Corona-Hotspot Antwerpen: Eine Künstlerin berichtet über ihr Leben im Lockdown

Annika Serong lebt in Antwerpen. Sie ist Theaterschauspielerin und Mitglied der ostbelgischen Agora. Mitte März stand sie zusammen mit ihrer Kompanie das letzte Mal auf der Bühne des Alten Schlachthofes in Eupen. Direkt am nächsten Tag kam der Lockdown. Und jetzt hat Corona ihr Leben in Antwerpen wieder in der Hand.

Annika Serong: Für das Bild hat ihr ein Polizist erlaubt, die Maske kurz abzunehmen (Bild: Privat)

Annika Serong: Für das Bild hat ihr ein Polizist erlaubt, die Maske kurz abzunehmen (Bild: Privat)

„Die Stimmung ist schon schwerer. Im Moment ist es draußen relativ ruhig. Die Straßen sind relativ leer. Man hat das Gefühl, dass sich die Leute eher innen aufhalten, was sie ja auch sollen. Und wenn man dann doch jemandem begegnet, dann hat er eine Maske auf“, berichtet Annika Serong über ihren aktuellen Alltag in Antwerpen. „Wir fühlen uns wie in der Warteschleife und fragen uns, was passiert jetzt, was kommt als nächstes?“.

Eigentlich sollte Antwerpen in diesen Tagen mit Menschen gefüllt sein. Denn die Stadt richtet jedes Jahr das große Festival „Het Zomer Van Antwerpen“ aus. Im Moment sind alle Veranstaltungen aber abgesagt. „Het Zomer Van Antwerpen“ sei normalerweise das größte Zuschauerfestival in der Stadt. „Das dauert eigentlich länger als zwei Monate mit allen Randveranstaltungen. Das hatte auch angefangen mit völlig coronaerprobten Vorstellungen und das ist jetzt alles abgesagt“, erzählt Serong. „Ich selbst war da konkret nicht dran beteiligt, aber ich höre das natürlich von Kollegen, die dann mitten in der Vorstellung abbrechen mussten.“

Umdenken im Kultursektor

Für die Branche ist das ein regelrechtes Déjà-vu. Dabei hatte man bereits beim ersten Lockdown sehr schnell nach coronasicheren Alternativen gesucht. „Ich finde, dass der kulturelle Sektor extrem kreativ und kooperativ gearbeitet hat und versucht hat, sofort Lösungen zu finden. Dadurch konnte der Zuschauer sich dann sicherer fühlen und den kulturellen Sauerstoff, der ihm da gefehlt hat, wieder atmen“, so Annika Serong. Es gäbe kleinere Performances und vieles kann im Sommer draußen stattfinden. „Das Angebot ist unglaublich reich. Und jetzt in Antwerpen ist es wieder komplett vorbei.“

Rückblickend empfand Annika Serong den direkten Umgang mit der Krise bei der ersten Coronawelle in Belgien sogar als ihre künstlerische Pflicht. Umso frustrierender, dass nun in Antwerpen alles wieder still steht. Aber die Schauspielerin gibt die Hoffnung nicht auf. Vor allem, da es für sie erst einmal zum Proben nach Deutschland geht.

Nächste Agora-Produktion

„Wir werden jetzt die nächste Produktion der Agora beginnen: ‚Die weisen Tiere‘ nach einem Text von Hannah Arendt. Und wir wollen für die Proben nach Deutschland zur Mecklenburgischen Seenplatte fahren. Dabei sind wir ein Team von 13 Leuten und wollen einander einfach so gut wie möglich schützen. Deshalb haben wir alle, die an den Proben beteiligt sind, gefragt, einen Coronatest zu machen, damit wir wissen, dass wir erst mal bei einer Nullgefahr anfangen können“, erklärt die Schauspielerin.

Die Kompanie hofft, dass dieser Plan aufgehen wird. Einige Restsorgen bleiben jedoch, schließlich wurde die gesamte Branche bereits einmal wegen Corona komplett stillgelegt.

sd/rasch