BRF zeigt den Dokumentarfilm „Ashcan“ von Willy Perelsztejn

Vor Beginn des Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunals wurden ein paar Dutzend Nazi-Größen von Mai bis August 1945 in einem Hotel in Bad Mondorf im Großherzogtum Luxemburg verhört. Code-Name der Aktion: "Ashcan". Der belgische Filmemacher Willy Perelsztejn beleuchtet diesen eher unbekannten Aspekt der Nachkriegsgeschichte. Der BRF hat die Produktion unterstützt und im Gegenzug die Ausstrahlungsrechte erhalten. Ein Ausblick.

Es war so etwas wie das „Who-is-Who“ des NS-Regimes, derjenigen, die nicht Suizid begangen hatten wie Hitler, Goebbels oder Himmler. Nazigrößen wie Reichsmarschall Hermann Göring, Wehrmachtschef Wilhelm Keitel oder Marineoffizier Karl Dönitz – all diese gefangenen Bonzen und Generäle wurden zusammengebracht im Palace-Hotel in Bad Mondorf.

Der Filmemacher Willy Perelsztejn, dessen Eltern als jüdische Kinder während des Krieges in Belgien versteckt worden waren, erklärt, was hinter dem geheimen Gefangenenlager steckte: „Das erste Ziel ist, den Aufbau des Nazi-Regimes zu verstehen. Und es folgt eine Entdeckung nach der anderen“, so Perelsztejn. „Es klingt paradox, aber die in Ashcan gefangenen Mitglieder der NS-Führungsriege konnten zum ersten Mal seit Beginn des Krieges frei untereinander reden.“

Diese Umstände machten sich die jungen amerikanischen Offiziere zu Nutzen. Unter ihnen ist der in Luxemburg geborene, spätere US-Botschafter John Dolibois, der 2014 starb. Ihn hatte Willy Perelsztejn ein paar Jahre vorher als Zeitzeugen befragt. Interview-Auszüge sind im Film ebenso zu sehen wie die Einschätzung von Wissenschaftlern, ganz so wie man es aus Dokumentarfilmen kennt.

Für „Ashcan“ wählte der Filmemacher aber ein eigenes Stilmittel, um sich den handelnden Personen zu nähern. Zusammen mit Anne Simon erarbeitete Perelsztejn ein Theaterstück. Die Kamera fing die Proben ein. „Wenn ein Schauspieler sich die Rolle beispielsweise eines Dönitz erarbeitet, wird er zum Spezialisten. Und er wird der Person eine andere Dimension hinzufügen, die das Bild, das der Historiker von dieser Figur zeichnet, ergänzt“, so Perelsztejn.

Maximilien Jadin als John Dolibois (Foto: Bohumil Kostohryz)

Maximilien Jadin als John Dolibois (Foto: Bohumil Kostohryz)

Basis für die Dokumentation waren die wissenschaftliche Abschlussarbeit der jungen Mondorfer Historikerin Sally Kremer und die schriftlichen Protokolle der Verhöre. „In den Berichten habe ich die Bemerkungen der amerikanischen Befrager gefunden – über die Gefangenen oder das, was der eine Gefangene über den anderen erzählte. Das ergibt ein ganz anderes Bild als bei den Nürnberger Prozessen, wo die Angeklagten nicht die Möglichkeit hatten, miteinander zu reden. Das Material aus Bad Mondorf gibt so die Möglichkeit, vieles besser zu begreifen“, erklärt Perelsztejn.

Die Amerikaner wählten für ihr besonderes Gefangenenlager den Codenamen „Ashcan“, was soviel heißt wie Asche- oder Abfalleimer. Im Vorfeld der Nürnberger Prozesse wollten sie das Unbegreifliche begreifen. Das Ausmaß des Völkermordes an den Juden ist zu diesem frühen Zeitpunkt nach dem Krieg noch kaum erfasst. „Ashcan zeigt Menschen, die für eines der größten, wenn nicht das größte Verbrechen der Menschheit verantwortlich sind und so tun, als ob sie mit dem Ganzen nichts zu tun hatten“, sagt Perelsztejn. „Selbst in Ashcan gestehen sie sich das nicht ein. Stattdessen bezichtigen sie sich gegenseitig der Grausamkeit.“

Das BRF Fernsehen zeigt „Ashcan“ am Donnerstag um 20 Uhr.

Stephan Pesch

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6 Kommentare
  1. Carine Jost

    Hallo,
    kann man diesen Beitrag auch später im Netz ansehen?

    mfg,
    C. Jost

  2. BRF-Webredaktion

    Hallo Frau Jost,
    leider nein. Es handelt sich um eine einmalige Ausstrahlung im BRF Fernsehen.
    Beste Grüße
    BRF-Webredaktion

  3. Yves Tychon

    Schade! In Ermangelung einer Ausstrahlung über Satellit oder DVB-T und ohne Zugriff auf den Film in der Mediathek findet die Sendung also weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

  4. BRF-Webredaktion

    Liebe User,
    der Film „Ashcan“ von Willy Perelsztejn wird nun doch im Netz zu sehen sein. Der Film ist ab Freitagmorgen, 25. Januar eine Woche lang in der BRF-Mediathek abrufbar.
    Beste Grüße
    BRF-Webredaktion

  5. Yves Tychon

    Besten Dank !

  6. Carine Jost

    Super! Vielen Dank

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