Hergé-Museum mit Sonderausstellung „Tim in Amerika“

Als das Hergé-Museum in Neu-Löwen im vorigen Frühjahr wegen der Corona-Pandemie schließen musste, hat die Leitung die Auszeit für eine gründliche Renovierung genutzt. Das Dach wurde erneuert, viele Wände wurden frisch gestrichen. Im Dezember wurde das Museum mit einer zeitweiligen Ausstellung wiedereröffnet: "Tim in Amerika". Sie dauert bis in die Osterferien.

Hergé-Museum in Neu-Löwen (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Hergé-Museum in Neu-Löwen (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Nach dem „Kongo“ und dem „Land der Sowjets“ ist „Amerika“ das dritte weit entfernte Land, das Reporter Tim und sein Hund Struppi bereisen. Diesmal geht es über den Atlantik, ins Amerika der 30er Jahre. Tim entdeckt Chicago, Wolkenkratzer und schnelle Autos, den Wilden Westen, die Indianer und die Kehrseite der Industrialisierung.

Das Album, das die meisten von uns kennen dürften, ist die Version von 1946, und die ist vor allem eins: farbig. Das Original hingegen ist schwarz-weiß und stammt aus dem Jahr 1931. Die Ausstellung präsentiert beide Versionen nebeneinander, sodass der Besucher vergleichen, Details neu entdecken und vor allem Unterschiede ausmachen kann.

In der Ursprungsversion stellt Hergé die amerikanische Gesellschaft ungleich, bunt dar. Die Zensur 1942 zwingt ihn jedoch, Änderungen vorzunehmen. „So wird eine schwarze Mutter mit Baby durch eine weiße ersetzt. Zwei chinesische Händler verschwinden in der Farbversion vollständig“, erklärt Museumsführer Marc Vanhacter. Was aber bleibt, ist Hergés respektvolle Darstellung der Indianer und seine Kritik am Kapitalismus.

Um Hergé nachträglich gerecht zu werden, hat der Verlag Moulinsart letztes Jahr eine neue Farbversion der Originalausgabe von „Tim in Amerika“ herausgebracht – so wie er es zuvor mit den ersten beiden Alben „Tim im Land der Sowjets“ und „Tim im Kongo“ getan hatte. Einige Bildtafeln sind ebenfalls im Museum ausgestellt.

Hergé war ein vielseitiger Künstler: Comiczeichner, Illustrator, Karikaturist und Schriftdesigner – all diese Facetten zeigt das Museum, in insgesamt acht Sälen. Dokumentiert wird auch, dass sich Hergé auf seine Arbeit immer bestens vorbereitet hat. So hat er für „Tim in Amerika“ über Indianer recherchiert und die Tagesaktualität verfolgt.

Obwohl Hergé die Sicht seiner Zeit hatte, erscheint er im Rückblick wie ein Vorbote. Vieles, was er anprangerte, ist heute immer noch Thema in Amerika: Rassismus, Ausbeutung, Massenproduktion. Auch deshalb bleibt das Werk zeitlos, findet Museumführer Marc Vanhacter.

Das Hergé-Museum in Louvain-la-Neuve, am Fuß der Universität, ist jeden Tag außer montags geöffnet. An jedem ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei. Die Sonderausstellung „Tim in Amerika“ läuft noch bis Mitte April.

Marc Vanhacter, Museumsführer im Hergé-Museum in Neu-Löwen (Bild: Judith Peters/BRF)

Marc Vanhacter, Museumsführer im Hergé-Museum in Neu-Löwen (Bild: Judith Peters/BRF)

Judith Peters