb geholt haben. Denn wer hat heutzutage noch die Zeit, sich über die Familie, den Beruf, den Sport- oder Musikverein hinaus zu engagieren?

Ehe uns aber auf lange Sicht die Kandidaten ausgehen und wir uns dann über die fehlende (Aus-)Wahl beklagen, sollten wir uns Gedanken machen, was zu tun ist. Ist der Zwang zur hälftigen Geschlechterquote das beste Mittel, um für Gleichberechtigung zu sorgen? Muss das Prinzip der Listen (ob parteigebunden oder offen) auf den Prüfstand? Zugunsten einer Wahl, bei der sich Kandidaten frei bewerben – oder am Ende ausgelost werden?

Nun muss am 14. Oktober erst einmal gewählt werden. Das „muss“ beziehe ich nicht nur auf die geltende Wahlpflicht, sondern auch auf eine Selbstverpflichtung. Das bisschen Zeit am Wahlsonntag sollte uns die Sache schon wert sein. Und sei es aus Respekt vor denjenigen, die den Mut gefunden haben, sich überhaupt zur Wahl zu stellen.

Stephan Pesch

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2 Kommentare
  1. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Das ganze System mit den Listen sollte mal überdacht werden. Die Wahl an sich ist ja demokratisch, da gibt es nichts zu bemängeln. Aber die Auswahl der Kandidaten ist nicht gerade demokratisch. Da hat der Wähler keinen Einfluss drauf.

  2. Jean-Pierre DRESCHER

    Bzw. man weiß einfach nicht wer von den vielen Einzelbewerbern die persönlichen Interessen am ehesten vertritt.

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