Die amerikanische Traumfabrik: Warhol-Ausstellung in Lüttich

Reihenweise Dosensuppen, oder bunte Marilyns. Noch heute werden seine berühmtesten Werke kopiert oder neu interpretiert. Andy Warhol war und ist der König der Pop-Art-Kunst. Eine brillante Ausstellung im Museum La Boverie in Lüttich zeigt seit dem Wochenende einen Künstler, der so vielseitig war, dass man sich fragt, wie das alles in ein Leben passt.

"Warhol - The american dream factory": Ausstellung im Musem 'La boverie' in Lüttich

"Warhol - The american dream factory": Ausstellung im Musem 'La boverie' in Lüttich (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Zweieinhalb Jahre ist die Ausstellung ‚Warhol – The american dream factory‘ vorbereitet worden. „Sie zeigt die Karriere eines der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts“, sagt der künstlerische Leiter der Ausstellung, Benoît Remiche. „Wenn man schaut, was in den USA heute los ist, dann kann man sich die Frage stellen, was vom amerikanischen Traum, den Andy Warhol auch verkörpert hat, übrig bleibt.“

Andy Warhols richtiger Name ist Andrew Warhola. Er ist der Sohn einer in bescheidenen bis armen Verhältnissen lebenden Einwandererfamilie aus den Karpaten. Im Alter von acht Jahren erkrankt der Junge an Rheumatischem Fieber und Muskelschwäche. Von der Krankheit gezeichnet verbringt er viel Zeit im Bett. Seine Mutter versorgt ihn liebevoll mit Comicheften.

Fasziniert beginnt er, selber zu zeichnen. Er macht Pappfiguren, später seinen Abschluss in Malerei und Design. Soweit die prägende Vorgeschichte des Künstlers, der einer der größten seiner Zeit werden sollte.

Andy Warhol macht sich einen Namen in den 50er Jahren. Er zählte zu den bestbezahlten Grafikdesignern in New-York, einer Hochburg der amerikanischen Werbeindustrie. Er stellt sich in den Dienst des amerikanischen Traums.

Die Art, wie er triviale Alltagsgegenstände zeichnet, kommt bei den Kunden gut an. Doch seine Karriere als kommerzieller Künstler reicht ihm da schon nicht mehr. Er sucht neue Ideen für seine Bilder auf Leinwand. Seine ersten Themen: Hollywood- und Comic-Stars wie Micky Maus, Popeye oder Superman.

Die ‚Swinging Sixties‘ sind ein revolutionäres Jahrzehnt: Gezeichnet von Krisen, Kriegen und Protesten. Aber auch ein Höhepunkt der Konsum- und Erlebnisgesellschaft. Warhol wird zum Porträtisten – zum Zeitzeugen – dieser Gesellschaft. Sein Markenzeichen: Die Serialisierung von Bildern. Eines der bekanntesten Werke aus dieser Zeit: die in vielen Farbvariationen verarbeitete Abbildung von Marilyn Monroe.

Warhol wird durch seine Kunst reich, berühmt und einflussreich. Dabei belässt er es nicht bei der Malerei. Er produziert Zeitschriften und Bücher, macht Fernehen und Kino. Doch die Sixties enden für ihn recht abrupt. Eine radikale Feministin, die alle Männer kastrieren lassen möchte, verletzt ihn 1968 mit einem Revolver.

Kunstikone

Später zeigt Warhol, wie ein moderner Jesus, seine Narben. „Warhol wird immer mehr selber zur Kunstikone“, sagt Kunstexperte Laurent Delvaux. Warhol ist nicht nur ein Künstler, sondern darüber hinaus ein Phänomen. Er ist eine öffentliche Figur geworden, die sich als Mysterium darstellt. Er hat sich selbst erschaffen.

In den 70er Jahren erfindet Warhol sich neu. Er ‚rationalisiert‘ seine Kunst und macht sie zu einem echten Business. Er umgibt sich nicht mehr mit Junkies, Außenseitern und avantgardistischen Künstlern, sondern mit den Schönen und Reichen. Er sucht und findet die Nähe zur High Society.

In den 80er Jahren ist Warhol davon überzeugt, an die Grenzen seiner Kunst gestoßen zu sein. Dennoch ist er bemüht, seine Ausdrucksformen zu erneuern. Dafür sucht er die Nähe zur nächsten Künstlergeneration, wie Basquiat oder Keith Haring. Aber nicht als Anführer, sondern als Co-Produzent von Werken. 1987 stirbt Warhol bei einer Routineoperation. Er wird 58 Jahre alt.

„Das Museum La Boverie will mit der Warhol-Ausstellung die Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft in einem Zeitraum von vier Jahrzehnten darstellen“, sagt Laurent Delvaux. „Das geschieht durch den Blick von Andy Warhol.“

Und das ist dem Museum tatsächlich auf hervorragende Art gelungen. So nah wie in Lüttich wird man uns Andy Warhol in den nächsten Jahren wohl nicht mehr bringen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Ausstellung ‚Warhol. The American Dream Factory‘ läuft bis zum 28. Februar.

"Warhol - The american dream factory": Ausstellung im Musem 'La boverie' in Lüttich

Bild: Manuel Zimmermann/BRF

Manuel Zimmermann

Ein Kommentar
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    „…wie ein moderner Jesus…“ ist schon eine ziemlich deftige Aussage. Den Erlöser mit einem Künstler zu vergleichen, halte ich für etwas übertrieben. Warhol war mehr den irdischen Dingen zugetan als Jesus.