„Fluid“: Kunst, die von der Flut getroffen wurde

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe widmet sich am Grenzübergang Köpfchen eine Ausstellung genau diesem Thema - allerdings aus einer etwas anderen Perspektive. Im KuKuK stellt derzeit der Ostbelgier Boris Servais Kunstwerke aus, die von den Wassermassen beschädigt wurden und dadurch eine ganz neue Bedeutung bekommen haben. "Fluid" heißt die Ausstellung.

Die Ausstellung "Fluid" im KuKuK zeigt größtenteils Werke des Eupener Künstlers Boris Servais (Bild: Lena Orban/BRF)

Die Ausstellung "Fluid" im KuKuK zeigt größtenteils Werke des Eupener Künstlers Boris Servais (Bild: Lena Orban/BRF)

Die Flutkatastrophe vor einem Jahr hat auch vor der Wohnung von Künstler Boris Servais im Eupener Ortsteil Hütte nicht Halt gemacht. Dort stand das Wasser teilweise 1,75 Meter hoch in den Räumen. Schnell wurde bei den Aufräumarbeiten deutlich, dass auch viele der künstlerischen Werke, die dort gelagert waren, dem Wasser zum Opfer gefallen sind und beschädigt wurden.

Nachdem der Schock verdaut war, kam dem Künstler und seinen Helfern eine Idee. „Im Zuge der Aufräumarbeiten haben wir festgestellt, dass diese Schäden oft sehr interessant und spannend sind. Und einige Helfer haben dann gerufen: ‚Wow, diese Sachen muss man mal ausstellen.‘ So ist dann die Ausstellung entstanden“, erzählt Boris Servais.

Ausgestellt sind unter anderem Bilder, die ganz deutlich von Dreck und Schlamm gekennzeichnet sind. Diese sind queerbeet aus der Schaffenszeit des Künstlers. „Angefangen mit Studienarbeiten. Dann anschließend frühe illustrative Arbeiten, die für belgische Verlagshäuser entstanden sind. Spätere Arbeiten, überwiegend Federzeichnungen, die auch deutlich stärker von den Schäden betroffen waren. Auch ein Stück Sammlung, also Werke von befreundeten Künstlern, oder angekaufte Werke, die privat gelagert waren.“

Ausstellung "Fluid" im KuKuK (Bild: Lena Orban/BRF)

Bild: Lena Orban/BRF

Teilweise haben Dreck und Schlamm ganz neue Farbverläufe geschaffen oder lassen die Bilder plötzlich ganz anders wirken. Einige der Bilder sehen allerdings gar nicht so aus, als wären sie vom Hochwasser getroffen worden. Das liegt daran, dass es sich dabei nicht um die Originale handelt, denn die sind verschollen. „Von diesen verschollenen Originalen gab es gute Scans. Und auf Basis davon wurden Siebdrucke erstellt. Ein Drittel der Ausstellung sind Siebdrucke und sie erlauben, dass das abwesende Werk auf diese Art Einzug erhalten kann.“

Die Ausstellung ist für Boris Servais auch eine Art und Weise, die Flutkatastrophe zu verarbeiten. Der Künstler ist emotional in dieser Zeit durch verschiedenste Phasen gegangen. „Ich habe stellenweise den Bezug zu meinem Beruf verloren. Natürlich waren auch Schmerz und Trauer dabei. Diese Trauer geht auch deutlich länger als der erste Schock. Es waren aber auch sehr überraschende Momente dabei. Freudiges Entdecken von Motiven, die sich zwar verändert haben, die aber auch zu etwas Neuem erweckt sind.“

Ausstellung "Fluid" im KuKuK (Bild: Lena Orban/BRF)

Bild: Lena Orban/BRF

Die Ausstellung ist für Boris Servais Teil des Verarbeitungsprozesses und ein Abschluss davon. Danach möchte er das Thema gerne ad acta legen. Noch bis Ende August ist „Fluid“ im KuKuK am Grenzübergang Köpfchen zu sehen.

Ausstellung "Fluid" im KuKuK (Bild: Lena Orban/BRF)

Bild: Lena Orban/BRF

Lena Orban

2 Kommentare
  1. Johannes Weber

    Eine sehenswerte Ausstellung! Ein mutiger Schritt für den Künstler Boris Servais. Ich bin beeindruckt.

    Johannes Weber

  2. Alfred Renardy

    Gratulation Boris zu deinen ausgestellten Werken – beeindruckt bin ich auch von deinem Interview – ich erkenne eine gewisse DNA