Frauen im Ostkongo: Ausstellung in der Lütticher Uni

Bei Krankheit einen Arzt in der Nähe zu haben, im Notfall versorgt zu werden oder ein Krankenhaus aufzusuchen - das gehört für uns zum Standard. Ganz anders in Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo. Dort ist die medizinische Versorgung katastrophal. Vor allem im Osten Kongos beherrschen Gewalt, große Armut und soziale Probleme das Leben. Die Leidtragenden sind meistens Frauen und ihre Kinder. Ihnen widmet sich eine Fotoausstellung in der Lütticher Universität.

"Sakife" Lütticher Fotograf Christophe Smets zeigt Leid und Mut von Frauen im Ostkongo (Bild: Kay Wagner/BRF)

Bild: Kay Wagner/BRF

Eine junge Frau aus dem Osten Kongos – mit leerem, verlorenem Blick stillt sie ihr Kind. Zweimal wurde sie vergewaltigt: Ihren ersten Peiniger musste sie unter sozialem Druck heiraten. Ein zweites Mal fiel eine Gruppe von Männern über sie her. Ihr Kind ist aus dem ersten Gewaltverbrechen geboren. Trotz allem nennt sie es „Lumière“ – Licht.

Christophe Smets hat die Frau fotografiert und ist beeindruckt. Trotz ihres Schicksals zeige sie den Willen, das Leben anzunehmen, das Kind, das sie nicht gewollt hat. In ihrer dramatischen Situation sieht er ihren Wunsch, das Unmögliche zu überwinden.

Christophe Smets ist vielen solcher Schicksale begegnet, als er im Frühjahr durch den Osten Kongos reiste. Zusammen mit dem Journalisten Olivier Le Bussy hat der Lütticher Fotograf die Situation von Frauen dokumentiert, die dort unter Gewalt, Armut und mangelnder Gesundheitsversorgung leiden.

Ausgangspunkt war die Arbeit des Friedensnobelpreisträgers Dr. Denis Mukwege. Der kongolesische Arzt nimmt sich Frauen an, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Anfangs stand er noch alleine da. Jetzt werden es immer mehr Gynäkologen, die mit ihm arbeiten. Und das von ihm gegründete Panzi-Krankenhaus in Bukavu ist mittlerweile international anerkannt.

Die Arbeit des Dr. Mukwege wird durch belgische Hilfsorganisationen unterstützt, die mit ihren Projekten im Osten Kongos tätig sind. Mit ihrer Hilfe hat Christophe Smets Kontakt zu betroffenen Frauen aufgebaut.

"Sakife" Lütticher Fotograf Christophe Smets zeigt Leid und Mut von Frauen im Ostkongo (Bild: Kay Wagner/BRF)

Bild: Kay Wagner/BRF

Grauen und Armut, aber auch Hilfe

Neben den grausamen Fällen von Vergewaltigungen will seine Fotoreportage auch auf die soziale und wirtschaftliche Armut aufmerksam machen, die die Gesundheit der Frauen angreift. Fotos zeigen, wie sie über weite Strecken schwere Lasten tragen. Eine Folge davon: Organsenkungen mit dramatischen Folgen.

Die Fotos sind Momentaufnahmen aus dem Leben von Patienten, Gewaltopfern, aber auch von Pflegekräften und Menschen, die in den Gesundheitszentren arbeiten.

Christoph Smets geht es nicht nur darum, die Probleme zu zeigen, sondern auch Wege der Hilfe. Es sei schon einiges in Gang gekommen. Beeindruckt zeigt sich der Fotograf von einem Projekt in Goma im Norden der Provinz Kivu. Es sei in Kongo einzigartig: ein Familien-Projekt mit einem ganzheitlichen Konzept, das sowohl die medizinische Grundversorgung als auch psychologische Hilfe und Physiotherapie beinhalte.

Die Fotografien von Christophe Smets werden in der Ausstellung durch Texte ergänzt – auch in deutscher Sprache. Noch bis zum 21. Dezember ist die Ausstellung „Sakife“ in der Eingangshalle der Universität Lüttich zu sehen.

"Sakife" Lütticher Fotograf Christophe Smets zeigt Leid und Mut von Frauen im Ostkongo (Bild: Kay Wagner/BRF)

Bild: Kay Wagner/BRF

Michaela Brück